Busse oder zehn Tage Arrest

Anfang Juni haben sich Anwohner der Stadtkaserne Frauenfeld über Lärm von alkoholisierten und halbnackten Militärangehörigen beschwert. Jetzt ist die interne Untersuchung abgeschlossen, mit Konsequenzen für die Unruhestifter.

Samuel Koch
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Die Stadtkaserne in Frauenfeld – früher Stützpunkt der Artillerie-RS, heute Unterkunft der Führungsunterstützung. (Bild: Donato Caspari)

Die Stadtkaserne in Frauenfeld – früher Stützpunkt der Artillerie-RS, heute Unterkunft der Führungsunterstützung. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Die Aufregung war gross: Alkohol, Lärm, halbnackte Angehörige der Armee, entblösste Genitalien und nackte Hintern. In der Nacht auf den 9. Juni haben sich Anwohner der Stadtkaserne Frauenfeld über Ruhestörungen und sexuelle Belästigungen beschwert (Ausgabe vom 10. Juni). Die Schweizer Armee bestätigte zwar die Vorkommnisse an der Kasernenstrasse, verwies aber auf laufende interne Untersuchungen.

«Spielerisch gerangelt»

Rund einen Monat später sind diese nun abgeschlossen, wie Tobias Kühne, Mediensprecher der Militärjustiz, auf Anfrage bestätigt. «Elf Angehörige der Armee haben nach Rückkehr aus dem Ausgang laute Musik gehört und angeregt miteinander gesprochen», sagt Kühne. Zudem hätten die elf Durchdiener des Kommandos Führungsunterstützung des Waffenplatzes Frauenfeld «spielerisch miteinander gerangelt». Bei den Einvernahmen waren allesamt geständig.

Die betroffenen Anwohner beschwerten sich aber nicht nur über den Lärm, sondern hauptsächlich wegen sexueller Belästigungen. Nachdem die Unruhestifter in der Tatnacht den Lärmpegel auch nach Mitternacht nicht gesenkt hatten, meldeten sich die Anwohner über die Kasernenstrasse zu Wort. «Was folgte, waren äusserst wüste und frauenfeindliche Beschimpfungen, meiner Partnerin wurden die Penisse und nackte Hintern entgegengestreckt», entrüstete sich ein Anwohner damals. Diese Vorwürfe konnte die Untersuchung aber nicht erhärten. Zwar hätten sich mindestens zwei Anwohner beim Kommando des Waffenplatzes Frauenfeld beschwert. «Beweise für weitere Delikte gab es bisher keine», sagt Kühne weiter.

Keine Erkenntnisse aus Foto

Zwar bestätigt er ein Foto, das der betroffene Anwohner dem Schulkommando des Waffenplatzes Frauenfeld zugestellt hatte. «Mehr als ein beleuchtetes Fenster bei Nacht ist aber auf dem Foto nicht zu sehen – auch keine Angehörigen der Armee.» Deshalb konnten aus dem Foto keine Erkenntnisse gewonnen werden, obwohl der zuständige Untersuchungsrichter davon Kenntnis hatte.

Aus diesem Grund müssen sich die Militärangehörigen auch lediglich wegen der nächtlichen Ruhestörung verantworten. Gegen die elf Militärangehörigen – zwei beförderte Unteroffiziere und neun Soldaten – hat der Untersuchungsrichter dem Kommandanten des Waffenplatzes Frauenfeld eine «disziplinarische Bestrafung» empfohlen.

Die Luftwaffe, welcher die Führungsunterstützung des Waffenplatzes Frauenfeld angehört, äussert sich lediglich zum möglichen Strafmass, weil der zuständige Schulkommandant dieses noch nicht definitiv festgelegt habe. «Die Höchststrafen betragen Bussen von 500 Franken oder zehn Tage Arrest», erläutert Jürg Nussbaum, Kommunikationschef der Schweizer Luftwaffe. Nebst einer verstärkten Dienstaufsicht sollen gemäss Nussbaum die «Wertevermittlung» gegenüber den Truppen der Luftwaffe intensiviert werden.

Persönliche Entschuldigung

Auch das Waffenplatzkommando von Frauenfeld hat Massnahmen ergriffen, damit sich solche Vorfälle nicht wiederholen. «Wir haben unsere Kontrolltätigkeit überprüft», sagt Kommandant Oberst im Generalstab Felix Keller. Kontrollen habe es in Frauenfeld aber sowohl bei der Stadtkaserne als auch rund um die Kaserne Auenfeld schon vorher gegeben. In Frauenfeld seien immer verschiedene Truppen stationiert. «Wenn neue Militärangehörige in Frauenfeld ankommen, kontrolliere ich stichprobenartig auch persönlich, ob die Nachtruhe eingehalten wird.» Bei den betroffenen Anwohnern hat sich die Führung des Schulkommandos persönlich entschuldigt.