BURKAVERBOT: Verhüllungsverbot: Grand Resort Bad Ragaz befürchtet ausbleibende Gäste

Die spendierfreudigen Gäste aus den Golfstaaten sind auch bei Ostschweizer Hoteliers beliebt. Sollte der Kanton St.Gallen ein Burkaverbot beschliessen, könnten sie ausbleiben. Der St.Galler Tourismusdirektor verweist jedoch auf das Tessin.

Kaspar Enz
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Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Was ursprünglich nur als Burkaverbot beim Umgang mit Behörden angedacht war, geht in seiner aktuellen Version sehr viel weiter. In der kommenden Woche berät das St.Galler Kantonsparlament in zweiter Lesung über das Verhüllungsverbot.

Wie bereits im Tessin, betrifft das Gesetz nur eine verschwindend kleine Zahl von im Kanton wohnhaften Frauen. Allerdings ist auch der Kanton St.Gallen Reiseziel von Touristen aus Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten, wo die Gesichtsverschleierung oft üblich ist.

Vor allem im Heidiland nahm die Zahl in den vergangenen Jahren zu. Das Grand Resort Bad Ragaz ist ihre bevorzugte Unterkunft. Anna Bichsel, Sprecherin des Grand Resorts, befürchtet deshalb negative Konsequenzen.

Zwar tragen nicht alle Frauen aus diesen Ländern die Burka auch in den Ferien. Aber «Gäste aus dem mittleren Osten könnten das Verbot als ­Signal einer gewissen Unerwünschtheit verstehen und den Kanton sowie das Grand Resort Bad Ragaz in Zukunft meiden», sagt sie auf Anfrage.

Diese Ängste versteht Thomas Kirchhofer, Tourismusdirektor der Region St.Gallen-Bodensee. Die Gäste aus den Golfstaaten machten zwar nur einen verschwindend kleinen Anteil der Touristen in der Schweiz aus, eins bis zwei Prozent. Aber sie sind spendierfreudig. «Von der touristischen Wertschöpfung her sind es vier bis fünf Prozent.»

Trotzdem sieht er einem allfälligen Burkaverbot gelassen entgegen. Zwar sei die Zahl der Gäste aus dem Golfstaaten gestiegen, aber «wir sind nicht Interlaken, es ist ein verschwindend kleiner Teil der Gäste». Kirchhofer zweifelt auch dar­an, ob ein Burkaverbot die Gäste vertreibt.

«Im Tessin blieb der Einbruch aus. Es kamen sogar eher mehr Gäste aus der Region.» Deshalb wolle er dem Rat keine Vorschriften machen. «Der demokratische Prozess soll seinen Lauf nehmen.»

Nächste Woche debattiert der St.Galler Kantonsrat über ein Verhüllungsverbot.

Nächste Woche debattiert der St.Galler Kantonsrat über ein Verhüllungsverbot.