Bratwürste falsch deklariert

95 Prozent der St. Galler Bratwürste sind bei einer Kontrolle beanstandet worden. Grösstenteils wurden die Inhaltsstoffe falsch gekennzeichnet. Und manche Würste waren mit Keimen verunreinigt.

Christa Kamm-Sager
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Bei 4 der 20 Proben stellten die St. Galler Kontrolleure eine zu hohe Keimzahl fest. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 10. Oktober 2014))

Bei 4 der 20 Proben stellten die St. Galler Kontrolleure eine zu hohe Keimzahl fest. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 10. Oktober 2014))

Über 3500 Tonnen St. Galler Bratwürste mit der geschützten geographischen Angabe GGA wurden vergangenes Jahr produziert. Dies entspricht rund 30 Millionen Bratwürsten oder einer Wurststrecke von St. Gallen nach Neu-Delhi. Wie das kantonale Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen (AVSV) mitteilt, dürfen St. Galler Bratwürste GGA ausschliesslich in den Kantonen St. Gallen, den beiden Appenzell und Thurgau hergestellt werden. Das Fleisch dazu muss laut diesen Vorschriften von Kälbern und Schweinen stammen, die in der Schweiz oder im Fürstentum Liechtenstein geboren, gemästet und geschlachtet wurden. Auch definiert ist der Unterschied zwischen einer St. Galler Kalbsbratwurst GGA und einer St. Galler Bratwurst GGA. Im Lebensmittelgesetz, und in weiteren Verordnungen sind die gesetzlichen Grundlagen geregelt.

Wie das AVSV auf seiner Website festhält, sind bei Stichprobenkontrollen in zertifizierten St. Galler Metzgereien in diesem Jahr insgesamt 15 St. Galler Bratwürste GGA und 5 St. Galler Kalbsbratwürste GGA amtlich erhoben worden. Anschliessend seien die Proben chemisch und mikrobiologisch analysiert und die Kennzeichnung überprüft worden, heisst es weiter. Dabei sei aufgefallen, dass es gerade bei der Kennzeichnung gehapert habe: So wurde laut Mitteilung bei 14 der 20 Proben, also bei 70 Prozent, die fehlende spezielle Hervorhebung der enthaltenen Allergene beanstandet.

Ort, Tierart oder Gewicht haben gefehlt

Weiter beanstandet worden sei das Fehlen der geschützten geographischen Angabe, der verwendeten Tierart oder des Gewichts, der deklarierte Kalbfleischanteil sowie Mängel in der Verbrauchsdatierung. Die Produzenten seien angehalten worden, ihre Kennzeichnungen der Würste anzupassen. Bei vier Metzgereien hat das Amt festgestellt, dass die aus vorgängigen Kampagnen bereits beanstandeten Kennzeichnungsmängel nicht behoben worden sind. Bei den chemischen Analysen seien drei Produkte beanstandet worden: Zwei Proben wegen einer Überschreitung des maximal zulässigen Bindegewebsanteils von 2,5 Prozent, und bei einer Bratwurst sei der maximal zulässige Fettgehalt von 26 Prozent mit 28,3 Prozent deutlich überschritten worden. «Mikrobiologisch waren es vier Würste, die zu beanstanden waren», so der Wortlaut der Mitteilung. Bei einer Wurst sei der Toleranzwert bei den aeroben mesophilen Keimen um das Zehnfache überschritten und bei einer Wurst jener der Enterobacteriaceen um das Fünfzigfache. Bei zwei weiteren Würsten sei der Toleranzwert sowohl bei den aeroben mesophilen Keimen als auch bei den Enterobacteriaceen nicht eingehalten worden.

Wie es in der Mitteilung des AVSV weiter heisst, können die Freunde der St. Galler Bratwürste trotzdem auch in Zukunft herzhaft zubeissen und ihre Wurst mit einem Bürli und (natürlich) ohne Senf geniessen: In allen Fällen seien Massnahmen ergriffen worden, um die Produktqualität zu verbessern.