Wetterphänomene am Bodensee: Warum es durch den Klimawandel immer mehr Extremereignisse gibt

Bodensee-Sommer
Wetterphänomene am Bodensee: Warum es durch den Klimawandel immer mehr Extremereignisse gibt

Bild: Imago

Das Wetter und insbesondere Wetterereignisse faszinieren die Menschheit seit jeher. Um den Bodensee gibt es zahlreiche solcher Erscheinungen. Aber wie entstehen solche Wetterphänomene? Und was beeinflusst diese Ereignisse in ihrer Entstehung und Intensität? Eine Auswahl an Wetterphänomenen rund um den Bodensee.

Eva Wenaweser
Merken
Drucken
Teilen

Gewitter, Nebel und Regenbogen gibt es so gut wie überall. An diese fast schon alltäglichen Wetterphänomene haben wir uns gewöhnt, und trotzdem sind sie immer wieder faszinierend anzusehen. Aber am, auf und um den Bodensee gibt es noch viel mehr Wetterereignisse – auch solche, die sehr spektakulär sind. In Zusammenarbeit mit den Meteorologen Hannes Tobler und Mladen Marijanovic von Meteonews ist folgende Auflistung entstanden.

Schneewolken

Schneewolken sind Wolken, in denen Eiskristalle wachsen. Schneeflocken wachsen, weil unterkühlter Wasserdampf an ihnen anfriert oder wenn sie zusammenprallen und aneinander kleben bleiben. Schneeflocken fallen dann zu Boden, wenn ihr Gewicht grösser wie ihr Auftrieb in der Wolke ist. Schneewolken deuten darauf hin, dass es bald Schneefall geben könnte. Die Eiskristalle in der Wolke reflektieren das Sonnenlicht nach oben, sodass die Schneewolke von unten betrachtet dunkel wirkt.

Schneewolke mit Sicht vom Rorschacherberg auf den Bodensee.

Schneewolke mit Sicht vom Rorschacherberg auf den Bodensee.

Bild: Cyrill Schlauri/fotorausch.ch

Nebel und weitere Formen von Nebel

Nebel ist immer mit dem Boden verbunden und ist der Teil der Atmosphäre, in dem Wassertröpfchen fein verteilt sind. Eine der bekanntesten Nebelarten ist der Morgennebel, auch Advektionsnebel genannt. Dieser entsteht meist in klaren Herbstnächten, wenn der Boden sich rasch abkühlt und in der Folge die unteren Luftschichten ebenfalls abgekühlt werden. Denn Nebel entsteht, wenn feuchte Luft auf ihren Taupunkt abkühlt, sodass der Wasserdampf aus der Luft zu winzigen Tröpfchen kondensiert.

Blick von Ermatingen aus Richtung Reichenau: Die Sonne kämpft gegen den Nebel.

Blick von Ermatingen aus Richtung Reichenau: Die Sonne kämpft gegen den Nebel.

Bild: Reto Martin

Die Sichtweite innerhalb eines Nebels kann stark variieren: Von zehn Metern bei extremem Nebel bis zu einem Kilometer bei leichterem Nebel. Weil die Sichtweite und somit die Orientierung eingeschränkt wird, kann Nebel daher gefährlich sein. Gleichzeitig ist er aber auch eine der schönsten und friedvollsten Wettererscheinungen und hat etwas sehr Mystisches und Geheimnisvolles an sich.

Nebelbogen/Weisser Regenbogen

  • Ein Nebelbogen – auch weisser Regenbogen genannt – entsteht, wenn Sonnenstrahlung auf eine Nebelwand trifft. Dafür muss der Beobachter die Sonne im Rücken haben. Zudem müssen die Nebeltröpfchen mindestens fünf Mikrometer gross sein, sonst kann der Nebelbogen mit blossem Auge nicht mehr wahrgenommen werden. Je kleiner die Nebeltröpfchen sind, desto lichtschwacher erscheint der Nebelbogen.
Nebelbogen werden auch weisse Regenbogen genannt.

Nebelbogen werden auch weisse Regenbogen genannt.

