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Glosse

Bündnerfleisch für die neue Bundesrätin!

Die Bundesratswahl aus Sicht eines Appenzellers: Der Hype, der in den letzten Wochen in der St.Galler Öffentlichkeit um Karin Keller-Sutter herrschte, ist nicht im Appenzellerland angekommen.
Roger Fuchs, Herisau
Roger Fuchs

Roger Fuchs

Karin Keller-Sutter ist zur neuen Bundesrätin gewählt – und was passiert in Herisau, dem unverbrieften Hauptort Ausserrhodens: nichts. Alles geht seinen Gang, der Weihnachtsbaum vor dem Regierungsgebäude strahlt nicht mehr und nicht weniger, Menschen erledigen ihre Kommissionen, der Glühweinstand hat wie üblich tagsüber geschlossen.

Der Hype, der in den letzten Wochen in der St. Galler Öffentlichkeit um Karin Keller-Sutter herrschte, ist nicht im Appenzellerland angekommen. Dennoch haben bestimmt auch hierzulande alle Politinteressierten die Wahl über den einen oder anderen Medienkanal verfolgt. Und FDP-nahe Appenzeller werden sich über den KKS-Sieg freuen. Doch abgesehen von den Bundesparlamentariern dürfte kaum jemand aus dem Appenzellerland an die bevorstehende Wahlfeier nach Wil fahren. Das soll nicht weiter verwundern.

Letztlich ist der Tag vergleichbar mit der Wahl von Hans-Rudolf Merz zum Bundespräsidenten 2008 und seinem Empfang in Herisau oder der Ankunft von Ivo Bischofberger in Appenzell nach seiner Wahl zum Ständeratspräsidenten 2016. Vor Ort wurde kräftig gefeiert, auch Politprominenz hat die appenzellischen Orte beehrt. Aber auch damals ist kein Volk aus Wil angereist. In erster Linie haben sich die Einheimischen zum gemeinsamen Feiern getroffen.

Wie sie überzeugt, bleibt abzuwarten

Trotzdem: Der Sieg von Karin Keller-Sutter kann durchaus auch als Sieg für die Ostschweiz gewertet werden. Rein geografisch betrachtet wird die neue Bundesrätin den Innerrhodern und Ausserrhodern auf jeden Fall näherstehen als beispielsweise ein Bundesrat Parmelin. Die neue Walliser Bundesrätin Viola Amherd dürfte im Appenzellerland immerhin als Vertreterin einer Bergregion punkten. Ob die beiden es dadurch leichter haben, die Appenzellerinnen und Appenzeller für ihre Politik zu überzeugen, bleibt abzuwarten.

Die Appenzellerinnen und Appenzeller wissen über Karin Keller-Sutter auch nur das, was es in den letzten Wochen zu lesen und zu hören gab. Ihr aktuellster Bezug zum Appenzellerland dürfte die Innerrhoder Landsgemeinde sein, die sie in diesem Jahr zusammen mit ihrem jetzigen Bundesratskollegen Ignazio Cassis besuchte. Dabei lernten die beiden mit dem Landsgemeindeschritt während des Aufzugs durch die Hauptgasse, dass es auch in langsamem Tempo vorwärtsgehen kann.

Um die Herzen der Schweizerinnen und Schweizer zu erreichen, kann sich Karin Keller-Sutter ein Beispiel an alt Bundesrat Merz nehmen. Er hat gezeigt, dass es in der Politik mit emotionsloser Sachlichkeit kaum Blumensträusse zu gewinnen gibt. Was immer hilft, ist hingegen Humor. Sein legendärer Lachanfall im Nationalrat, als es um die Einfuhrbestimmungen von Bündnerfleisch ging, machte den Finanzminister für viele sympathisch und fassbar, die sonst wenig mit ihm anfangen konnten. In diesem Sinn: Die Appenzeller freuen sich, wenn die Ostschweizer Bundesrätin zwischendurch ihren Schalk aufblitzen lässt.

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