Brücke soll Schwung bringen

Die grösste Bogenbrücke der Schweiz soll die zwei Talseiten von Pfäfers verbinden. Mit einem Drahtseilakt wurde der Baubeginn gefeiert. In den Dörfern über der Tamina hofft man auf Aufschwung, Arbeitsplätze und Attraktivität.

Reinhold Meier
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Freddy Nock läuft beim Spatenstich den künftigen Streckenverlauf ab. (Bild: Reinhold Meier)

Freddy Nock läuft beim Spatenstich den künftigen Streckenverlauf ab. (Bild: Reinhold Meier)

Der ungesicherte Seillauf von Freddy Nock über die Taminaschlucht ist geglückt, von einer Schrecksekunde abgesehen. Wegen heftiger Böen stürzte seine Garette krachend in die Schlucht, er selbst jedoch erreichte unversehrt die andere Seite, unter Trommelwirbel, heftigem Applaus, Musik und Luftballonstarts. Rund 2000 Gäste haben das Spektakel am Gründonnerstag verfolgt und das sonst eher verträumte Klosterdorf zur Festhütte gemacht. Dem Verlauf der künftigen Brücke folgend, war ein 24 Millimeter starkes Kunststoffseil gespannt, das Freddy Nock als «Trottoir» für einen Spaziergang diente. Das Seil schwankte an der höchsten Stelle 250 Meter Höhe über Grund. Es war aus technischen Gründen rund 50 Meter höher verlegt worden als die spätere Brücke, gab aber eine bereits ungefähre Vorstellung vom Projekt, das 2017 in Betrieb gehen soll.

Basis für Zukunft

Der 56 Millionen teure Brückenschlag soll einen negativen Trend brechen. Denn Pfäfers und seine Teilorte liegen zwar in grandioser Landschaft, doch recht abgeschieden. Die Siedlungen verteilen sich auf steile Bergflanken rechts und links der 200 Meter tiefen Taminaschlucht. Zudem gilt die Gemeinde als eine der ärmsten im Kanton St. Gallen, der Steuersatz liegt bei 162 Prozent. Abwanderung ist seit Jahren ein Thema, heute leben hier noch kaum 1600 Menschen.

Durch den Taminabogen – Siegerprojekt eines Architektur-Wettbewerbs von 2007 – kommen sich die ungenügend erschlossenen Ortsteile so nahe wie nie zuvor. Die Fahrt über die 475 Meter lange Brücke von Valens nach Pfäfers dauert nur noch wenige Minuten und ersetzt weite Umwegfahrten. Dies auch im Winter, wo bisher Steinschlag, Schnee oder Lawinen die Fahrt oft zusätzlich behinderten. Das soll Impulse bringen. Gemeindepräsident Ferdinand Riederer betonte denn auch, dass die Brücke für die Zukunft entscheidend sei: «Wege werden kürzer, die Dörfer wachsen zusammen, Bauland lässt sich besser nutzen.» Das stoppe die Abwanderung und zöge Zuzüger an. «Wir sind günstig und mit dem öV gut erschlossen.» Dazu gebe es viele Arbeitsplätze. Bei der Psychiatrischen Klinik in Pfäfers und der neurologischen Klinik in Valens sind rund 700 Menschen beschäftigt. «Die Brücke trägt dazu bei, sie zu erhalten und neue zu rekrutieren.» Auch die Kooperation der Kliniken könnte ausgebaut werden. Dazu gibt's Spareffekte beim Winterdienst, den bisher nötigen Sanierungen und aufwendigen Schultransporten. Bedeutend dürfte zudem sein, dass die Dörfer der linken Talseite, die eher auf Bad Ragaz ausgerichtet waren, nun nahe an ihr Verwaltungs- und Schulzentrum heranrücken. «Eine Zukunftsinvestition für das ganze Tal.» Der Chef des kantonalen Baudepartements, Willi Haag, unterstrich diese Bedeutung: «Die Zukunft des Tals hängt von seiner Erschliessung ab.» Das Taminatal erhalte eine Attraktivität, die Besucher aus der ganzen Schweiz anlocken werde. Auch in Bad Ragaz werde die bauliche Entwicklung einfacher, weil es nur noch eine Bergstrasse durch den Kurort gebe. Die andere wird zur Veloroute.

200 Meter hoch

Die neue Brücke führt einmal in 200 Metern Höhe über den Talboden und ist mit 260 Metern Spannweite die grösste ihrer Art in der Schweiz. Hinzu kommen 1,4 Kilometer Anschlussstrassen. Die grösste Herausforderung stellt das steile und unwegsame Gelände dar. Zwei Installationsplätze, Bofel und Valur, sind bereits entstanden, demnächst beginnen Rodungen, die den künftigen Strassenverlauf erahnen lassen. Die Brücke selbst wird im freien Vorbau erstellt, was absolut schwindelfreie Arbeiter erfordert.

Durch Aufschwung finanzieren

Die Gesamtkosten von 56 Millionen Franken sollen sich durch einen lokalen Aufschwung auszahlen. Schon werden erste Immobilienprojekte genannt. Bis die Brücke steht, werden jedoch noch rund 200 000 Tonnen Aushub und Felsabtrag bewegt. Ökologische Ausgleiche, namentlich im Gebiet Piz Alun, runden das Jahrhundertprojekt ab.

Die Taminabrücke wird mit einer Spannweite von 260 Metern die grösste ihrer Art in der Schweiz sein. (Bild: pd)

Die Taminabrücke wird mit einer Spannweite von 260 Metern die grösste ihrer Art in der Schweiz sein. (Bild: pd)

Am Ziel: Fast ohne Probleme bewältigt Freddy Nock seinen Drahtseilakt. (Bild: ky/Arno Balzarini)

Am Ziel: Fast ohne Probleme bewältigt Freddy Nock seinen Drahtseilakt. (Bild: ky/Arno Balzarini)

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