Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BREITENSPORT: Die dritte Halbzeit vor dem Richter

Immer wieder verklagen Hobbysportler nach Fouls ihre Gegenspieler wegen Körperverletzung. Vor Gericht haben sie allerdings nur geringe Chancen, eine Verurteilung zu erreichen.
Christof Krapf
Wo hört im Sport das Foul auf? Und wo beginnt die Körperverletzung? (Bild: Nadine Rupp/Getty)

Wo hört im Sport das Foul auf? Und wo beginnt die Körperverletzung? (Bild: Nadine Rupp/Getty)

Christof Krapf

christof.krapf@tagblatt.ch

Am Ende dieses Konters knallt es. Mit voller Wucht erwischt der Goalie der 4.-Liga-Mannschaft des FC Wil seinen Gegenspieler vom FC Henau. Später wird der Arzt beim Henau-Stürmer einen Bruch des Schienbeinkopfes diagnostizieren – tagelang ist am ramponierten Knie des Fussballers noch der Stollenabdruck des Gegners zu sehen. Das Verdikt des Schiedsrichters: Penalty und eine gelbe Karte gegen den Goalie. Auf dem Platz ist die Sache rasch erledigt; für den FC-Wil-Spieler hat sie dennoch ein juristisches Nachspiel. Aus einem rüden Einsteigen in einem Breitensportmatch ist eine «Strafsache betreffend fahrlässiger Körperverletzung zwischen Torwart und Stürmer» geworden; der Fall wird kommende Woche vor dem Kreisgericht Wil verhandelt. Die Staatsanwaltschaft fordert eine bedingte Geldstrafe von 300 Franken.

Foul oder doch Körperverletzung?

Dass Breitensportler ihre Gegenspieler nach Fouls mit Verletzungsfolge verklagen, kommt immer wieder vor. Im Oktober 2015 brach sich ein 3.-Liga-Handballer der BSG Vorderland in einem Zweikampf mit einem Verteidiger des HC Goldach-Rorschach das Schlüsselbein. Was der Schiedsrichter mit einer gelben Karte ahndete, hatte nach dem Schlusspfiff eine Anzeige wegen Körperverletzung zur Folge. 3500 Franken forderte der Vorderland-Spieler von seinem Gegner – er zog die Anzeige erst vor zwei Wochen zurück.

Wo beginnt also im Sport die Körperverletzung? Und wo hört das Foul auf? Roland Schneider, Präsident des Verbandssportgerichts des Schweizerischen Handballverbandes (SHV) sagt: «Wer sich an die Spielregeln hält, hat grundsätzlich bei einer Anzeige nichts zu befürchten.» Um Spieler vor überharten Attacken zu schützen und die Spielregeln durchzusetzen, unterhalten Sportverbände eigene Disziplinarkommissionen. Diese können Bussen und Spielsperren aussprechen. Zum Fall des Vorderländer 3.-Liga-Handballers schreibt der SHV in einer Stellungnahme: «Wir haben kein Verständnis, wenn normale Vorkommnisse auf dem Spielfeld und in den Spielregeln geregelte Verstösse ausserhalb unserer Verbandsjustiz behandelt werden.»

Wer Sport treibt, geht ein Risiko ein

Die interne Gerichtsbarkeit der Verbände schliesst allerdings nicht aus, dass Opfer auf zivil- oder in Extremfällen strafrechtlichem Weg gegen foulende Spieler vorgehen können. In Fällen wie dem Fussballgoalie des FC Wil oder dem Handball-Verteidiger des HC Goldach-Rorschach muss das Gericht entscheiden, ob ein foulender Spieler vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat. Vorsätzlich bedeutet, dass der Täter sein Opfer absichtlich verletzen wollte. Bei fahrlässiger Körperverletzung nimmt der foulende Spieler eine Verletzung seines Gegners zumindest in Kauf. Häufig können Fouls mit Verletzungsfolge allerdings mit dem Verdikt «dumm gelaufen» taxiert werden. Deshalb haben es die Opfer vor Gericht meist schwer, zu Schadenersatz zu kommen. Wer Sport – vor allem Kontaktsportarten wie Handball oder Fussball – betreibt, geht ein Verletzungsrisiko ein. Zu diesem Grundrisiko gehören auch normale Fouls und daraus resultierende Verletzungen – oder eben, «dumm gelaufen». Tatsächlich ist im Schweizer Breitensport noch kein Spieler wegen eines Fouls mit Verletzungsfolge verurteilt worden.

Wie schwierig es auch im professionellen Sport ist, eine Verurteilung zu erreichen, zeigt das Beispiel von Fussballer Sandro Wieser. Der damalige FC-Aarau-Spieler foulte 2014 den Zürcher Gilles Yapi grob und fügte ihm damit acht Knieverletzungen zu. Das Obergericht Lenzburg verurteilte den Liechtensteiner Wieser nach einer Strafanzeige des FC Zürich zu einer Busse von 10 000 Franken sowie einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen. In zweiter Instanz wurde Wieser allerdings freigesprochen. Das Fazit von SHV-Verbandsjurist Roland Schneider fällt deshalb einfach aus: «Kritisch wird es für einen Täter erst, wenn er seinen Gegenspieler mit voller Absicht verletzt.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.