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BODENSEE-STONEHENGE: Urzeit-Menschen bauten die Hügel

Die rätselhaften Steinhügel im Bodensee stammen aus prähistorischer Zeit. Geologen schliessen eine natürliche Entstehung aus. Die Frage bleibt, wozu die Menschen damals die Hügel aufschütteten.
Silvan Meile

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Jens Hornung kam an den Bodensee, um das Geheimnis zu lüften, ob die Steinhügel vor dem Schweizer Ufer natürlich entstanden oder von Menschen aufgeschüttet wurden. Der Wissenschafter der Technischen Universität Darmstadt nahm dafür den selber entwickelten Prototyp eines unter Wasser funktionierenden Georadargeräts mit. «Das ist der weltweit erste Einsatz eines solchen Geräts», sagt er. Mit hochfrequenten elektromagnetischen Impulsen erfasst es Zentimeter um Zentimeter den Seegrund um und unter den Steinhügeln. Nach tagelanger Auswertung der Daten erhält der Forscher ein Bild von der Begebenheit der Schichten unter dem Seegrund. Gestern konnte Hornung eine Aussage machen. Deshalb lud er zusammen mit dem Thurgauer Amt für Archäologie auf das Forschungsschiff des Instituts für Seenforschung in Langenargen, das vor Uttwil anlegte.

Mittelalter und Römerzeit fallen als Epoche weg

«Die Steinhügel sind menschgemacht», sagt Urs Leuzinger vom Amt für Archäologie des Kantons Thurgau. Dort gab man die Untersuchungen in Auftrag. Seit deutsche Forscher im Jahr 2015 bei Vermessungen des Seegrunds die rund hundert Steinhaufen vor dem Ufer zwischen Bottighofen und Romanshorn etwa fünf Meter unter dem Wasserspiegel entdeckten, rätseln sie, wie die auf einer Linie angeordneten Hügel entstanden sein könnten.

Die Georadarmessungen von Jens Hornung zeigen nun, dass die handverlesen wirkenden rund 40 Zentimeter grossen Steine auf Schichten von Seesediment und nicht auf der Moräne darunter liegen. Somit ist wissenschaftlich belegt, dass die Hügel nicht vor mehr als 10000 Jahren durch den Rheingletscher natürlich entstanden, sondern später von Menschenhand aufgeschüttet worden sind. «Die Vermessungen haben auch gezeigt, dass zwischen der Eiszeit und der ­Sedimentsablagerungen, auf denen die Steine liegen, einige tausend Jahre vergangen sind», sagt Leuzinger. «Und es kann auch gesagt werden, dass nach der Aufschüttung der Steine weitere tausend Jahre vergingen.» Diese Information verrät ebenfalls das abgelagerte Sediment.

Die Steine sind gemäss Leuzinger somit in prähistorischer Zeit aufgeschüttet worden: «Mit grosser Wahrscheinlichkeit sind die Hügel vor dem Mittelalter und auch vor der Römerzeit entstanden.» In den Hügeln geborgene Hölzer konnte die ETH Zürich mit einer Analyse auf 3600 bis 3300 Jahre vor Christus datieren und somit der Jungsteinzeit zuordnen. Ein direkter Zusammenhang zwischen den Steinen und diesen Hölzern ist aber nicht gegeben. Letztere können auch angeschwemmt worden sein.

«Menschen schütten nicht einfach Steine aufeinander»

Martin Wessels, Geologe am ­Institut für Seenforschung in Langenargen, bezweifelt, dass die Hügel im Trockenen angelegt wurden. «Es ist unvorstellbar, dass der Seespiegel einst so tief war.» Das hätte Spuren hinterlassen. Doch entsprechende Hinweise beim Abfluss des Sees in Konstanz fehlten.

Mit ihren Erkenntnissen, dass diese Hügel nicht natürlich entstanden sind, spielen die Geologen den Ball zurück an die Archäologen. Diese wollen nun zeitlich genauer eingrenzen, wann Menschen diese Steine ­aufschütteten und zu welchem Zweck sie das getan haben. Weil im Sommer zu viel Betrieb auf dem See herrscht, sind die nächsten Schritte erst im kommenden Winter vorgesehen. Mit Grabungen unter Wasser plant das Amt für Archäologie dann weitere Untersuchungen.

«Wir haben auch die Hoffnung, unter den Hügeln Gegenstände zu finden», sagt Leuzinger. Solche könnten Hinweise ­darüber liefern, zu welchem Zweck die Steinhaufen angelegt worden sind. Sind es Gräber, dienten sie dem Fischfang, sind es Fundamente von Pfahlbauten? «Es muss einen Hintergrund ­haben. Menschen schütten nicht einfach so Steine aufeinander», sagt Archäologe Leuzinger.

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