Brand bei Hells Angels bleibt vorerst ungeklärt

Das Kreisgericht in Mels hat einen Mann freigesprochen, der beschuldigt worden war, im Heim der Buchser Hells Angels einen Brand gelegt zu haben. Der 48-jährige gehört selbst zum Motorradclub und hatte alles bestritten.

Reinhold Meier
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Der angeklagte 48-Jährige gehört selber zu den Hells Angels und bestritt, das Lokal angezündet zu haben. (Bild: Keystone)

Der angeklagte 48-Jährige gehört selber zu den Hells Angels und bestritt, das Lokal angezündet zu haben. (Bild: Keystone)

Der Staatsanwalt hatte ihm zur Last gelegt, die nächtliche Feuersbrunst vom Mai 2015 im Affekt ausgelöst zu haben. Dazu habe er im Westzimmer des ersten Stocks Benzin vergossen und es aus einem Frust heraus angezündet. Am damals zum Verkauf stehenden Gebäude seien so 800'000 Franken Sachschaden entstanden. Die Anklage betonte, dass sonst niemand als Täter in Frage komme. Das belege die Türelektronik, die alle Bewegungen aufzeichne. Der Mann habe zudem bis kurz vor dem Ausbruch des Feuer in wenig befriedigender Weise mit einer Frau im fraglichen Raum geweilt.

Auch habe er es mit der Alarmierung nicht eilig gehabt, obwohl er nebenan wohne und bald am Brandplatz eintraf. Ungünstig wirkten ferner seine wenig konsistenten Aussagen, so die Anklage weiter. "Widersprüchlich, mehrfach variiert und wenig glaubwürdig“. Eine Brandstiftung durch Dritte entbehre zudem jeder Grundlage. "Es gab keinen Anlass für eine Abrechnung“. Club und Polizei bestätigten das. Selbst die vom Club ausgelobte Belohnung von 20'000 Franken habe bisher niemand abgeholt.
 
"Mutmassungen sind absurd“
Die Vorstellung, dass sich ein Unbekannter nachts um drei grundlos mit Benzin ins Haus geschlichen habe und in steter Gefahr entdeckt zu werden, ab gewartet habe, bis die Luft sauber gewesen sei, sei absolut unwahrscheinlich. Vielmehr habe der Frust über den schleppenden Verkauf des Clubhauses, ein schon zehn Jahre dauernder Ausweisentzug und das ungünstig verlaufende Schäferstündchen zum Affektausbruch geführt. 14 Monate Haft, bedingt auf drei Jahre seien dafür angemessen.

Die Verteidigung widersprach vehement und forderte Freispruch. Es sei keinerlei Tatmotiv erkennbar. Durch den Brand sei am Haus kein Mehrwert entstanden, sondern nur viel Ärger. Die anfänglich zögernden Aussagen seines Mandanten gründeten darin, dass er sich für sein Fremdgehen geschämt habe. Die ehrverletzenden Mutmassungen zum Techtelmechtel seien aber schlicht absurd. "20-Minuten“ hätte seinen Mandanten vorverurteilt, sagte der Anwalt. Man fordere 5000 Franken Genugtuung. Der Club habe sogar Hinweise auf ein Tatmotiv Dritter, die dringend abgeklärt werden müssten.
 
"Indizien zu schwach“
Das hatte zuvor auch der Beschuldigte selbst betont. "Warum sollte ich Feuer legen, ich hätte mir doch nur selbst geschadet“, hielt er fest. Ein Unbekannter stecke dahinter. "Ich wurde schon länger beobachtet“. Ob aus dem Umfeld der Frau, von einem Möchtergern-Rocker oder einem Unbekannten, sei offen. Dahingehend hätte die Anklage schärfer ermitteln sollen, verlangte er.

Das Kreisgericht sprach den Mann schliesslich frei. Zwar gebe es Indizien für seine Täterschaft, doch auch in der Summe genügten diese nicht für einen Schuldspruch. "Dem Gericht fehlt die Überzeugung, dass Sie der Täter sind“. So sähen die Tatumstände eher geplant als spontan aus, Anzeichen für einen "warmen Abbruch“ gäbe es nicht. Dazu stecke im Haus viel Herzblut des Freigesprochenen und auch ein psychiatrisches Gutachten entlaste ihn.

Unbestritten war, dass der Mann vor einem Jahr Auto gefahren war, obschon er seit über zehn Jahren nicht einmal mehr einen Mofa-Ausweis besitzt. Dafür erfolgte ein Schuldspruch sowie eine Geldstrafe von 2400 Franken, bedingt auf drei Jahre. Die Forderung der Gebäudeversicherung in Höhe von 613'000 Franken wurde auf den Zivilprozessweg verwiesen. Wegen des Freispruchs in der Hauptsache hat der Staat den grössten Teil der Verfahrenskosten zu tragen, rund 26'000 Franken, dazu die Kosten der Verteidigung in gleicher Höhe.