Bodensee-Sommer
404 Milliarden Badewannen Wasser, 200'000 Zugvögel und über 1,4 Millionen Schiffskilometer: Der Bodensee in Zahlen und Fakten

Wann wurde der Bodenseeraum besiedelt, wie viele Fischarten gibt es, und wie war das gleich nochmal mit der «Seegfrörni»? Eine Zusammenstellung.

Tim Naef
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Tourismus: Über 20 Millionen Übernachtungen und 220'000 Velofahrer

Der Bodensee ist ein beliebtes Ausflugsziel. Im Jahr 2018 wurden beinahe vier Millionen Menschen von den Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein über den See chauffiert. Dabei legen die insgesamt 29 Kursschiffe rund 1,42 Millionen Kilometer im Jahr zurück.

All die Gäste auf den Schiffen müssen auch irgendwo unterkommen. 2019 wurden in den Hotelbetrieben (ab 10 Betten) um den See rund 21,5 Millionen Gästeübernachtungen gezählt. 40 Prozent davon entfielen auf Deutschland, 35 auf die Schweiz, 24 auf Österreich und 1 Prozent auf das Fürstentum Liechtenstein. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug insgesamt 2,3 Tage.

Ein wenig länger haben die Gäste für die Umrundung des Sees mit dem Velo. Den Weg benutzen jährlich über 220'000 Velofahrer, womit er der beliebteste Veloweg Europas ist. Für die rund 260 Kilometer lassen sich die Gäste im Schnitt fünf bis acht Tage Zeit.

Velofahren rund um den Bodensee erfreut sich grösster Beliebtheit.

Velofahren rund um den Bodensee erfreut sich grösster Beliebtheit.

Bild: Urs Bucher

Flora und Fauna: Hunderttausende Zugvögel und meterlange Fische

Der Bodenseeraum ist ein riesiges Biotop mit ungezählten Tierarten. Allein 412 Vogelarten konnten bislang nachgewiesen werden. Schaut man in den See, findet man über 30 Fischarten, Grosskrebse sowie verschiedenste tierische und pflanzliche Kleinstlebwesen wie Krebse, Flöhe, Rädertiere und verschiedene Algenarten, die zusammen das Plankton des Sees bilden. Einige von diesen Fischen und anderen Lebewesen sind von Anfang an im See heimisch gewesen, andere gelangten erst im Laufe der Zeit in den See.

Der grösste Bewohner des Bodensees ist der Wels, welcher bis zu drei Metern lang werden kann. Oft zu Gesicht bekommt man diesen aber nicht, er lebt vornehmlich am Grund des Sees.

Bis ins 19. Jahrhundert galt der Bodensee als naturnahes Gewässer, später wurden seine Ufer beinahe komplett gerodet und verbaut. Doch es gibt bis heute unangetastete Fleckchen rund ums Ufer. So blieb im alten Rheindelta an der Ostseite des Sees ein urwüchsiger Auwald erhalten, der zahlreichen Vogelarten ein Refugium bietet. Für mehr als 200'000 Zugvögel ist das Bodensee-Gebiet alljährlich Rastplatz oder Überwinterungsgebiet.

Rund um den See gibt es mindestens 412 Vogelarten.

Rund um den See gibt es mindestens 412 Vogelarten.

Bild: Nana Do Carmo

Historisches: Besiedelt bereits vor über 5000 Jahren

Die ersten Siedlungen rund um den Bodensee datieren aus der Jungsteinzeit, ab 3000 v. Chr. Aus der Jungsteinzeit gibt es mehrere Überreste von Pfahlbauten am Schweizer und am deutschen Ufer. Rund 2500 Jahre später siedelten sich Kelten an den Ufern des Bodensees an. Aus dieser Zeit sind noch einige Fluchtburgen erhalten. Bedeutendster keltischer Ort war Brigantion (röm. Brigantium), das heutige Bregenz in Österreich.

Der spanische Geograf Pomponius Mela erwähnt als erster um das Jahr 43 den Bodensee als Lacus Venetus (Obersee) und Lacus Acronius (Untersee), die beide vom Rhein durchflossen würden. Plinius der Ältere bezeichnet den Bodensee erstmals als Lacus Brigantinus. Wichtigster römischer Ort wurde Bregenz, das bald römisches Stadtrecht bekam und später zum Sitz des Präfekten der Bodenseeflotte wurde. Die Römer waren auch in Lindau, besiedelten dort allerdings nur die Hügel rund um Lindau, da am Ufer viel Sumpfgebiet war. Weitere römische Städte waren Constantium (Konstanz) und Arbor felix (Arbon).

