«Bravo Bundesrat, bravo St.Galler Regierung»: Verbandsvertreter freuen sich über kantonale Wirtschaftshilfe in der Coronakrise

Die zusätzlichen Hilfsmassnahmen der St.Galler Regierung für die gebeutelte Wirtschaft werden von Verbandsvertretern durchaus positiv aufgenommen.

Marcel Elsener
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Verrammelt: Viele Geschäfte mussten wegen des Coronavirus dichtmachen. Damit verbunden sind massive finanzielle Einbussen.

Verrammelt: Viele Geschäfte mussten wegen des Coronavirus dichtmachen. Damit verbunden sind massive finanzielle Einbussen.

Bild: Freshfocus

Nach dem «guten und raschen Entscheid» des Bundesrates dopple der Kanton nun mit ebenfalls «guten» Massnahmen nach, sagt Felix Keller, Geschäftsführer des St.Galler Gewerbeverbands. Löblich sei die «schnelle Reaktion und brauchbare Unterstützung», und «äussert positiv festzuhalten» der Einsatz der Banken.

Felix Keller, Geschäftsführer St.Galler Gewerbeverband.

Felix Keller, Geschäftsführer St.Galler Gewerbeverband.

Bild: pd

Damit bestehe eine «gewisse Entlastung für die notleidenden Betriebe» und eine «gute Basis, um Ängste abzufedern», meint Keller. Wichtig erscheint ihm, «dass niemand zwischen Stuhl und Bank fällt» und dass bei Härtefällen flexibel und rasch reagiert werde.

Abgabe kann ins Gewicht fallen

Der Erlass der Beherbergungs- und Gastwirtschaftsabgaben bis Ende 2021 sei erfreulich, sagt Walter Tobler, Kantonalpräsident Gastro St.Gallen. Das still gelegte Gastgewerbe habe «gröbere Probleme», da sei «alles was kommt, ein erfreuliches Zeichen». Zwar mache die sogenannte jährliche Stuhlabgabe bei den Restaurants nur wenig aus – 100 Franken bei unter 30 Plätzen, 200 Franken bei 30 bis 80 Plätzen, 300 Franken bei mehr als 80 Plätzen. Doch bei den Hotels kann die Abgabe von 40 Franken pro Bett ins Gewicht fallen.

Walter Tobler, Kantonalpräsident Gastro St.Gallen.

Walter Tobler, Kantonalpräsident Gastro St.Gallen.

Bild: pd

Hoffnung macht dem Gastroverbands vor allem das Hilfspaket des Bundes, das auch Geldspritzen für Kleinstbetriebe verspreche, meint Tobler. «Das ist mehr als erwartet, und ganz neu für unsere Branche ist die Möglichkeit zu Kurzarbeit, da waren wir bisher nicht berechtigt.» Ausserdem freue er sich, dass auch Firmenchefs mitgemeint seien, die sich schliesslich selber auch Lohn und Prämien auszahlten.

«Hervorragendes Signal»

Ähnlich lobend äussert sich Thomas Kirchhofer, Direktor St.Gallen-Bodensee Tourismus. «Dass der Kanton St.Gallen wie schon der Bund seine Leaderfunktion wahrnimmt und den Worten Taten folgen lässt, ist ein hervorragendes Signal», sagt Kirchhofer. «Bravo Bundesrat, bravo St.Galler Regierung!» Auch wenn es sich bei den Beherbungsabgaben um keine grossen Beträge handle, sei es ein «überraschendes, positives und wichtiges Bekenntnis».

Thomas Kirchhofer, Direktor St.Gallen-Bodensee Tourismus.

Thomas Kirchhofer, Direktor St.Gallen-Bodensee Tourismus.

Bild: Mareycke Frehner

Aufgrund des Rückgangs des Gästevolumens rechnet der Tourismusdirektor für seine Destination mit schlimmstenfalls bis zu 50 Prozent weniger Übernachtungen, hochgerechnet per Ende Jahr. Dies bedeutete allein bei den Kurtaxen ein Ausfall von rund einer halben Million Franken, dazu kämen entgangene Erträge von ausfallenden Stadtführungen und anderen Angeboten.

Nebst Überbrückungsmassnahmen wie Kurzarbeit hofft Tourismusdirektor Kirchhofer auf Supportleistungen für den gesamten Schweizer Tourismus, von denen auch die St.Galler Destinationen profitierten. Konkret bedeute dies ein Rückfluss von Mitteln, die man für nun wirkungslos gewordene nationale und internationale Kampagnen geleistet habe. Und für die «Zeit danach», die sogenannte Recovery Phase ab etwa Ende Mai, verspricht er sich genügend Mittel, «damit wir dann nicht mit leeren Hosensäcken dastehen». Wie sich die Coronakrise auf die Gesellschaft und das Reiseverhalten auswirke, sei allerdings «sehr schwer abzuschätzen».

«Branche darf stolz sein»

Der St.Galler Bauernverband begrüsst die um einen Monat vorgezogene Auszahlung von 60 Prozent der Direktzahlungen, wie Geschäftsführer Andreas Widmer sagt. Dies schaffe zusätzliche Liquidität und sei «vor allem für jene Betriebe wichtig, welche von den Direktverkäufen in die Gastronomie abhängig sind».

Andreas Widmer, Geschäftsführer St.Galler Bauernverband.

Andreas Widmer, Geschäftsführer St.Galler Bauernverband.

Bild: Urs Jaudas

Die Landwirtschaft erachtet die Massnahme laut Widmer «aber auch als Anerkennung für die Sicherstellung der Lebensmittelproduktion in der jetzigen Situation». Die Branche dürfe stolz sein, dass sie trotzdem keine Mehrmittel von Bund und Kanton benötige, fügt Andreas Widmer an.

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