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BULLENSUCHE: Noch immer kein Nachwuchs: Kinderzoo Rapperswil sucht zweiten Elefantenbullen

Ein Elefantenbaby ist ein Besuchermagnet. Der Jöö-Faktor ist garantiert. Im Kinderzoo Rapperswil wartet man aber seit der Geburt von Kalaya 2013 vergebens auf Elefantennachwuchs. Der Grund: Der Elefantenbulle Thisiam, der 2015 aus dem polnischen Kattowitz nach Rapperswil kam, ist schlicht und einfach zu schüchtern.
Conradin Knabenhans/Hannah Scharnagl
Hier die Damen, dort der Bulle: Im Kinderzoo Rapperswil wartet man sehnlichst auf Nachwuchs bei den Elefanten. (Bild: Sabine Rock (ZSP))

Hier die Damen, dort der Bulle: Im Kinderzoo Rapperswil wartet man sehnlichst auf Nachwuchs bei den Elefanten. (Bild: Sabine Rock (ZSP))

Dieser Text wurde zuerst auf der Homepage www.zsz.ch der Zürichsee-Zeitung publiziert.

Thisiam hat auch bald drei Jahre nach seiner Ankunft im Kinderzoo noch nicht für den heiss ersehnten Babyboom gesorgt. «Er ist fast zu lieb mit den Weibchen», sagt Franco Knie. Thisiam fühle sich schlicht und einfach wohl in der Umgebung seiner sieben Mitbewohnerinnen. Dass sich Thisiam im Umgang mit den Elefantendamen schwertut, hängt mit seiner Vergangenheit zusammen. Er wurde im polnischen Zoo rund zehn Jahre alleine gehalten.

Doch noch ist nicht aller Tage Abend. Denn inzwischen mache der Elefantenbulle Fortschritte: «Er treibt etwa die Weibchen mehr herum als früher.» Nur wie es bei der Paarung weitergehe, das wisse er noch nicht. «Wir müssen einfach Geduld haben, schliesslich können wir es ihm nicht vorzeigen», ergänzt der Herr der Elefanten. Und trotzdem hat sich der Kinderzoo auf die Suche nach einem zweiten Bullen gemacht.

Nikolai, der Frauenheld

Einer der weiss wies geht, steht im deutschen Hannover. Dort ist Bulle Nikolai am Werk: «Die Elefantendame, die nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird schwanger.» Diese lobenden Worte findet Zoo-Geschäftsführer Andreas M. Casdorff in der hannoverschen «Neuen Presse». «Andere Zoos werden sich um ihn reissen», ergänzt er. Und das Beste: Der Zoo möchte seinen Bullen abgeben. Nikolai könnte also der perfekte Kandidat für den Kinderzoo sein, der auf der Suche nach einem zweiten Bullen ist. Doch ganz so einfach ist das Ganze nicht.

«Einen Bullen auszuwählen, kann ein komplizierter Prozess sein», erklärt Harald Schmidt vom Zoo Rotterdam. Er ist Zuchtkoordinator für Asiatische Elefanten innerhalb des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP). Eines der übergreifenden Ziele des Zuchtprogramms sei, die genetische Diversität innerhalb einer Population so gut wie möglich beizubehalten. «So kann man Tiere beispielsweise wieder ansiedeln, wenn sie in der Wildnis aussterben.»

Ein grosser Teil der Auswahl eines neuen Zuchtbullen für eine Institution werde somit von Zahlen und Wissenschaft bestimmt. «Bei der Selektion können aber auch soziale Faktoren eine Rolle spielen», erklärt Schmidt. Wenn die Weibchen beispielsweise dazu tendieren, den Männchen gegenüber dominant zu sein, versuche man das mit einem grossen Bullen zu kompensieren. Der Zuchtkoordinator entscheidet zusammen mit einem Team von Tierexperten, wohin ein Elefantenbulle zur Nachwuchsförderung transferiert wird. Und so kommt es denn auch, dass Nikolai nicht in die Schweiz umziehen wird.