Topografie: Eiffelturm, Badewannen und Co.

Jedes Jahr transportiert der Rhein rund 2,5 Millionen Kubikmeter Sand und Kies in den Bodensee. Das entspricht einem Hochhaus von rund 350 Metern Höhe und einer Grundfläche eines Fussballfelds.

Dieses Hochhaus – an der tiefsten Stelle des Bodensees platziert – würde noch über 100 Meter aus dem See hinaus ragen. Rein rechnerisch ist der heutige Bodensee in 19'400 Jahren mit Sand und Kies aufgefüllt. Um eine drohende Verlandung des Rheindeltas zu verhindern, wurden Steindämme errichtet, die weit in den See hinein reichen.

Das Rheindelta.

Das Rheindelta.

Der Bodensee ist vergleichbar mit einer Badewanne, die von mehreren, unterschiedlich leistungsfähigen Wasserhähnen gefüllt wird, aber über nur einen Abfluss verfügt. Der grösste dieser Wasserhähne ist der Rhein, der 62 Prozent des Wassers bringt. Im Jahresdurchschnitt sind das 225 Kubikmeter oder 225'000 Liter Wasser pro Sekunde.

Das ist mehr als fünfmal so viel wie alle Nebenzuflüsse (Leiblach, Rotach, Seefelder Aach, Stockacher Aach, Radolfzeller Aach, Salmsacher Aach, Steinach, Goldach, Alter Rhein) zusammen.

Der tiefste Punkt des Bodensee befindet sich zwischen Uttwil und Friedrichshafen. Von der Oberfläche gemessen, geht es rund 254 Meter in die Tiefe. Zum Vergleich: Der Eiffelturm ist 324 Meter hoch. Insgesamt fasst der Bodensee rund 48,5 km3 Wasser, was 48'500'000'000'000 Liter oder 404’166’666’666 Badewannen entsprechen.

Der See in Zahlen

  • Oberfläche gesamt: 571,5 km2 (Obersee 500,0 km2, Untersee:
    71,5 km2)
  • Wasserinhalt: 48,5 km3
  • Grösste Länge: Bregenz–Ludwigshafen (63 km)
  • Grösste Breite: Romanshorn–Friedrichshafen (14 km)
  • Uferlänge gesamt: 273 km (Schweiz 72 km, Deutschland 173 km, Österreich 28 km)

Übrigens: Erdkrümmung, Seegfrörni – und woher stammt eigentlich der Name Bodensee?

  • Seit dem Jahr 875 ist der Bodensee insgesamt 33 Mal total zugefroren, sodass man den See überall sicher zu Fuss überqueren konnte. Die letzte sogenannte «Seegfrörni» war im Jahre 1963.
  • Mathematisch bleibt ein Wassertropfen rund vier Jahre im Bodensee. Nimmt man das Seevolumen und teilt dieses durch den jährlichen Abfluss, so erhält man eine mittlere «Aufenthaltsdauer» jedes Wassertropfens von 4,2 Jahren.
  • Wer in Bregenz in Richtung Konstanz blickt, kann das Ufer nicht erkennen. Grund dafür ist nicht etwa eine schlechte Sicht, es ist die Erdkrümmung. 
  • Von lacus podamicus zu Lake Constance: Namensgeber für den Bodensee ist der Ort Bodman im Nordwesten des Sees. Dort errichtete der Frankenkönig Pippin im 8. Jahrhundert nach Christus die Pfalz, den Wohn- und Stützpunkt Bodomo. Das führte dazu, dass der See lacus podamicus hiess. Im Mittelhochdeutsch wurde der See im Verlaufe der Zeit auch Bodemen- oder Bodemsee genannt, was sich über die Jahre dann zum heutigen Namen Bodensee weiterentwickelt hat. Im Englischen wird der Bodensee nach der grössten Stadt an seinem Ufer benannt: Lake Constance.
  • Will man mit dem öffentlichen Verkehr, sprich dem Zug, um den See, so ist man rund vier Stunden unterwegs, genauer gesagt drei Stunden und 56 Minuten. Sitzen bleiben kann man allerdings nicht. Man muss mehrmals umsteigen, wobei sich über eine Stunde Wartezeit ansammelt. 

Quellen: Bundesamt für Statistik, Bundesamt für Umweltschutz, Gewässerschutzkommission für den Bodensee, statistik-bodensee.org, Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein