Bösch drohen Konsequenzen

WIL. Die Wiler SVP-Stadtparlamentarierin Sarah Bösch sorgt national für Schlagzeilen. Auch kommunal wird ihre verbale Entgleisung thematisiert. An der Fraktionssitzung der Wiler Volkspartei vom nächsten Montag geht es um allfällige Folgen.

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Ob Sarah Böschs Aussagen Konsequenzen haben, entscheidet die Wiler SVP-Fraktion am nächsten Montag. (Bild: Archiv/Ralph Ribi)

Ob Sarah Böschs Aussagen Konsequenzen haben, entscheidet die Wiler SVP-Fraktion am nächsten Montag. (Bild: Archiv/Ralph Ribi)

Da kommt einiges zusammen: Am Sonntagabend wurde Sarah Bösch von der Polizei alkoholisiert am Steuer erwischt. Davon berichtete sie sodann auf Facebook. Wie ein Sträfling werde sie behandelt. Es sei eine «krasse Bürokratie» (Wiler Zeitung von gestern). Wie diverse Medien nun übereinstimmend berichteten, ist Bösch den Führerschein wegen dieses Vorfalls los. Aber nicht nur das: Es wurde auch bekannt, dass die 33-Jährige vor ein paar Jahren – damals im Kanton Zürich wohnhaft – in Kilchberg ZH für die Schulkommission kandidiert hatte, dann im Jahr 2011 aber aus der Ortspartei ausgeschlossen worden war. Kilchbergs SVP-Präsident Arnold Suter bestätigt auf Anfrage der Wiler Zeitung die Meldung, will sich aber nicht zu den Gründen äussern.

«Eine Riesen-Dummheit»

Der Parteiausschluss war selbst für den Wiler SVP-Stadtparlamentarier Mario Schmitt eine Neuheit. Damit konfrontiert, stellt er sich – wie schon am Vortag – weiter hinter das Parteimitglied. «Es war ein Kavaliersdelikt. Sarah Bösch macht in der Schweizer Bildungskommission einen guten Job, hat das Herz am rechten Fleck und ist politisch auf SVP-Kurs. Es war aber unglücklich, die offensichtlich seriöse Arbeit der Polizei zu denunzieren», sagt Schmitt.

Schärfere Töne kommen von Klaus Rüdiger, Präsident der SVP-Ortspartei Wil. Seine persönliche Meinung: «Frau Bösch hat einen Gesetzesverstoss begangen. Ihr zweiter Fehler war, dies publik zu machen. Das ist eine Riesen-Dummheit und ärgerlich. Es schadet dem Ruf der Partei. Die Polizei muss einen solchen Vorfall abklären. Dafür ist die SVP eingestanden.»

Es stellt sich die Frage, ob die verbale Entgleisung Konsequenzen auf die kommunale Politik in Wil hat. Ganz grundsätzlich ist Sarah Bösch bis zum Schluss der vierjährigen Legislaturperiode Ende 2016 als Stadtparlamentarierin gewählt. Die nun publik gewordenen Vorfälle werden aber an der ordentlichen SVP-Fraktionssitzung vom nächsten Montag angesprochen. Für Rüdiger ist klar, dass Bösch zuerst angehört wird, bevor allfällige Konsequenzen besprochen werden. «Die Frage wird sein, ob und unter welchen Bedingungen sie tragbar ist. Ich beschäftige mich lieber mit politischen Themen als mit so einem Blödsinn», sagt der Wiler SVP-Präsident.

Bösch schweigt auf Anraten

Fraktionspräsident Schmitt gibt an, dass er sich über mögliche Konsequenzen noch keine Gedanken gemacht habe, er sich einer Diskussion aber nicht verschliesst. «Ich werde nicht dazu beitragen, Böschs politische Arbeit einzuschränken», sagt Schmitt. Der Fauxpas sei unschön. Was sie in Wil leiste, mache sie aber gut.

Und Sarah Bösch selber? Sie hat die entsprechenden Facebook-Einträge gelöscht und war gestern für die Wiler Zeitung nicht erreichbar – auf Anraten von Mario Schmitt.

Neues Facebook-Posting

Während Sarah Bösch für die Wiler Zeitung nicht erreichbar war, postete sie am Dienstag wieder auf Facebook. "Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten", schrieb sie. Sie verband dies mit einem Dank für die Unterstützung ihrer Facebook-Freunde - und richtete auch ein "nettes Danke" an ihre "kritischen Facebook-Freunde". (red.)

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