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Buchs-Feldkirch: Die S-Bahn, die vielleicht nie gebaut wird

Zwischen Buchs und Feldkirch soll eine zusätzliche Zugverbindung geschaffen werden. Doch nach zehn Jahren ist die neue S-Bahn-Linie noch immer nicht realisiert. In diesem Jahr will Liechtenstein nun entscheiden, ob das Projekt weiterverfolgt wird.
Günther Meier
Ob es zwischen Buchs und Feldkirch zur geplanten S-Bahn-Verbindung kommen wird, ist ungewiss. (Bild: Günther Meier)

Ob es zwischen Buchs und Feldkirch zur geplanten S-Bahn-Verbindung kommen wird, ist ungewiss. (Bild: Günther Meier)

Das ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

  • Die Regierung Liechtensteins hält am Projekt einer S-Bahn zwischen Buchs und Feldkirch fest, die den Wirtschaftsstandort stärken und die Pendlerströme kanalisieren soll.
  • Das Projekt ist allerdings ins Stocken geraten - schon zehn Jahre wird darüber geredet. Eine S-Bahn gibt es immer noch nicht.
  • Eine Herausforderung ist die länderübergreifende Zusammenarbeit: Der Kanton St.Gallen, und damit die Schweiz, das Fürstentum und Österreich müssen sich einig werden.
  • Die Meinungen gehen auseinander, wie sinnvoll der Streckenausbau für geschätzte 100 Millionen Franken ist.

S-Bahn-Pläne im Dreiländereck FL-A-CH

Unverdrossen hält Liechtensteins Regierung am Projekt S-Bahn FL-A-CH fest. Die Bedeutung der geplanten Bahnstrecke unterstrich Verkehrsminister Daniel Risch erst Mitte Dezember. Am Anlass mit dem St.Galler Regierungsrat Marc Mächler und dem Vorarlberger Landesrat Johannes Rauch ging es um die grenzüberschreitenden Pendlerströme.

«Für Liechtenstein ist das ein sehr wertvolles Projekt», erklärte Risch, weil es mithelfe, wichtige Schritte in Richtung einer freiwilligen Verkehrsverlagerung umzusetzen. Rauch bezeichnete die geplante S-Bahn gar als Schlüsselprojekt, um den Pendlerverkehr grenzüberschreitend weiter zu verbessern.

S-Bahn ist bedeutend für den Wirtschaftsstandort

Schon bei der Vorstellung der S-Bahn-Pläne vor zehn Jahren wurde dem Projekt eine «zentrale Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Liechtenstein» attestiert. Wenn alles planmässig verlaufen wäre, dann hätten die ersten S-Bahn-Wagen schon 2015 einen Teil der Zupendler aus Vorarlberg nach Liechtenstein und in die Region Buchs transportiert.

Das Projekt S-Bahn FL.A.CH

Liechtenstein, Österreich und die Schweiz unterzeichneten schon 2008 eine Absichtserklärung zur Errichtung einer S-Bahn. Die Bahnlinie durch Liechtenstein soll als Bindeglied zwischen den S-Bahn-Systemen des Kantons St.Gallen und des Bundeslandes Vorarlberg ausgebaut werden. Das Projekt wird in Bezug auf die Länder FL.A.CH genannt. Das Ziel ist ein attraktiver Regionalverkehr sowie die Anbindung an das internationale Eisenbahn-Netz.

Weil die 18,527 Kilometer lange Bahnlinie zwischen Feldkirch und Buchs weitgehend nur eingleisig gebaut ist, muss eine Teilstrecke zweigleisig ausgebaut werden, um das Kreuzen der internationalen Eisenbahn-Verbindungen von Zürich nach Wien mit der im Takt geplanten S-Bahn zu ermöglichen.

Zwischen Liechtenstein und Österreich wurde 2012 vereinbart, dass die Infrastrukturkosten je zur Hälfte getragen werden. Österreich hat diesen Finanzierungsschlüssel 2015 in Frage gestellt und angekündigt, neue Vorschläge zu unterbreiten. Liechtenstein hat daraufhin das Projekt sistiert. Der Vorarlberger Landesrat Johannes Rauch hat kürzlich für den laufenden Monat die neuen Finanzierungsvorschläge Österreichs in Aussicht gestellt. (gm)

Zum Zeitpunkt des geplanten Startschusses schob Österreich jedoch einen Riegel, stellte die bereits ausgehandelte Kostenaufteilung für den Ausbau der Bahn-Infrastruktur in Frage und brachte die Realisierung damit zum Stillstand. Das «Projekt für nachfolgende Generationen», das auf liechtensteinischem Gebiet rund 90 Millionen Euro an Investitionskosten nach sich gezogen hätte, bietet seither nur noch Stoff für theoretische Erörterungen, wie bedeutsam die Bahn für die Pendler-Ströme sei.