Bild: Jim Lo Scalzo/EPA

Nebelwellen

  • Nebelwellen können nur von oberhalb und damit ausserhalb der Nebelschicht beobachtet werden. Wenn kalte, neblige Luft über ein Hindernis fliesst, dann können oft wellenartige Strukturen gesehen werden. Kalte Luft verhält sich nämlich wie Wasser, welches über das Land fliesst. Bei Windstille fliesst der Nebel genau wie sein blauer Verwandter immer hinab. Aber Nebel kann auch von einem konstanten Wind über das Land gespült werden. Genau wie in einem Bach oder Fluss, verursachen Hindernisse wellenartige Verwerfungen.

Verdunstungsnebel

  • Nebel kann auch durch die Verdunstung von einer Wasseroberfläche entstehen, dies ist aber etwas seltener der Fall. Über dem Bodensee kommt es aber gerade im Herbst und Winter auch zu diesem sogenannten Verdunstungsnebel. Das noch warme Wasser des Sees kondensiert in der Luft und bildet kleine Tröpfchen, diese werden mit einem leichtem Wind über das Land getragen. Eine extremere Form davon ist der sogenannte Seerauch.

Seerauch

  • Seerauch ist eine Form des Verdunstungsnebels. Ersterer entsteht bei sehr starkem Taupunktgefälle. Also, wenn im Winter sehr kalte Luft über ein noch warmes Gewässer fliesst. Es sieht aus, als würde das Gewässer sieden, weil der Nebel nur wenige Meter nach oben reicht, bevor er in der sehr kalten und trockenen Luft verdunstet.
Seerauch entsteht, wenn sehr kalte Luft über ein noch warmes Gewässer fliesst.

Seerauch entsteht, wenn sehr kalte Luft über ein noch warmes Gewässer fliesst.

Bild: Andreas Schindl/Getty

Dunst

  • Dunst ist eine abgeschwächte Form von Nebel, die Sichtweite bei Dunst beträgt zwischen einem und fünf Kilometer. Dunst entsteht bei hoher Luftfeuchtigkeit und/oder dreckiger Luft. Im Winter ist die freie Atmosphäre relativ tief, dass heisst auf einem Berg kann oft eine dunstige Schicht über der Erdoberfläche beobachtet werden.

Kelvin-Helmholtz-Wolken

Kelvin-Helmholtz-Wolken sind ein seltenes Wetterphänomen, welches aber auch am Bodensee vorkommen kann. Es handelt sich dabei um Cirrus-Wolken, also Wolken zwischen fünf und zehn Kilometern Höhe. Bei dieser Art von Wolken entsteht durch Windscherung eine Serie wellenartiger Wolkenmuster. Das Phänomen ist selten, weil die Windscherung genau auf der Höhe der dünnen Cirrus-Wolke auftreten muss.

Die Unterseite der Wolke erfährt dabei eine südliche Strömung, und die Oberseite der Wolke ist einem Nordwind ausgesetzt. Im Falle der Helmholtz-Wolken sind die zwei Luftschichten auch noch verschieden feucht – meistens ist die untere Schicht die feuchtere. Das Endprodukt, das von uns am Boden bestaunt werden kann, sind stark ausgeprägte Luftwirbel mit überhängenden Kämmen, wie bei brechenden Wasserwellen an der Küste.

Kevin-Helmholtz-Wolken sind selten, weil die Windscherung genau auf der Höhe der dünnen Cirrus-Wolke auftreten muss.

Kevin-Helmholtz-Wolken sind selten, weil die Windscherung genau auf der Höhe der dünnen Cirrus-Wolke auftreten muss.

Bild: Imago Images

Gewitter

Per Definition ist ein Gewitter eine meteorologische Erscheinung die mit elektrischen Entladungen, in Form von Blitzen und Donner einhergeht. Gewitterwolken – auch Cumulonimbus genannt – haben eine hohe vertikale Ausdehnung, nicht selten erreichen sie Höhen von zehn Kilometern, teilweise auch mehr. Es braucht drei Voraussetzungen damit sich Gewitter bilden können.

Hier entladen sich die Blitze gerade in Rorschach über dem Bodensee.

Hier entladen sich die Blitze gerade in Rorschach über dem Bodensee.

