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Aus diesem Grund heisst der Bodensee nicht Konstanzersee

Aus See-Gaster soll Zürichsee-Linth werden. Dass sich ein Teil des Kantons St.Gallen nach dem Kanton Zürich benennen möchte, mag auf den ersten Blick seltsam erscheinen. Doch der Bodensee ist sogar nach zwei deutschen Städten benannt.
Marlen Hämmerli
Bodman am westlichen Ende des Überlinger Sees: Der flache Boden dürfte namensgebend gewesen sein, auch für den Bodensee. (Bild: Markus Keller, Keystone)

Bodman am westlichen Ende des Überlinger Sees: Der flache Boden dürfte namensgebend gewesen sein, auch für den Bodensee. (Bild: Markus Keller, Keystone)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Der St.Galler Wahlkreis See-Gaster möchte Zürich im Namen tragen. «Zürichsee-Linth» soll er heissen, ginge es nach dem CVP-Kantonsrat Peter Göldi. Seine Begründung: die fehlende Identifikation der Region mit dem Namen See-Gaster. Offiziell ist die Namensänderung derzeit jedoch nicht möglich. Denn die Regierung ist dagegen, wie sie in ihrer Antwort auf eine entsprechende Interpellation Göldis schreibt. Der Aufwand wäre erheblich, da für die Umbenennung eine Änderung der Verfassung und damit eine Volksabstimmung nötig würden. Im «Regionaljournal» von SRF wurde zudem die Frage gestellt:

«Wäre es nicht seltsam, wenn ein Teil des Kantons St.Gallen nach Zürich benannt würde?»

Mit Blick auf die Namensgeschichte des Bodensees müsste die Frage mit Nein beantwortet werden. Denn der grösste See der Ostschweiz ist in etlichen Sprachen nach einer Stadt benannt, die weder im Thurgau noch in St.Gallen liegt. Dies ist der Fall im Französischen (Lac de Constance), Italienischen (Lago di Costanza) und Rätoromanischen (Lai da Constanca, aber auch Lai Bodan).

Der Name Lacus Constantinus festigte sich im katholischen, romanischen Sprachraum nach dem Konzil von Konstanz. Das Konzil ist laut Stefan Sonderegger, Stadtarchivar der Ortsbürgergemeinde St.Gallen, aber nicht der einzige Grund für den Namen: «Es hat die Verbreitung des Namens möglicherweise verstärkt. Auf die Namensgebung hatte aber auch das grosse und bedeutende Bistum in Konstanz einen sehr grossen Einfluss.» Zum Bistum Konstanz gehörten bis ins 19. Jahrhundert alle Ostschweizer Kantone.

Bodman und die Herren von Bodman
prägten die Region

Doch wenn zur Zeit des Konzils die Stadt Konstanz für das katholische Gebiet so wichtig war, ­warum heisst der Bodensee auf Deutsch nicht Konstanzersee? «Für die Region waren der deutsche Ort Bodman und später die Herren von Bodman wichtiger», sagt der Stadtarchivar. «Spanier oder Franzosen interessierten sich hingegen fürs Konzil.» Dazu kommt, dass Konstanz damals ein wichtiger Textilexporteur war. «Tücher aus Konstanz waren in Spanien und Frankreich nach der Stadt benannt.»

Bodman bildet heute mit Ludwigshafen eine Gemeinde. Im frühen Mittelalter war der Ort jedoch alemannischer Herzogssitz, später fränkische Königspfalz der Karolinger. Also ein Ort, wo der reisende König Hof hielt.

Der Bedeutung Bodmans wurde mit dem Namen «See, an dem Bodman liegt» Rechnung getragen. Die latinisierte Form «lacus potamicus» wird ab 833 nach Christus erwähnt (siehe Kasten unten). Im Jahr 1087 taucht der Namen «ad lacum Bodinse» auf, wie Bruno Boesch in den «Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung» schreibt. Bodman wiederum leitet sich von «Bodamo», der Boden, ab. Damit dürfte das flache Ufer gemeint sein.

Vom Ort übernahmen auch die Herren von Bodman den Namen. Sie verwalteten die Pfalz Bodman und trieben von den Reichsstädten, darunter Konstanz und St.Gallen, die Steuer ein.

Der Bodensee ist also nach einer Stadt benannt, die für die Menschen bedeutend war. Genau wie der Zürichsee.

Der Bodensee hies auch einmal Bregenzersee

Die älteste Erwähnung des Bodensees stammt gemäss Bruno Boesch von Strabo, der von einer «limne», einem stehenden Wasser spricht. 75 nach Christus bezeichnete Plinius der Ältere den gesamten See als «lacus raetiae Brigantinus» – nach Bregenz. Die Stadt war damals von den Römern besetzt, da sie verkehrstechnisch und strategisch günstig lag.

Auch «lacus potamicus» war eine Bezeichnungen für den Bodensee. Der Benediktiner Walahfrid Strabo von der Reichenau nennt den See in der Vita Sancti Galli so. Bei der Deutung führt der Mönch den Ausdruck fälschlicherweise auf das griechische Wort für Fluss («potamus») zurück. Also auf den Rhein, der den See durchströmt.

Walahfrid habe den Namen absichtlich nicht auf Bodman zurückgeführt, mutmasst der deutsche Historiker Arno Borst. Die Pfalz habe die Gewaltherrschaft der Franken symbolisiert, während der Rhein die befreundeten Klöster St.Gallen und Reichenau verband.

Ein Übername lautet bis heute «Schwäbisches Meer». Dabei bedeutete Meer ursprünglich stehendes Gewässer und im Mittelalter wurden die Schweizer zu den Schwaben gerechnet.

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