Braut und Betonwüste

Scharfgezeichnet

Melissa Müller
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Der Bräutigam vergisst die Ringe, ein Hund schleckt die Torte ab, die Braut brennt durch… So filmreif sind die wenigsten Hochzeitspannen. Aber irgendwo lauert meistens ein Fettnäpfchen. Siehe Melanie Winiger. Der Trauzeuge setzte sich über das Handyverbot hinweg und postete Bilder gegen den Willen der Ex-Miss-Schweiz und ihres DJs. Wobei offenbar wurde, dass die Zürcherin mit ihrem Hippie-Brautkleid samt Haarband und Pocahontas-Federn stilmässig leicht daneben gegriffen hatte. «Omas Gardinen zu recyceln war keine gute Idee», meinte jemand im Netz.

Kein bisschen hippiemässig war eine Hochzeit kürzlich in der Hundertwasser-Markthalle in Staad-Altenrhein. Das strahlende Brautpaar wird im rosengeschmückten Oldtimer-Käfer herankutschiert, man geniesst köstliche Häppchen, prostet sich mit Hugos zu und pustet Seifenblasen in die Mailuft. Alles schön und gut. Auch die Location ist eigentlich eine ausgefallene, verspielte Wahl: Im Internet präsentiert sich der Hundertwasser-Fantasiebau mit Goldkuppeln und Regenbogen. Ganz so märchenhaft ist er in Wirklichkeit dann nicht. Das liegt an der Umgebung: eine einzige Betonwüste. Bestehend aus einem Parkplatz voller Blechkisten, umgeben von Tankstellen und Strassenlärm. Flugzeuge dröhnen über den Köpfen, irgendwo vegetiert ein zerzaustes Bäumchen vor sich hin. Ein bisschen mehr Idylle rundherum würde Hundertwassers Vorzeigebau gut anstehen.

Melissa Müller

melissa.mueller@ostschweiz-am-sonntag.ch