Bild: Tino Dietsche/tdphoto.ch

Voraussetzungen für Gewitter

  1. Labile Schichtung: Das heisst die Temperaturabnahme mit der Höhe muss genügend gross sein, sodass vertikale Umlagerungen in Gang gesetzt werden. Meteorologen konsultieren hierzu oft die Temperaturdifferenz zwischen 850 Hektopascal und 500 Hektopascal beziehungsweise zwischen etwa 1500 und 5500 Meter Höhe. Als Faustregel gilt, dass ab einer Temperaturdifferenz von rund 26 Grad Gewitter möglich sind, ab einer Differenz von 30 Grad sind schwere Gewitter möglich.
  2. Feuchte: Es muss genügend Feuchtigkeit in der Luft vorhanden sein. Dies nicht nur bodennah, sondern auch in der Höhe. Meteorologen schauen hierfür oft auf die 700 Hektopascalhöhe, welche sich rund 3000 Meter über Meer befindet. Auch hier gilt als Faustregel, dass die relative Feuchte mindestens 70 Prozent betragen sollte, damit sich Gewitter bilden.
  3. Hebung: Es gibt unterschiedliche Arten, wie die Luftmassen angehoben werden. Eine Möglichkeit, die vor allem im Sommer auftritt, ist durch die Erwärmung der bodennahen Luftschichten. Diese heizen sich am stärksten auf, was dazu führt, dass die erhitzte Luft aufsteigt. Die aufsteigende Luft kühlt sich ab, ist aber wärmer als die Umgebung, was dazu führt, dass die Luft noch weiter aufsteigt. Je nach Feuchtegehalt erreicht das Luftpaket in einer bestimmten Höhe die sogenannte Taupunkttemperatur. Dies ist die Temperatur, an der die relative Luftfeuchtigkeit 100 Prozent beträgt. Ab dann kann die Luft auskondensieren, und der Bildung von Gewittertürmen steht nichts im Wege – sofern die anderen beiden Bedingungen sich nicht ändern. Abgesehen von der Erwärmung der bodennahen Luftmassen kann die Luft auch an Berghängen zum Aufsteigen gezwungen werden.
Von Blitzen und Gewittern im Allgemeinen gehen diverse Gefahren aus.

Von Blitzen und Gewittern im Allgemeinen gehen diverse Gefahren aus.

Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

Auch wenn Gewitter, vor allem Blitze schön anzusehen sind, so gehen von ihnen verschiedene Gefahren aus: Blitzschlag, Starkregen und damit verbundene kurzzeitige Überflutungen und Hagel.

Arcus-Wolken

Arcus-Wolken, auch Schelfcloud genannt, sind beeindruckende Gewitterwolken, welche auf der Vorderseite eines starken Gewitters zu sehen sind. Ihre Basis liegt zwischen einem und zwei Kilometern über dem Boden. Zieht eine Arcus-Wolke über einen hinweg, wird es dunkel, als wäre es spät am Abend. Diese spezielle Wolkenart ist dermassen kompakt, dass sie nur wenig Licht durchlässt. Unter der Arcus-Wolke können graue, graublaue oder graugrüne Farben gesehen werden, je nach Art und Intensität des Niederschlags, der gleich folgen wird. Arcus-Wolken kündigen ein unwetterartiges Gewitter an.

Schelfclouds sind sehr kompakt und lassen nur wenig Licht durch.

Schelfclouds sind sehr kompakt und lassen nur wenig Licht durch.

Bild: Imago Images

Regenbogen und Nebenregenbogen

Regenbögen sind ein vertrauter Anblick. Sie bilden sich, weil das einfallende Sonnenlicht von vielen kleinen Wassertröpfchen gebrochen wird. Das weisse Sonnenlicht teilt sich dabei in alle Einzelfarben des Farbspektrums auf. Um 1660 bewies der englische Wissenschaftler Isaac Newton, dass ein Prisma weisses Licht aufteilen kann. In der Natur funktionieren die Wassertröpfchen wie ein Prisma. An einem sonnigen Tag sind Regenbögen sogar im Sprühnebel eines Gartenschlauchs sichtbar.

Ein herrlicher Regenbogen über dem Bodensee, Blick von Romanshorn.

Ein herrlicher Regenbogen über dem Bodensee, Blick von Romanshorn.

Bild: Reto Martin
Bei guten Lichtverhältnissen, kann man auch einen zweiten Regenbogen entdecken.

Bei guten Lichtverhältnissen, kann man auch einen zweiten Regenbogen entdecken.

Bild: Rainer Hunold/Imago Images

Bei guten Lichtverhältnissen vor der Regenwand ist über dem ersten Hauptregenbogen ein zweiter Regenbogen, ein sogenannter Nebenregenbogen, sichtbar. Dieser ist in Folge der zweifachen Reflexion des Lichtes in den Wassertropfen lichtschwächer und hat die umgekehrte Farbfolge.

