Böschs Zukunft bleibt ungewiss

Kann sie bleiben? Oder muss sie gehen? Die Antwort darauf hat die Fraktion der Wiler Stadtparlamentarierin Sarah Bösch vertagt. Die Fraktion distanziert sich von ihren «abwertenden Äusserungen» über die Polizei. Und sie entschuldigt sich auf Facebook.

Regula Weik
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Sarah Bösch Wiler Stadtparlamentarierin (Bild: pd)

Sarah Bösch Wiler Stadtparlamentarierin (Bild: pd)

WIL. Offene Fragen rund um Sarah Bösch gibt es zuhauf. Und so war erwartet worden, dass die Wiler Stadtparlamentarierin am Montagabend ihrer Fraktion würde Red und Antwort stehen müssen; kritische Fragen schienen garantiert. Es kam anders. Die Fraktion hat Sarah Bösch nicht in die Mangel genommen – aus Zeitgründen. Und so ist nach wie vor offen, ob sie in der Fraktion verbleiben kann oder ausgeschlossen wird (Ausgabe von gestern). «Es wäre unseriös gewesen, gegen Mitternacht noch einen Entscheid zu fällen», sagt Mario Schmitt, Präsident der Wiler SVP-Fraktion. Er hatte sich von Beginn weg schützend vor die umstrittene Parteikollegin gestellt.

Nun hat die Fraktion keineswegs den ganzen Abend über den Fall Bösch debattiert; vielmehr wurden zuerst die anstehenden Parlamentsgeschäfte beraten – und dies dauerte länger als erwartet. Bleibt sie, bleibt sie nicht, bleibt sie, bleibt sie nicht – das Gänseblümchen-Spiel zu Sarah Bösch geht somit weiter.

«In aller Form»

Die Fraktion trifft sich nächste Woche erneut mit der kritisierten Kollegin – und will dann entscheiden, «ob und unter welchen Bedingungen eine weitere Zusammenarbeit möglich ist».

Spätestens dann dürften ihre Tiraden gegen die Polizei, die vermuteten Unregelmässigkeiten im Zusammenhang mit ihrer Tagesstätte für behinderte Kinder in Wädenswil, ihr Ausschluss aus der SVP Kilchberg, ihre grundsätzliche Einstellung als Stadtparlamentarierin – und ihre private Situation (Ausbildung, Beruf, Wohnung) wieder Thema sein. Die Wiler Gerüchteküche brodelt derweil wacker weiter. Die Fraktion hat gestern eines klargemacht: Sie distanziert sich «in aller Deutlichkeit von den abwertenden Äusserungen», die Sarah Bösch gegenüber den Sicherheitskräften des Kantons gemacht hatte. Und weiter: «Trunkenheit am Steuer ist kein Kavaliersdelikt.»

Sarah Bösch entschuldigte sich am Nachmittag auf Facebook: «Ich möchte mich für meine unbedachten Äusserungen gegen die St. Galler Polizei in aller Form entschuldigen. Diese habe ich im Stress formuliert und bedaure sie heute. Als Exekutivorgan des Staates macht die Polizei einen guten Job.» Zu den Vorwürfen gegen ihre Person werde sie zu einem späteren Zeitpunkt Stellung nehmen.

Verhaltensregeln erarbeiten

Facebook-Einträge haben Sarah Bösch ins Straucheln gebracht – und die Lawine von offenen Fragen, Anschuldigungen, Verdächtigungen ausgelöst. Sie lege «grossen Wert auf Glaubwürdigkeit in einem öffentlichen Amt», betont die Wiler SVP-Fraktion. Sie will nun «interne Verhaltensregeln» im Umgang mit Social Media erarbeiten – denn da gebe es ganz offensichtlich Defizite, sagt Ortsparteipräsident Klaus Rüdiger. «Privates Verhalten, auch auf Social Media, hat eine Rückwirkung auf das politische Mandat.» Die Mahnung des Präsidenten richtet sich auch an die Adresse des Fraktionschefs. Schmitt hatte Bösch nach der Blaufahrt mit einem von ihm gesponserten Caipirinha gepostet. «Ein Blödsinn», spricht Rüdiger Klartext. «Das schadet der Partei und der Politik.»

Heute mehr Details bekannt

Würde die Parteileitung – sie wurde von den Kollegen in Kilchberg vor der 33-Jährigen gewarnt – heute anders entscheiden? Rüdiger dementiert die Warnung nicht. Sie sei erfolgt, als «der Zug mit Sarah Bösch bereits Fahrt aufgenommen hatte», und sie sei nicht derart konkret gewesen, heute seien wesentlich mehr Details bekannt.

Morgen Donnerstag findet die nächste Sitzung des Wiler Stadtparlaments statt – mit Sarah Bösch. Es ist ihre zweite.