Mitgliedschaft abgelehnt

Knies Kinderzoo ist zwar im Austausch mit dem Europäischen Zuchtprogramm, aber Recherchen der «Zürichsee-Zeitung» zeigen: Der Kinderzoo ist derzeit nicht Mitglied des Zuchtprogramms und des dafür zuständigen Europäischen Zooverbands (EAZA). Ein Beitrittsgesuch des Kinderzoos wurde 2015 abgelehnt – just in jenem Jahr also, in dem Thisiam nach Rapperswil kam und die Familie Knie die Elefanten aus dem Zirkus nahm. Knie begründete damals den Entscheid mit dem Interesse, an der europäischen Zucht teilzunehmen. Doch der Auftrittsverzicht reicht nicht: Der Verband nehme keine Zoos auf, die über die gemeinsame Firma mit einem Zirkus verbunden sind, erklärt EAZA-Mediensprecher David Williams-Mitchell auf Anfrage.

Franco Knie sagt dazu: «Die EAZA ist ein sehr politischer Verband.» Er fügt an: «Aus meiner Sicht müsste aber das Tierwohl im Vordergrund stehen.» Die Experten der EAZA hätten denn auch damals beim Beitrittsgesuch des Kinderzoos die Anlagen besucht und die Tierhaltung positiv beurteilt. «Unsere Elefantenanlage galt gar als Weltklasse.» Für Franco Knie ist es schwierig nachzuvollziehen, dass aus politischen Gründen die Teilnahme am Zuchtprogramm nicht möglich sei – «auch weil ja die Elefanten schon lange nicht mehr im Zirkus auftreten». Bei der EAZA will man vom Grundsatz «Keine Mitgliedschaft mit Zirkus» nicht abweichen. Nichtsdestotrotz anerkenne man die gute Haltung und das Wohlergehen der Tiere im Zoo, heisst es beim Verband.

Obwohl der Kinderzoo nicht am Zuchtprogramm EEP teilnehmen darf, kam Elefantenbulle Thisiam 2015 über eben jenes nach Rapperswil und auch mehrere der Elefantenkühe sind im Programm registriert. Punktuelle Zusammenarbeit ist also durchaus möglich. «Bulle Thisiam ist eine Ausnahme im Vergleich zum normalen EEP-Prozess», sagt David Williams-Mitchell. Der Umzug nach Rapperswil sei damals den «aussergewöhnlichen Umständen» geschuldet gewesen, die Unterbringung in Rapperswil nur temporär. Thisiam war zehn Jahre lang in Polen alleine untergebracht, ein Umzug wohl alleine deshalb schon zwingend.

«An den Tieren liegt es nicht»

Franco Knie weist darauf hin, dass Bullen grundsätzlich in allen Zoos nur temporär untergebracht seien. «Das Europäische Zuchtprogramm entscheidet, wo die Tiere zur Zucht zum Einsatz kommen.» Früher habe man Elefantenkühe zur Befruchtung innerhalb Europas transferiert. Weil man nun eher auf ein Matriarchat setzen wolle, sei man davon abgekommen und schicke deshalb die Bullen auf Wanderschaft. Thisiam wolle man aber auf jeden Fall behalten, betont Franco Knie. Auf grosse Mithilfe aus dem Zuchtprogramm können die Knies also derzeit nicht hoffen: «Wir schauen positiv in die Zukunft», sagt Franco Knie. Als Mitglied des Verbands der Zoologischen Gärten im deutschsprachigen Raum pflege man dort einen regen und sehr positiven Austausch – etwa mit dem Tiergarten in Köln.

Wie lange es geht, bis ein zweiter Bulle in Rapperswil beheimatet ist, kann Knie nicht abschätzen. «An den Tieren liegt es auf jeden Fall nicht», betont er. Im Zuchtprogramm «menschelt es halt einfach etwas». Und was ist mit der Verbandelung zwischen Zoo und Zirkus? Franco Knie winkt ab: «An der politischen Struktur und Ausrichtung des Unternehmens etwas zu ändern, nur um vollwertiges Mitglied im Zuchtprogramm zu werden, kommt für die Familie Knie nicht infrage.»

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