Es gibt sogar noch weitere Nebenregenbögen. Diese dreifachen oder sogar vierfachen Regenbögen sind mit blossem Auge nicht mehr erkennbar.

Mondbogen

Ein Mondbogen ist nichts anderes als ein Regenbogen in der Nacht. Regentropfen werden dann anstatt am Sonnenlicht am Mondlicht gebrochen. Sie sind aber viel seltener als Regenbogen. Denn das Mondlicht muss recht stark sein, was meistens bei Vollmond der Fall ist. Dann ist die Chance, einen Mondbogen zu sehen, am grössten. Da man aber zudem ein freies Blickfeld auf den fallenden Regen braucht, ist die Wahrscheinlichkeit, einen Mondbogen zu sehen, sehr gering. Diese Bogen sind auch nicht zu verwechseln mit einem Mondhalo, welches durch Brechung des Mondlichts an Eiskristallen entsteht.

Halo-Effekt

Ein Halo-Effekt ist eine optische Erscheinung, welche ringförmig und farbig um die Sonne, in seltenen Fällen auch um den Mond, erscheint. Meistens bildet sich der Ring ungefähr 22 Grad entfernt von der Sonne oder vom Mond. Die Voraussetzung, um eine solche Erscheinung zu sehen, ist, dass die Eiskristalle möglichst regelmässig in alle Richtungen gewachsen sind. Die Anordnung ist dabei hexagonartig, also im Sechseck. Dies ist vor allem in grosser Höhe bei Cirruswolken der Fall. Dass die Eiskristalle in alle Richtungen gleichmässig wachsen, wird durch möglichst langsames Wachstum verursacht. Das Sonnenlicht wird dann an diesen Eiskristallen – zum Teil auch mehrmals – gebrochen, was zum Halo-Effekt führt.

Ein Halo-Effekt erscheint ringförmig und farbig um die Sonne.

Ein Halo-Effekt erscheint ringförmig und farbig um die Sonne.

Bild: Imago Images

Auch um den Mond kann sich dieser Halo-Effekt bilden, allerdings ist dieser deutlich weniger sichtbar für das menschliche Auge. Da dieses bei geringer Lichtintensität kaum in der Lage ist, Farben zu erkennen, erscheinen die Mondhalos weiss.

Eisregen

Unterscheidung zweier Formen von Eisregen

  1. Gefrierender Regen: Als Gefrierenden Regen bezeichnet man Regen, der beim Boden- oder Objektkontakt gefriert und somit hauptsächlich im Winter vorkommt, wenn in den untersten Luftschichten Kaltluft vorhanden ist. Diese ist oft sehr träge, und beim Aufzug einer Warmfront werden zunächst die oberen Luftschichten erwärmt. Manchmal werden dabei die oberen Luftschichten auf über Null Grad erwärmt, sodass der Schnee bereits in grösserer Höhe schmilzt. Ist der Schnee in Regen übergegangen, kann dieser nicht wieder zu Schnee gefrieren. Da die unteren Luftschichten dann teilweise immer noch unter dem Gefrierpunkt liegen, gefriert der Regen, sobald er auf die Oberfläche trifft. Dadurch werden ganze Bäume und andere Objekte in Eis gehüllt, was je nach Dauer und Stärke des Eisregens zu massiven Schäden und starker Glatteisgefahr auf den Strassen führt.
  2. Eiskörner: Sie sind eine höhere Stufe des Gefrierenden Regens, denn die Entstehung erfolgt auf ähnliche Weise. Hier ist entweder die Schicht in der Höhe, die über dem Gefrierpunkt liegt, nicht so stark ausgeprägt wie beim Eisregen, und/oder die unterste Schicht ist sehr kalt. Dies führt dazu, dass der geschmolzene Regen genug Zeit hat, um wieder zu gefrieren, bevor er den Boden erreicht. In beiden Fällen fallen dann kleine Eiskörner vom Himmel, die sich dann am Boden ansammeln können. Es entstehen weitaus weniger Schäden als beim gefrierenden Regen.
Da der Regen gefriert, sobald er auf die Oberfläche trifft, werden dadurch ganze Bäume in Eis gehüllt.

