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BUNDESGERICHT: Sommerhaus darf nicht umgebaut werden

Ein bisher als Ferienhaus bewilligtes Gebäude in Degersheim darf nicht abgerissen und durch ein Einfamilienhaus ersetzt werden. Der WWF hat sich erfolgreich ans Bundesgericht gewandt.
Urs-Peter Inderbitzin

Das in der Landwirtschaftszone gelegene Ferienhaus mit flachem Giebeldach und rückversetztem Anbau war im Jahre 1964 erbaut worden. Seit 2010 wird das eingeschossige Haus von einer Familie als Wohnhaus genutzt. Im November 2013 reichten die Grundeigentümer ein Baugesuch für den Abbruch des Ferien­hauses und den Neubau eines Einfamilienhauses ein. Gleichzeitig soll ein Maschinen- und Autounterstand teilweise abgebrochen werden. Das neue Wohnhaus soll von 81 auf 104 Quadratmeter vergrössert werden und insbesondere ein zusätzliches Schlafzimmer aufweisen. Das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation des Kantons St. Gallen bewilligte das Baugesuch mit verschiedenen Auflagen und Bedingungen, worauf der Gemeinderat Degersheim die Baubewilligung erteilte.

Eine Einsprache des WWF Schweiz gegen das Bauvorhaben wies der Gemeinderat ab. Der WWF erhob daraufhin Rekurs ans Baudepartement des Kantons St. Gallen, welches die ­Beschwerde nach einem Augenschein mit den Beteiligten teilweise gut hiess. Die Grund­eigentümer gelangten hierauf ans Verwaltungsgericht des Kantons, auch dieses hiess die Beschwerde teilweise gut, wies den Fall aber zu weiteren Abklärungen an das Baudepartement zurück.

Erhebliche ­Nutzungsänderung

Dagegen rief der WWF mit Erfolg das Bundesgericht an. Umstritten war in Lausanne insbesondere die Frage, ob mit dem geplanten Abbruch des Ferienhauses und dem Neubau des Einfamilienhauses die Identität der Baute in wesentlichen Zügen gewahrt bleibt, wie dies im Raumplanungsgesetz in solchen Fällen vorge­sehen ist. Das Bundesgericht hat diese Frage nun verneint. ­Wesentlich war für die Richter, dass mit dem geplanten Neubau ­namentlich ein zusätzliches Schlafzimmer errichtet und das Haus auf einen Stand gebracht wird, welcher objektiv betrachtet erst ein dauerhaftes Bewohnen ermöglicht. Dies stellt in den ­Augen der Bundesrichter eine erhebliche Nutzungsintensivierung dar.

Zudem wird sich auch die äussere Erscheinung erheblich wandeln, indem das bisherige Sommerhaus durch ein modernes Einfamilienhaus mit neuer Raumaufteilung und grösseren Fenstern ersetzt werden soll. «Neben den bereits erwähnten Aspekten fällt überdies ins Gewicht», so das Urteil aus Lausanne, «dass sich das Einfamilienhaus am besagten Ort nicht in die Umgebung einfügt, sondern aufgrund der massigen Erscheinung als Fremdkörper wirkt. Die Einpassung in die Landschaft würde mithin nicht verbessert, sondern noch zusätzlich verschlechtert.»

Die Identität der Baute wird deshalb mit dem umstrittenen Projekt nicht mehr in den wesentlichen Zügen gewahrt, womit die Erteilung einer Ausnahme­bewilligung für die Baute in der Landwirtschaftszone ausser Betracht fällt.

Urs-Peter Inderbitzin

ostschweiz@tagblatt.ch

Urteil 1C_312/2016

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