Liechtenstein wird mehr bezahlen müssen

Bei einem Treffen der Infrastrukturminister Liechtensteins und Österreichs im Mai 2018 wurde beschlossen, eine neue Kostenschätzung auf der Preisbasis vorzunehmen. Von österreichischer Seite ist zudem wiederholt worden, die Kostenaufteilung stehe ebenfalls zur Disposition. Was nichts anderes heisst, als dass Liechtenstein wohl tiefer in die Tasche greifen sollte – statt nur die Hälfte der Kosten zu tragen.

Auch von liechtensteinischer Seite wurde nochmals einiges auf das Fuder geladen: strikte Umsetzung der geltenden Gesetzgebung in Bezug auf Lärm und nichtionisierende Strahlungen. Je nach Erfüllung dieser Voraussetzungen und der neu vorgelegten Kostenaufteilung, heisst es im Infrastrukturbericht 2019, werde die Regierung entscheiden, «ob die Sistierung aufgehoben und das Projekt weiterverfolgt oder das Projekt definitiv ad acta gelegt wird». Aber auch wenn Österreich einen für Liechtenstein akzeptablen Vorschlag vorlegt, ist die S-Bahn FL.A.CH noch nicht gesichert.

In Liechtenstein schlägt dem Projekt, über das voraussichtlich abgestimmt wird, in weiten Kreisen vor allem aus zwei Gründen Ablehnung entgegen. Einerseits sind es die Kosten, zum anderen der Umstand, dass die S-Bahn nicht das ganze Land bedienen würde, sondern nur einen kleinen Teil der wirtschaftsstärksten Gebiete. Es wird angezweifelt, ob deswegen ein erheblicher Teil der rund 9000 Zupendler aus Vorarlberg die S-Bahn für den Weg zur Arbeit in Liechtenstein benützen werden. Damit wird auch die Frage relevant, ob die Kosten von wahrscheinlich über 100 Millionen Euro gerechtfertigt sind, wenn das Strassennetz nicht massiv von den Pendler-Autos entlastet wird.

Verkehrsclub Liechtenstein befürwortet S-Bahn

Eine positive Haltung nimmt der Verkehrsclub Liechtenstein (VCL) zu Gunsten der S-Bahn ein. Nach VCL-Einschätzung ist sie eine unabdingbare Voraussetzung für eine Bahnerschliessung Liechtensteins. Dem Einwand, dass die Wirtschaftszentren Vaduz, Triesen und Balzers von der S-Bahn nicht berührt werden, hält der VCL die Vision einer Trambahn entgegen: Diese könnte auf dem bestehenden Bahnnetz sowie auf einem eigenen Trassee und auch auf der Strasse verkehren. Endausbau wäre eine 15-Minuten-Takt-Trambahn vom S-Bahnhof Schaan durch die Dörfer des Oberlandes bis nach Sargans. Zu solchen Zukunftsprojekten hat sich die Regierung bisher noch nicht geäussert.

Möglicherweise fliessen derartige Visionen in das im Regierungsprogramm enthaltene «Mobilitätskonzept 2030» ein, das Massnahmen enthalten soll, wie dem Verkehrswachstum begegnet werden kann.

Die Regierung hat eine weitere Baustelle

Parallel zu den Verhandlungen über die Kostenaufteilung hat die Regierung eine weitere Baustelle zu bearbeiten. Die Konzession für die Bahnlinie Buchs–Feldkirch ist bereits Ende 2017 ausgelaufen. Vorsorglich hat die Schweiz die Konzession schon um fünf Jahre verlängert. Liechtenstein, Österreich und die Schweiz haben überdies abgemacht, den Betrieb während der Gespräche zu den bisherigen Bedingungen zu gewährleisten. Doch auch wenn Liechtenstein nach Auskunft der Regierung bestrebt ist, diese Verhandlungen unabhängig vom S-Bahn-Projekt zu führen, dürfte es schwierig sein, keine Verbindungen herzustellen – denn die geplante S-Bahn würde auf den gleichen Gleisen fahren wie die internationalen Züge von Zürich nach Wien.

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