Da der Regen gefriert, sobald er auf die Oberfläche trifft, werden dadurch ganze Bäume in Eis gehüllt.

Bild: Donato Caspari

Elmsfeuer

Das Elmsfeuer ist eine seltene, kontinuierliche Lichterscheinung, die kurz vor einem Gewitter auftreten kann. Es entsteht nämlich dann, wenn die Atmosphäre stark elektrisch aufgeladen ist. An spitzen Objekten erzeugt dies jeweils hohe Feldstärken, und bei genug hoher Spannung wird die Luft ionisiert: Es entsteht eine flammenähnliche blaue Lichterscheinung. Der Lichtschein wird rund 30 bis 50 Zentimeter lang und tritt in erhöhten Lagen an Sendemasten, Hochspannungsmasten, Bergspitzen oder auch Schiffsmasten auf. Beim Elmsfeuer besteht unmittelbare Gefahr vor Blitzschlag, und man sollte sich so rasch wie möglich in Sicherheit begeben.

Bei Elmsfeuern besteht eine unmittelbare Gefahr eines Blitzschlags.

Bei Elmsfeuern besteht eine unmittelbare Gefahr eines Blitzschlags.

Bild: Imago Images

Lake-Effekt

Der Lake-Effekt ist ein Phänomen, welches im Winter und teilweise auch im Herbst auftreten kann, wenn kalte Luftmassen aus Norden und Nordwesten über den relativ warmen Bodensee strömen. Die kalte Luft wird dabei erwärmt und mit zusätzlicher Feuchtigkeit angereichert. Je länger die Luft über dem Wasser bleibt, desto mehr Feuchtigkeit kann aufgenommen werden. Die über dem Wasser erwärmte und angefeuchtete Luftmasse steigt dann auf und produziert über dem See und in den angrenzenden Regionen teilweise kräftigen Niederschlag. In den Gebieten um Rorschacherberg wird der Niederschlag zusätzlich orografisch verstärkt. Im Herbst fällt dann sehr viel Regen und im Winter zudem sehr viel Schnee.

Der Lake-Effekt tritt auf, wenn kalte Luftmassen aus Norden und Nordwesten über den relativ warmen Bodensee strömen. So wie hier in Romanshorn.

Der Lake-Effekt tritt auf, wenn kalte Luftmassen aus Norden und Nordwesten über den relativ warmen Bodensee strömen. So wie hier in Romanshorn.

Bild: Reto Martin

Auf der österreichischen Seite des Bodensees (Region Bregenzerwald) ist der Effekt noch grösser, da dort die Luft viel länger über dem Wasser bleiben kann, bevor sie aufs Festland trifft. Für Schneeliebhaber bringt dieses Phänomen im Winter recht viel Schnee, hat aber auch den Nachteil dass es teilweise sehr lokal begrenzt ist. Es kann durchaus vorkommen, dass innerhalb von wenigen Kilometern die Unterschiede enorm sind. Zusätzlich ist dann auch auf den Strassen mit Behinderungen zu rechnen.

Mammatuswolke

Mammatuswolken sind beutelartige, nach unten hängende Wolkenformen, die meist bei starken Gewitterwolken (Cumulonimbus) vorkommen. Sie entstehen durch Abwinde innerhalb des sogenannten Gewitterambosses, womit eben die erwähnten beutelartigen Strukturen entstehen. Wenn diese bei Sonnenuntergängen auftreten, können faszinierende Farbspiele beobachtet werden.

Mammatuswolken entstehen durch Abwinde innerhalb des sogenannten Gewitterambosses.

Mammatuswolken entstehen durch Abwinde innerhalb des sogenannten Gewitterambosses.

Bild: Imago Images

Wasserhosen

Wasserhosen sind Erscheinungen, die bei einem Schauer oder Gewitter über Gewässern entstehen können und meistens nur ein paar Minuten sichtbar sind. Sie sind einem Tornado sehr ähnlich. Der Unterschied dabei ist, dass Tornados über Land und Wasserhosen über Gewässern sind. In der Regel weisen Wasserhosen aber tiefere Windgeschwindigkeiten wie Tornados auf. Trotzdem können in extremen Fällen Geschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde gemessen werden.

Am Bodensee treten die Wasserhosen vor allem im Spätsommer und Herbst auf.

Am Bodensee treten die Wasserhosen vor allem im Spätsommer und Herbst auf.

