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Weshalb ein St.Galler wegen eines Glücksspiels nach Bregenz gezogen ist

Seit zehn Jahren verdient der St. Galler Stefan Huber seinen Lebensunterhalt mit Poker. Sein erstes Live-Turnier spielte er in Bregenz. Nun hat er seinen Wohnsitz dorthin verlegt. Wegen des Geldspielgesetzes.
Roman Hertler
Mischt weltweit in der obersten Liga mit: der St. Galler Pokerprofi Stefan Huber. (Bild: Urs Bucher)

Mischt weltweit in der obersten Liga mit: der St. Galler Pokerprofi Stefan Huber. (Bild: Urs Bucher)

Mit 50 Dollar hat alles angefangen. «Das war mein erster Gewinn im Onlinepoker», erzählt Stefan Huber. «Ich spielte weiter.» Er gewann immer mehr. Seit 2009 lebt der gebürtige St. Galler vom Glücksspiel. Und er lebt sehr gut davon, fliegt ständig um den Globus, spielt Turniere in Barcelona, Monte Carlo, Melbourne. An den Grossanlässen in Las Vegas gehört er zu den Top 100. Rechnerisch ist es schwierig zu belegen, aber Huber gehört zweifellos zur Weltspitze im Poker.

Die Gewinne bewegen sich in Millionenhöhe – manchmal auch die Verluste. Trotzdem ist der 31-jährige «Nerd», wie er sich selbst betitelt, am Boden geblieben. In seiner Freizeit spielt er Badminton. «Ich kann nicht Auto fahren. Luxus interessiert mich nicht.» Klar habe er anfangs etwas mehr gefeiert, sich teurere Restaurants und Hotels geleistet. «Aber eigentlich entspricht das nicht meinem Lebensstil. Ich bin ein ruhiger, ausgeglichener Typ.»

Als er noch in der Schweiz wohnte, bezahlte er ordnungsgemäss Steuern und entrichtete Sozialabgaben – wie jeder selbständig Erwerbende. Rund einen Viertel seiner Einkünfte spendet Huber an Organisationen, die in irgendeiner Form das Leid auf der Welt lindern. «Aber nur solche, bei denen ich mir ganz sicher bin, dass das Geld auch so verwendet wird, wie es bestimmt ist», betont Huber. Effektiver Altruismus nennt sich das Lebensmodell, dem beispielsweise auch die englische Pokerspielerin Liv Boeree nachlebt: Mit dem, was man am besten kann viel verdienen und damit Gutes tun.

Österreich hat die grösseren Pokerturniere

Anfangs interessierte Huber das Glücksspiel nicht. Sein Bruder Michael hat mit Onlinepoker angefangen. Mit ihm hat er sich während seines Geografie- und Politologiestudiums eine WG geteilt. Eines Abends brachte jemand einen Pokerkoffer mit. Sie zockten die ganze Nacht. Huber war angefressen und suchte und fand sein Glück fortan im Onlinepoker.

«Mein erstes Live-Turnier spielte ich in Bregenz», sagt er. Das Pokerangebot in Österreich sei viel interessanter als in der Schweiz. Dort gibt es die Casino Austria Poker Tour, bei der sich jeweils viele ausländische Spieler anmelden. Gespielt wird in Bregenz, Salzburg oder Seefeld im Tirol. «Vergleichbare Events gibt es in der Schweiz kaum – ausser in Baden.» In Schweizer Casinos sei Poker lediglich ein kleiner Teil des Standardprogramms. «In Österreich wird Poker gepusht. Da läuft einiges mehr.»

Vor gut einem Jahr hat Huber seinen Wohnsitz nach Bregenz verlegt. Häufig ist er allerdings nicht im Vorarlberg anzutreffen. «Mindestens zwei Drittel des Jahres bin ich irgendwo auf der Welt unterwegs, um Turniere zu spielen», so Huber. Bregenz sei zwar schön, aber das sei nicht sein Hauptgrund, sich dort niederzulassen. Als das schweizerische Bundesparlament das neue Geldspielgesetz im vergangene Sommer deutlich angenommen hatte, zog Huber die Konsequenzen. Dass es zum Referendum kommen sollte, war damals noch nicht klar. Nach neuem Gesetz wären teure Onlinekonzessionen für ausländische Anbieter Pflicht. Plattformen wie Poker Stars oder Party Poker mit ihren Hauptsitzen in den britischen Offshore-Finanzhochburgen Isle of Man und Gibraltar würden sich die Lizenzen nicht leisten wollen und ihr Angebot in der Schweiz aufgeben. Hubers Haupteinnahmequelle fiele damit weg.

Möglichkeiten, über sogenannte VPN-Clients die Netzsperren zu umgehen, gebe es nicht, sagt Huber. Poker Stars und Party Poker seien derart grosse Player, dass sich für sie ein Wirtschaften in der Illegalität nicht lohne. «Diese Firmen sind in den vergangenen Jahren äusserst seriös geworden.» Die Algorithmen der grossen Onlinepoker-Anbieter erkennen immer besser, wenn sich jemand über einen VPN-Client einloggt. «Einem Freund aus den USA wurde automatisch der Zugang zur Plattform gesperrt, als seine VPN-Verbindung kurz unterbrochen wurde. Auch sein einbezahltes Spielgeld wurde blockiert.»

Übung im Umgang mit ethischen Dilemmas

Die Zukunft sieht Huber ohnehin nicht im Onlinespiel. In den vergangenen Jahren hat er 70 Prozent seiner Einkünfte im Internet erspielt. Dieser Anteil nehme aber kontinuierlich ab. «Irgendwann werde ich wohl nur noch live spielen.» Und dann kann er sich gut vorstellen, wieder in die Schweiz zu ziehen, wo Freunde und Familie leben.

Wie er über das Geldspielgesetz abstimmen soll, weiss Huber noch nicht. Er kritisiert die Doppelmoral der Casino-Lobby, der es «sicher nicht um Spielsuchtprävention», sondern um Marktvorherrschaft gehe. Hingegen kann er nachvollziehen, wenn die Politik zur Finanzierung von Kultur, Sport, Sozialem und der AHV Einnahmen generieren will. Andererseits stellt er sich grundsätzlich die Frage, wie weit ein Staat in die Freiheit des Internets eingreifen darf.

Was Huber abstimmen wird, weiss er noch nicht. Fraglich ist ausserdem, ob die Abstimmungsunterlagen fristgerecht nach Bregenz geliefert werden. Bei der letzten Abstimmung hat das nämlich noch nicht geklappt.

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