Brückenangebot neu organisiert

Aus Spargründen hat der Kanton St. Gallen das Haushaltlehrjahr gestrichen und ins Brückenangebot integriert. Was damals nach dem Entscheid Verlustängste auslöste, hat sich inzwischen etabliert.

Adi Lippuner
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Lehrerin Bettina Zanolari und Teilnehmerinnen des Brückenangebots Alltagsgestaltung und Hauswirtschaft im Kochunterricht. (Bild: Michel Canonica)

Lehrerin Bettina Zanolari und Teilnehmerinnen des Brückenangebots Alltagsgestaltung und Hauswirtschaft im Kochunterricht. (Bild: Michel Canonica)

ST. GALLEN. Am Herd stehen, ein Menu kochen, den Einkauf besorgen und anschliessend für Ordnung und Sauberkeit sorgen: Wo Schulabgängerinnen motiviert an solche Aufgaben herangehen, bestehen auch gute Aussichten auf beruflichen Erfolg. Noch vor einem Jahr herrschte bei den Anbieterinnen der Haushaltlehrjahre im Kanton St. Gallen Verunsicherung: Der Kanton hatte im Zuge der Sparbemühungen das Haushaltslehrjahr gestrichen. Doch mit der Neugestaltung der Brückenangebote in den Schwerpunktbereichen Technisch-handwerklich, Dienstleistungsorientiert-sozial und Alltagsgestaltung Hauswirtschaft konnte das Angebot, trotz Sparstift, in neuer Form aufrechterhalten werden.

Das Ziel: Eine Lehrstelle

Aktuell besuchen gegen 250 Jugendliche – zwei Drittel davon junge Frauen – die Brückenangebote am Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum in St. Gallen. Wer einen Praktikumsplatz hat, geht einen Tag pro Woche zur Schule, sonst sind es zwei Schultage.

Ziel der Jugendlichen, die von Leitung und Lehrerschaft nicht nur mit Unterricht, sondern auch mit Coaching unterstützt werden, ist das Finden einer Lehrstelle. Ein Besuch bei den Absolventinnen des Bereichs Alltagsgestaltung Hauswirtschaft zeigt: Die Anstrengungen lohnen sich. Von den 13 jungen Frauen, welche jeweils am Donnerstag die Schulbank drücken, haben fast alle eine Lehrstelle auf sicher.

Perspektive geändert

Da ist einmal Hava Beluli, geboren und aufgewachsen in Österreich. Kurz vor der Lehrstellensuche findet sich die junge Frau in der Schweiz wieder, weil ihre Mutter nach Gossau gezogen ist. Ihre Schulzeugnisse werden, wegen des anderen Schulsystems im Nachbarland, hier nicht anerkannt. «Also sass ich zu Hause, schrieb Bewerbungen und erhielt Absagen», sagt die junge Frau.

«Doch mit der Anmeldung zum Brückenangebot und dem Schulbesuch in St. Gallen hat sich für mich innert kurzer Zeit die Perspektive geändert.» Heute ist Hava Beluli im Besitz eines Lehrvertrags als Detailhandelsangestellte, Fachbereich Haushalt.

Die meisten jungen Frauen streben eine Ausbildung in den Fachbereichen Gesundheit/Betreuung oder Detailhandel an. «Wir ermuntern zwar alle, sich auch anderweitig umzusehen», so Lehrerin Bettina Zanolari und Lehrgangsleiter Bruno Bollhalder. «Doch wir können nur Wege und Alternativen aufzeigen, <gehen> müssen die jungen Menschen selbst.»

Wunschberufe erlernen

Glücklich über die Umwandlung ihres Praktikumsplatzes in eine Lehrstelle ist Janine Müller aus St. Gallen. «Als Fachfrau Hauswirtschaft in einem Altersheim kann ich meinen Wunschberuf lernen», sagt die junge Frau und strahlt. Ebenfalls ganz nach Wunsch läuft es für Naemi Mülhaupt aus Bütschwil. Sie lässt sich zur Fachfrau Gesundheit im Alterszentrum Solino ausbilden. «Als ich im Herbst die Zusage erhielt, war ich total erleichtert.»

Ihre Kollegin Tamara Strack aus Flawil, welche einen Praktikumsplatz in einem bäuerlichen Haushalt in Sargans hat, wird ebenfalls ihren Wunschberuf als Detailhandelsangestellte Fachbereich Haushalt lernen dürfen. Die positiven Beispiele zeigen, dass die jungen Frauen die Brücke ins Berufsleben durchaus zu nutzen wissen.

Finanziert wird das Brückenangebot durch den Kanton, die Eltern haben einen Beitrag von gut 900 Franken (plus 350 Franken für Material und Essensgeld) zu bezahlen, ausserkantonalen Jugendlichen werden die Gesamtkosten von 5600 Franken, zuzüglich der 350 Franken für Material und Essensgeld belastet – wobei die Chance besteht, dass der Wohnkanton einen Anteil übernimmt.

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