Bürgerliche hinterfragen Rolle des WWF

Zwei Interpellationen der Rechtsanwälte Ritter (CVP), Locher (FDP) und Güntzel (SVP) im St. Galler Kantonsrat beleuchten Schulbesuche und Sponsorenläufe sowie die Zusammenarbeit der Naturschutzorganisation WWF mit der Verwaltung.

Marcel Elsener
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ST. GALLEN. Von einer Attacke auf den WWF mag niemand sprechen. Doch es braucht nicht viel Phantasie, um sich die Friktionen der Kantonsräte Werner Ritter (CVP), Walter Locher (FDP) und Karl Güntzel (SVP) mit dem WWF auszumalen – zumal alle drei als Rechtsanwälte tätig sind. Erst letzte Woche engagierten sich die Interpellanten im Rat für raumplanerische Weichenstellungen zugunsten der Baulobby. Ihre am 24. Februar eingereichten Interpellationen gelten den Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen an Schulen (30 Mitunterzeichnende) und der Zusammenarbeit von NGO mit Schlüsselämtern der Verwaltung (24 Mitunterzeichnende).

«Offenbar grosser Einfluss»

In beiden Fällen sind die Fragen an die Regierung betont neutral formuliert. Doch der Grund des Anstosses bezieht sich explizit auf den Jahres- und Leistungsbericht 2014 des WWF-Regiobüros (AR/AI, SG, TG): Demnach habe der WWF noch nie so viele Schulbesuche durchgeführt, an den WWF-Sponsorenläufen hätten sich «vorwiegend Schulklassen und Kindergärten beteiligt». Der WWF schreibe von «guter Zusammenarbeit mit den Schlüsselämtern der Verwaltung», die «vielfach die gleichen Ziele» verfolgten. Auch danke er zwei Ämtern für finanzielle Unterstützung.

Der WWF stosse «beim Baudepartement auf sehr offene Ohren» und geniesse «offenbar grossen Einfluss», sagt Werner Ritter. Als Interessenvertreter beim Hochwasserschutz Seez habe er erfahren, dass «nicht alle Anspruchsgruppen gleich behandelt» würden. Bei einer Organisation, die «in höchstem Mass politisch tätig» sei und die beim Projekt Rhesi Gegner als «Störenfriede» bezeichne, müsse sich kritische Fragen gefallen lassen.

Politisch unbequem

Er wolle das Feld «einmal ausgeleuchtet» haben, so Ritter. «Nichts gegen Sponsorenläufe, wenn das Geld den Wildbienen zugute kommt und nicht dem Verbandsbeschwerderecht.» Die Umweltbildung des WWF sei seit dreissig Jahren erprobt, sagt WWF-Geschäftsführer Martin Zimmermann, den Interpellanten gehe es um das Beschwerderecht. Angebote in freier Natur wie Exkursionen für Biber, Wildbienen oder Tierspuren seien bei Lehrkräften sehr begehrt. «Wir wollen Begeisterung wecken. Und wir bieten eine echte Dienstleistung für die Schulen.» Die Politik werde davon «strikt getrennt». Mit den Ämtern – etwa für Landwirtschaft – habe man Gemeinsamkeiten, etwa wo es um Gewässer- oder Herdenschutz gehe. «Statt wie früher Gegner sind wir, auch mit dem Bauernverband, heute oft Partner, die gleiche Interessen verfolgen.» Für Zimmermann ist die doppelte Interpellation ein «unverständlicher Schnellschuss».

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