Bild: Imago Images

Wasserhosen ragen als Trichter- oder schlauchförmige Gebilde aus der Wolke heraus und schlängeln sich bis zur Wasseroberfläche. Vorboten dieses Ereignisses sind meist typische, sichtbare Verwirbelungen an der Unterseite von Schauer- oder Gewitterwolken. Am Bodensee treten die Wasserhosen vor allem im Spätsommer und Herbst auf, wenn kalte, hochreichende Luft über das noch warme Wasser strömt. Im Schnitt treten sie über dem Bodensee alle ein bis zwei Jahre auf, wobei sich die Häufigkeit im Zuge der Klimaerwärmung nun ändert.

Windhosen

Der Begriff Windhose wurde in jüngster Vergangenheit im deutschen Sprachraum oft undifferenziert für verschiedene Phänomene im Zusammenhang mit plötzlich auftretenden starken Winden verwendet. So etwa für Sturmböen wegen starken Fallwinden im Vorfeld eines Gewitters. Zudem wurde auch der Unterschied zwischen grossen Tornados in Amerika und kleinen Windhosen in Europa suggeriert. Einen Unterschied zwischen Tornados und Windhosen gibt es aber weder in ihrer Stärke noch in ihrer Funktionsweise und Entstehung.

Windhosen können bei einem starken Gewitter vorkommen.

Windhosen können bei einem starken Gewitter vorkommen.

Bild: Jay Schneider/AP

Ein Tornado kann bei einem starken Gewitter vorkommen und produziert die höchsten und zerstörerischsten Windstärken. Neben Hurrikans sind die Tornados die ausgeprägteste Form eines Wetterextrems. Bei starker Konvektion und einer grossen Windscherung in der Atmosphäre beginnt sich das Gewitter zu drehen. Die Rotation kann sich konzentrieren. Bei stärker werdender Rotation werden die Winde stärker, und der Druck im Innern nimmt ab. Wird der Luftdruck so tief, dass Kondensation auftritt, bildet sich eine Trichterwolke («funnel cloud»), die von der Wolkenbasis in Richtung Erdboden wächst. Sobald die Trichterwolke in Kontakt mit dem Boden gelangt, spricht die Meteorologie von einem Tornado. Am Bodensee ist die Wahrscheinlichkeit eines Tornados klein, aber dennoch vorhanden.

Wie der Klimawandel das Wetter beeinflusst

Abschliessend erklärt Stefan Scherrer, Meteorologe bei Meteonews, den Zusammenhang der Wetterphänomene mit dem Klimawandel. «Wenn das Klima wärmer wird, heisst das mit anderen Worten, dass mehr Energie vorhanden ist.» Das bedeute wiederum, dass die Atmosphäre mehr Feuchtigkeit aufnehmen könne. «Das führt zu mehr Starkniederschlagereignissen», sagt Scherrer.

Meteorologe Stefan Scherrer.

Meteorologe Stefan Scherrer.

Bild: PD

Im Allgemeinen geht man laut Scherrer davon aus, dass die Wetterlagen stabiler werden. Während längerer Hochdruckperioden im Sommer beispielsweise gebe es automatisch längere Hitze- und sogar Trockenperioden. Umgekehrt können auch Tiefdrucklagen länger anhaltend sein. «Wenn es dann Niederschlagsereignisse oder Gewitter gibt, können diese umso heftiger ausfallen.» Daher gehe die Tendenz Richtung Extremereignisse – diese nehmen auch in der Schweiz an Häufigkeit und Intensität zu.

Wie die Schadstoffbelastung in der Luft das Wetter beeinflusst

Auch die Schadstoffbelastung in der Luft hat gemäss Scherrer einen Einfluss auf das Wetter und die auftretenden Wetterphänomene – beispielsweise auf den Nebel. Bis in die Achtzigerjahre sei durch Heizungen viel mehr Schwefeldioxid ausgestossen worden. Dank der Luftreinhalteverordnung von 1985 gingen die Emissionen zurück, und die Luft wurde dementsprechend sauberer – zumindest was diese Art von Schadstoffen angeht. Nebel braucht nämlich Kondensationskeime, und Schwefeldioxid kann als solcher dienen. «Die ‹sauberere› Luft im Vergleich zu den 1970er- und 1980er-Jahren unterstützt also einen Trend zu weniger Nebel, vor allem in den Herbst- und Wintermonaten.»