BODENSEE: Fischer gegen Fischer

Die Sportfischer fühlen sich gegenüber den Berufsfischern benachteiligt. Sie wollen sich wehren.

Larissa Flammer
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Sportfischer dürfen ab 2017 nur noch eine bestimmte Anzahl Fische fangen. Für Berufsfischer gilt das nicht. (Bild: Reto Martin (Romanshorn, 5.7.2011))

Sportfischer dürfen ab 2017 nur noch eine bestimmte Anzahl Fische fangen. Für Berufsfischer gilt das nicht. (Bild: Reto Martin (Romanshorn, 5.7.2011))

BODENSEE. Unter den Fischern rund um den Bodensee gibt es verschiedene Interessen. Auf der einen Seite stehen die Berufsfischer, die von den gefangenen Tieren leben müssen, auf der anderen Seite die Sportfischer. «Im Gegensatz zu den teilweise kurzfristigen Überlegungen der Berufsfischer wollen wir eine nachhaltige Fischerei am Bodensee», sagt Alfredo Sanfilippo, Präsident des Sportfischervereins Kreuzlingen. Zusammen mit anderen Hobbyfischern hat Sanfilippo vergangene Woche die IG Bodensee wiederbelebt. Die Gemeinschaft soll die Anliegen der Sportfischer für eine nachhaltige und naturbezogene Fischerei am Bodensee gegen aussen vertreten.

Nur noch 12 Felchen pro Tag für Sportfischer

Den Sportfischern geht es vor allem um die neuen Beschlüsse, die am 1. Januar in Kraft treten. Jeder Sportfischer darf dann nur noch 12 Felchen und 30 Egli pro Tag fangen. Ausserdem darf er kleine Fische nicht mehr zurück in den See setzen. «So müssen wir mit dem Fischen aufhören», sagt Sanfilippo. Das sei unfair, da die Berufsfischer keine Kontingente hätten. «Auch wir zahlen Patente und finanzieren so zum grössten Teil die Fischerei mit.»

Für Roman Kistler von der Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau ist die Problematik nicht neu. «Die Kontingente für Sportfischer bei Felchen und Egli können aus deren Sicht als Nachteil betrachtet werden. Aber vernünftigerweise ist es nicht einsehbar, warum ein Hobbyfischer Dutzende oder Hunderte Fische herauszieht. Im Gegensatz zu den Berufsfischern müssen die Angler nicht vom Fischfang leben.» Reto Leuch, Präsident des Schweizerischen Berufsfischereiverbandes, bläst ins gleiche Horn: «Zwölf Felchen sind drei Kilo Fisch. Hobbyfischer dürfen diese nicht verkaufen. Was wollen sie also damit? Für Hobbyfischer sollte die Freude an der Natur und am Sport im Vordergrund stehen und nicht die Menge an gefangenem Fisch», sagt Leuch.

Ein wichtiger Kritikpunkt der IG Bodensee ist, dass Berufsfischer während der Schonzeit im Dezember im Rahmen der Laich- und Weihnachtsfischerei so viele Felchen fangen. Die Fische würden für den Kaviar gefangen, die Population an Felchen und Egli gehe immer weiter zurück. «Es ist das alte Lied. Die Hobbyfischer beschuldigen uns, den See leergefischt zu haben», entgegnet Leuch. Dabei würden sie eine sehr nachhaltige Fischerei betreiben. Es liege an der fehlenden Nahrung, dass es immer weniger Fische gebe.

Einsatz von Phosphat ist umstritten

Die Nahrung ist ein weiterer grosser Streitpunkt zwischen Berufsfischern und Sportfischern. Die Berufsfischer wollen den Phosphatgehalt im Bodensee erhöhen. «Es gibt klare Hinweise darauf, dass ein Zusammenhang zwischen der Phosphatmenge und der Fisch-Biomasse im See besteht», sagt Kistler. Falle der Phosphatwert unter zehn Mikrogramm pro Liter, gehe der Fischbestand in vielen Seen zurück. Heute liege der Wert im Bodensee etwa bei sechs Mikrogramm pro Liter. «Eine aktive Beeinflussung des Phosphatgehalts, so wie sich dies die Berufsfischer wünschen, ist jedoch mit vielen Unsicherheiten und Risiken verbunden, über deren Auswirkungen die Fachleute ganz unterschiedliche Ansichten vertreten», führt Kistler aus.

Leuch ist sich sicher, dass die Erhöhung des Phosphatgehalts helfen würde. Diesen Sommer habe der Rhein mit dem Hochwasser Phosphat angespült, das für die Planktonbildung wichtig ist. «Zwei Monate lang haben wir gut genährte Fische mit Mägen voller Plankton gefangen», so Leuch.

«Eine Erhöhung des Phosphatgehalts bringt nichts, es würden ja auch alle anderen Fische im See schneller wachsen», entgegnet Sportfischer Sanfilippo. Abgesehen davon wolle niemand die daraus resultierenden Algenteppiche. Die Argumentation der Berufsfischer mit den fetteren Fischen nach einem Hochwasser stimme nicht. «So schnell setzt die Wirkung nicht ein», sagt er. Die Fische seien beim Hochwasser nicht von Phosphat genährt worden, sondern von Mückenlarven, welche sie in der überschwemmten Ufergegend gefunden hätten.

Anträge an die Bevollmächtigtenkonferenz

Die Interessengemeinschaft der Sportfischer und ihr Organisator Alfredo Sanfilippo wollen mit den Berufsfischern eine für beide Seiten akzeptable Lösung finden. Sanfilippo versteht nicht, dass bei zurückgehenden Fangerträgen nur Massnahmen zu Ungunsten der Sportfischer beschlossen werden. «Unsere Forderungen müssten auch im Sinn der Berufsfischer sein», so Sanfilippo. Nur seien diese noch nicht zu dieser Einsicht gekommen.

Die IG Bodensee will mit dem Berufsfischereiverband das Gespräch suchen. «Es ist nicht zielführend, wenn wir diese Diskussion nur über die Medien und die Politik austragen», sagt Sanfilippo. Reto Leuch findet das gut, fügt aber an: «Diese Treffen sind in den vergangenen Jahren eingeschlafen. Wir wollten sie schon damals wiederbeleben.»

Auch mit der Jagd- und Fischereiverwaltung will die IG ins Gespräch kommen. Roman Kistler sitzt im Sachverständigenausschuss der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF). Also in jener Konferenz, welche die Fangkontingente festlegt. «Kistler ist nicht unbedingt ein Fischer, sondern eher ein Jäger. Wir wollen ihm aufzeigen, was die Sportfischer denken und was uns wichtig ist.» Um ihre Interessen durchzusetzen, reicht die IG Anträge an die Konferenz ein.

Kreuzlingen (Bild: PD)

Kreuzlingen (Bild: PD)

Reto Leuch Präsident Schweizerischer Berufsfischerverband (Bild: Nana do Carmo)

Reto Leuch Präsident Schweizerischer Berufsfischerverband (Bild: Nana do Carmo)