Corona-Virus: In der Ostschweiz fahren die Busse und sind die Bahnen gewappnet

Wie reagieren die Bahnen auf das Virus? Wie schützen sie Mitarbeiter und Passagiere? Offizielle Anordnungen zur Nutzung des öffentlichen Verkehrs gibt es bisher keine.

Noemi Heule und Christoph Zweili
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Am Wochenende fährt die Säntis-Schwebebahn wegen Reparaturarbeiten nach den Sturmnächten nicht.

Am Wochenende fährt die Säntis-Schwebebahn wegen Reparaturarbeiten nach den Sturmnächten nicht.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE (17. Mai 2019)

Bisher gibt es im Rahmen der Corona-Krise in St. Gallen keine Ratschläge zur Nutzung des öffentlichen Verkehrs. Die Verkehrsbetriebe St. Gallen (VBSG) sagen denn auch: «Die Stadt St. Gallen stützt sich auf die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Vorderhand werden seitens des BAG keine speziellen Massnahmen in Bezug auf die Nutzung des ÖV und die Reinigung der Fahrzeuge empfohlen.»

Die Appenzeller Bahnen halten sich an die BAG-Richtlinien, wie der Direktor der Appenzeller Bahnen, Thomas Baumgartner, sagt. Das Personal sei bezüglich des Corona-Virus sensibilisiert und mit Merkblättern aufgeklärt worden – «einen konkreten Handlungsbedarf gibt es nicht». In den Zügen sei das Reinigungspersonal konsequent mit Handschuhen unterwegs, «bei den Billettkontrollen wird der SwissPass vom Personal nicht mehr angefasst». Als Arbeitgeber will Baumgartner alle Dienststellen mit Desinfektionsmitteln, Handschuhen und Masken ausstatten. Das ist einfacher gesagt als getan: Die Handschuhe werden am Montag geliefert, das Desinfektionsmittel ist «in Aussicht gestellt» und bei den Schutzmasken ist der «Lieferzeitpunkt unklar».

SOB schätzt Risiko neu ein

Auch die Kundenbegleiter der Südostbahn (SOB) nehmen bei Billettkontrollen den SwissPass nicht mehr in die Hand. Den Mitarbeitenden werden Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt. Kommende Woche trifft sich ein Experten-Team der SOB mit Vertretern aus verschiedenen Geschäftsbereichen, um die aktuelle Lage zu beurteilen und das weitere Vorgehen festzulegen.

Bis zu 690 Personen pro Stunde könnten mit der Säntisbahn-Schwebebahn die Höhendifferenz von 1100 Metern von der Schwägalp hinauf auf den Säntis überwinden. Fährt die Bahn nach dem sturmbedingten Betriebsunterbruch nun aufgrund des Virus nicht mehr, weil sich die Leute in der engen Kabine zu nahe kommen? Geschäftsführer Bruno Vattioni reagiert gelassen: «Wir sind ein Touristenort mit vorwiegend einheimischen Gästen. Nicht zu vergleichen mit der Jungfrau, dem Titlis oder Luzern.» Grosse Personenansammlungen seien selten, «halt so wie in Gastronomiebetrieben üblich».

Vor allem in den letzten Wochen, wo sich die Sturmtage gehäuft hätten, habe oft auch gähnende Leere geherrscht. Letztes Jahr waren im Durchschnitt 9,9 Personen pro Fahrt in der Kabine, die Platz für 85 Personen bietet. Anfang Woche wollte Vattioni zusätzlich zu den Seifenspendern auch Desinfizierspender für die Toiletten bestellen. Die hätten allerdings nicht geliefert werden können, «da sie für Spitäler zurückbehalten werden». Im Übrigen habe man die Reinigungszyklen im Hotel- und Gastrobetrieb erhöht und insbesondere Türfallen vermehrt im Fokus.