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BRAND: «Man stösst an seine Grenzen»

Nach dem Grossbrand bei der Tobi Seeobst AG in der Nacht auf Samstag haben Einsatzkräfte auch gestern noch Brandnester auseinandergenommen. Einsatzleiter Christian Feuz über den Mut, eine Entscheidung zu fällen.
Ralf Rüthemann
Die Aufräumarbeiten nach dem Grossbrand bei der Tobi Seeobst AG werden noch eine Weile andauern. (Bild: Ralph Ribi (Egnach, 17. März 2018))

Die Aufräumarbeiten nach dem Grossbrand bei der Tobi Seeobst AG werden noch eine Weile andauern. (Bild: Ralph Ribi (Egnach, 17. März 2018))

Ralf Rüthemann

ralf.ruethemann@thurgauerzeitung.ch

150 Feuerwehrleute und 60 weitere Einsatzkräfte kämpften das ganze Wochenende über gegen den Grossbrand auf dem Areal der Tobi Seeobst AG in Egnach. Einsatzleiter war der Egnacher Feuerwehrkommandant Christian Feuz.

Christian Feuz, waren Sie bereits im Bett, als am späten Freitagabend der Alarm aus Egnach eingetroffen ist?

Meine Frau und ich haben uns im Wohnzimmer aufgehalten, ich schlief auf dem Sofa. Der Alarm ist etwa eine Stunde, nachdem wir im Restaurant Sternen in Egnach eine Hauptversammlung direkt neben dem Areal der Tobi Seeobst AG verliessen, eingegangen. Etwa sechs Minuten später war ich vor Ort und hatte auf dem Weg bereits auch die Feuerwehr Arbon aufgeboten. Denn ich habe schon von zu Hause aus – in der Nähe des Bahnhofs Häggenschwil-Winden – gesehen, dass es sich um einen grösseren Brand handeln musste.

Wenig später waren fünf Feuerwehrorganisationen im Einsatz. Wie hektisch geht es in einer solchen Situation zu und her?

Am Anfang ist es immer hektisch, es gibt immer eine gewisse Chaosphase. Bei diesem Brand dauerte diese etwa eine halbe Stunde, danach konnten wir Ordnung ins Geschehen bringen. Wir bildeten einen Führungsstab mit vier verschiedenen Verantwortungsbereichen. Etwa um 2 Uhr hat es zwar noch gebrannt, doch wir hatten das Feuer unter Kontrolle. Ich danke allen Feuerwehrangehörigen für den Einsatz, insbesondere Manuel Britschgi von der Feuerwehr Arbon für die Unterstützung. Er und alle anderen haben mich als Einsatzleiter sehr gut unterstützt.

Wie beginnt man, ein so grosses Feuer zu löschen?

Man muss den Mut haben, zu beurteilen, was realistisch ist und was noch gerettet werden kann. Und dann muss man an diesem Entscheid festhalten und das Ganze so durchziehen. In Egnach haben wir uns entschieden, zuerst einen Riegel zu schieben zwischen dem intakten Gebäude und der brennenden Lagerhalle. Wir wollten in erster Linie eine weitere Ausbreitung des Feuers vermeiden.

Waren Sie immer in unmittelbarer Nähe des Feuers, um sich ein Bild zu machen?

Nein, der Führungsstab hielt sich an der Strasse auf. Wir hatten also noch das intakte Gebäude dazwischen. In dieser Position ist man auf die zuverlässigen Rückmeldungen der anderen Feuerwehrleute angewiesen und trifft so dann die Entscheidungen. Die grösste Schwierigkeit bei diesem Brand war die enorme Menge Wasser, die wir brauchten. Wir haben an etwa zehn verschiedenen Orten Wasser geholt.

Das klingt nach einem enormen logistischen Aufwand.

Ja, das ist so. Wir haben das Glück, dass wir immer direkt bei der Notrufzentrale Frauenfeld anmelden können, wen und was wir brauchen. Nebst einem Statiker, den wir aufgeboten haben, ist der Zivilschutz der Region Oberthurgau zum ersten Mal zu einem Ernsteinsatz gekommen. Sie waren für die Absperrung des Geländes sowie die Beleuchtung des Areals und weitere Massnahmen verantwortlich.

In der Lagerhalle haben Kunststoffkisten gebrannt. Mussten die Feuerwehrleute deswegen spezielle Atemschutzgeräte tragen?

Bei einem solchen Einsatz müssen die höchsten Sicherheitsanforderungen eingehalten werden. Die Leute, die im Einsatz waren und sich in der Nähe des Feuers aufhielten, mussten alle Atemschutzgeräte tragen.

Wie viele Leute sind auf dem Areal geblieben, nachdem der Brand gelöscht wurde?

Die verschiedenen Korps haben sich danach jeweils abgelöst. Am Samstagnachmittag blieben die Amriswiler vor Ort und am Abend waren die Egnacher wieder dran. Es sind nach wie vor immer noch vier bis fünf Leute vor Ort, welche die Brandnester auseinandernehmen.

So zynisch das auch klingen mag – wartet man als Feuerwehrmann nicht genau auf solche Einsätze?

Nein. Man übt zwar immer für den Ernstfall, aber es ist gut, wenn das Geübte nicht gebraucht wird – erst recht nicht für einen solchen Grossbrand wie dieser in Egnach. Es ist schon eine enorme emotionale Belastung, man stösst an seine Grenzen. Man trägt einerseits die Verantwortung gegenüber den Eigentümern des Gebäudes und andererseits natürlich gegenüber den Einsatzkräften und ihren Angehörigen.

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