Bodensee: Schwieriger Kampf gegen Schiffsmotor-Klau

Am Bodensee werden immer wieder Schiffsmotoren gestohlen. Dahinter stecken meist Täter aus Osteuropa. Es ist praktisch unmöglich, sich völlig vor ihnen zu schützen.

Daniel Walt
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Abgestellte Schiffe können zur Beute von Motordieben werden. (Bild: Archiv/Ralph Ribi (Symbolbild))

Abgestellte Schiffe können zur Beute von Motordieben werden. (Bild: Archiv/Ralph Ribi (Symbolbild))

Kommissar Zufall leistete ganze Arbeit: Ende April stoppte eine Patrouille der Thurgauer Kantonspolizei nachts um 3.20 Uhr in Tägerwilen einen Kleinwagen. Darin fanden die Beamten tropfnasse Aussenbordmotoren. Die Fahrzeuginsassen, ein 49-jähriger Mann und eine 48-jährige Frau aus Bulgarien, konnten nicht schlüssig erklären, woher sie die Motoren hatten. Wie die Polizei in der Folge herausfand, handelte es sich um Diebesgut aus Ermatingen.

33'000 Euro Schaden
Der Fall aus dem Thurgau ist aktueller Beleg für ein Phänomen, das sich in den vergangenen Jahren akzentuiert hat: Diebe stehlen immer wieder Schiffsmotoren und verschieben sie ins Ausland. Insbesondere in den Jahren 2013 und 2014 stieg die Anzahl der Fälle rasant an – vergangenes Jahr beispielsweise kamen schweizweit über 200 Schiffsmotoren weg, wie die Nachrichtenagentur sda vor einiger Zeit meldete. Im Kanton Thurgau ist die Tendenz derzeit gleichbleibend: "Wir haben dieses Jahr bislang fünf Diebstähle von Schiffsmotoren registriert. Das sind gleich viele Fälle wie im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres", sagt Matthias Graf, Sprecher der Thurgauer Kantonspolizei.

Leicht rückläufige Zahlen, allerdings nach wie vor auf hohem Niveau, kommen von der deutschen Bodensee-Seite: Dort wurden dieses Jahr bislang 26 Schiffsmotoren gestohlen. Wie Christof Wolf vom Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität der Wasserschutzpolizei Baden-Württemberg festhält, entspricht dies einem Deliktswert von 33'000 Euro – wobei die Täter hauptsächlich in den Sommermonaten aktiv seien.

Auch am St.Galler Ufer
Während Schiffsbesitzer am österreichischen Bodensee-Ufer laut der Vorarlberger Polizei dieses und letztes Jahr von Motordiebstählen weitgehend verschont geblieben sind, waren die Täter im Kanton St.Gallen sehr aktiv. Entweder demontierten sie die Motoren klassisch mit handelsüblichen Werkzeugen, oder sie kamen in Verbindung mit Einbrüchen zum Diebesgut. Seit 2010 wurden gemäss Hanspeter Krüsi, Chef Kommunikation der Kantonspolizei, 30 Schiffsmotoren entwendet – 19 davon allein bei zwei Diebstählen im Jahr 2014. Dazu kommen vier Fälle, in denen ganze Boote mitsamt den entsprechenden Motoren verschwanden. Der Wert der verschwundenen Boote und Motoren in den letzten fünfeinhalb Jahren beträgt über 163'000 Franken.

Via Deutschland in den Osten
Aufgrund ihrer Erkenntnisse sind sich die Ermittler einig: Bei den Schiffsmotoren-Dieben handelt es sich in den allermeisten Fällen um Kriminaltouristen aus Osteuropa, die ihre Beute auch dorthin verschieben. "Bootsmotoren kann man bei uns ohne Papiere gar nicht einlösen", sagt Matthias Graf von der Kantonspolizei Thurgau. Hanspeter Krüsi hält fest, der St.Galler Kantonspolizei seien schon ein Serbe sowie Rumänen ins Netz gegangen. "Die uns bekannte Gruppierung aus Rumänien widmet sich unseres Wissens nur dem Motorendiebstahl ab Booten", sagt er. Krüsi weiss, dass gestohlene Schiffsmotoren teils im Internet zum Verkauf angeboten werden – "uns ist aber auch bekannt, dass sie an Märkten in Polen verkauft werden". Das Diebesgut werde meist über Deutschland in den Osten verschoben. Wie Krüsi weiter sagt, weisen die Motoren in der Regel keine Identifizierungsnummer auf, sondern sind lediglich mit Typenschildern und Seriennummern versehen. "Die professionellen Diebe ersetzen diese durch gefälschte Typenschilder. Den Unterschied bemerken nur Kenner."

Abhilfe schaffen ist schwierig
Was können Schiffsbesitzer tun, um nicht plötzlich ohne Motor dazustehen? Matthias Graf von der Thurgauer Kantonspolizei: "Gewisse Motoren können mit einem Schloss gesichert werden – wobei man auch dieses aufbringt". Er ruft generell dazu auf, verdächtige Personen zu melden, die um Boote oder Schiffe schleichen. Auch Hanspeter Krüsi hat kein Patentrezept zum Schutz vor Schiffsmotoren-Dieben: "Solange die Überwinterung eines Bootes im Wasser erfolgt und die Motoren am Rumpf montiert bleiben, ist es schwierig", hält er fest. Selbst wenn eine elektronische Sicherung für das Starten des Motors installiert worden ist, nützt das gemäss Krüsi wenig: Ein Täter kann das gar nicht feststellen und stiehlt den Motor trotzdem. Eine Möglichkeit sieht Krüsi darin, den Motor besser am Rumpf zu befestigen. Das hätte aber zur Folge, dass beim Versuch, ihn gewaltsam zu entfernen, umso grösserer Schaden am Boot entstehen würde. Damit kämen die anschliessenden Reparaturkosten den Schiffsbesitzer bald einmal teurer als ein neuer Motor.