Bodenseewerften rücken zusammen

Die vier grossen Schifffahrtsgesellschaften am Bodensee koordinieren die Instandhaltung ihrer Flotte, um Kosten zu sparen. Die Wartung der insgesamt 36 Schiffe, Fähren und Katamarane geschieht in Zukunft in den Werften in Romanshorn, Friedrichshafen und Fussach.

Gerhard Herr
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Die Werft der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt (SBS) in Romanshorn ist an der «Grosswerft» beteiligt. (Bild: Reto Martin)

Die Werft der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt (SBS) in Romanshorn ist an der «Grosswerft» beteiligt. (Bild: Reto Martin)

Die Insolvenz der Bodanwerft in Kressbronn und damit das Ende des grössten Werftbetriebes am Bodensee, in dem auch die grossen Fähren und zuletzt das alle bisherigen Dimensionen sprengende Eventschiff Sonnenkönigin gebaut wurden, machte die seit zwei Jahren geplante Kooperation der Bodenseewerften noch dringender. Über 90 Jahre lang wurden hier auch die grossen Fähren der grössten Binnenflotte Europas gebaut, sagte der Geschäftsführer der Konstanzer Stadtwerke, Konrad Frommer, gestern bei der Vertragsunterzeichnung der Werftenkooperation.

Hemmnisse überwunden

Der Weg zur Unterzeichnung war nicht einfach – unter anderem darum, weil die Schweiz nicht zur EU gehört. Auf dem Weg zur Kooperation waren daher zahlreiche Zoll- und Handelsprobleme oder unterschiedliches Arbeitsrecht zu überwinden. Die 36 Schiffe zählende Flotte soll nun auch künftig am Bodensee gewartet und neue Schiffe zusammengebaut werden. Die seit 2009 ausgearbeitete Vereinbarung zwischen den Stadtwerken Konstanz GmbH mit dem Fährbetrieb Konstanz-Meersburg, der Schweizerischen SBS Schifffahrt AG und deren SBS Werft AG sowie der österreichischen Vorarlberg Lines GmbH & Co. und der Konstanzer Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH (BSB) gilt bis ins Jahr 2031 – die Kündigungsfrist für jedes Unternehmen beträgt acht Jahre. Die Planung regelt die verbindliche Zuteilung der Schiffe auf die jeweiligen Standorte. Ein Werftenrat, bestehend aus den Vertragspartnern, übernimmt die Steuerung. Noch offen ist, ob sich die Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein aus Schaffhausen an der Kooperation beteiligt.

Künftig werden die Fährschiffe der Konstanzer Stadtwerke wegen ihrer Grösse regelmässig in den Romanshorner Hallen erneuert und repariert. Die Ausflugsschiffe der BSB werden wie bisher auch vorrangig in der hauseigenen Werft in Friedrichshafen gewartet, die der SBS ebenfalls in Romanshorn. Sofern sich die Termine überschneiden, sollen sich die Kooperationspartner aushelfen. Die Werft im vorarlbergischen Fussach nutzt weiterhin die Vorarlberg Lines. Das Freigelände und das dortige Trockendock stehen jedoch den übrigen Unternehmen für den Zusammenbau der in Teilstücken angelieferten Neubauten und für Instandhaltung zur Verfügung. Die Nutzungen der einzelnen Werften werden mit Mietverträgen geregelt. Die Arbeiten werden aber auch teilweise europaweit ausgeschrieben.

Die Romanshorner Werft soll für bis zu 10 Mio. Franken renoviert werden. Für die Erneuerungsmassnahmen des einstigen SBB-Betriebes sind bereits im voraus rund 2 Mio. Franken nötig. Die Werft in Friedrichshafen ist in einem guten Zustand. Dort müsse nicht investiert werden, hiess es gestern.

Romanshorner Werft zollfrei

Mit der Kooperation schreiben die seit 1885 als Vereinigte Schifffahrtsunternehmen für Bodensee und Rhein bereits mit einem gemeinsamen Fahrplan und Tarifen zusammenarbeitenden Schifffahrtsbetriebe Geschichte: Das Werftgelände von Romanshorn wurde zum zollfreien Gebiet erklärt. Laut SBS-Verwaltungsratspräsident Hermann Hess ist das von ihm und anderen Teilhabern vor vier Jahren übernommene Unternehmen auf dem Weg in die schwarzen Zahlen. In den nächsten zehn Jahren müssten aber 30 Mio. Franken investiert werden. Dank der Kooperation sollen neue Arbeitsplätze geschaffen werden – vor allem weiteres Stammpersonal wird benötigt.