BODENSEE: Ein bisschen mehr Fisch

Die Berufsfischer haben 2016 rund 326 Tonnen Fisch aus dem Bodensee geholt. Das ist rund ein Viertel mehr als im Vorjahr. Es ist aber auch das zweitniedrigste Ergebnis seit 1936.

Patrick Baumann
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Die vergangenen Jahre waren schwierig für die Berufsfischer auf dem Bodensee. (Bild: Ralph Ribi)

Die vergangenen Jahre waren schwierig für die Berufsfischer auf dem Bodensee. (Bild: Ralph Ribi)

Patrick Baumann

patrick.baumann@tagblatt.ch

2015 war für die Fischer am Bodensee das schlechteste Jahr seit 100 Jahren. Im Vergleich zu diesem Katastrophenjahr scheint sich nun eine Besserung abzuzeichnen. Bei den wirtschaftlich bedeutenden Felchen und Barschen konnten 2016 Ertragssteigerungen verzeichnet werden – wenn auch auf sehr niedrigem Niveau. Bei den Hechten waren die Erträge im Vergleich zum langjährigen Mittel überdurchschnittlich. «Der Mehrertrag kam primär in den Sommermonaten zustande», sagt Michael Kugler vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen. «Im Juni haben aussergewöhnlich starke Regenfälle dazu geführt, dass mehr Sedimente und somit mehr Nährstoffe in den Bodensee transportiert wurden.» Dadurch sei die Zahl der Fische im Bodensee kurzzeitig merklich angestiegen. Bezüglich der Fangzahlen für Hechte relativiert Kugler und spricht von einer Ausweichaktion. «Die Zunahme beim Fang von Hechten ist auch ein Folge von intensiverer Befischung. Die Fischer versuchen so auf die seit Jahren tiefen Fangzahlen bei den Felchen und Barschen zu reagieren.» Die Fänge bei den gefährdeten Seeforellen, den Seesaiblingen und Zander sind gegenüber dem Vorjahr weiter zurückgegangen.

Ein Winzling, der Probleme macht

Kugler betont, dass man das Ergebnis nicht überinterpretieren sollte. Natürliche Schwankungen spielten eine grosse Rolle und die Fangerträge befänden sich noch immer auf historisch tiefem Niveau.

Dafür gebe es zwei Hauptgründe. «Vor einigen Jahren explodierte die Stichlingpopulation. Mittlerweile macht diese Fischart bereits 60 bis 70 Prozent des gesamten Fischbestandes im Bodensee aus», sagt Kugler. Das Problem sei, dass diese Fische mit den anderen Arten um Nahrung konkurrierten. «Ausserdem fressen sie als Jäger die Jungfische anderer Arten.» Das zweite Problem sei der Nährstoffgehalt im See. Dieser gehe seit Jahren zurück. «Der Rückgang ist auf Gewässerschutzmassnahmen zurückzuführen.»

Die Bodensee-Anrainer haben sich auf eine Reduktion der Berufsfischerpatente bis 2020 geeinigt. Diesbezüglich sei man in der Ostschweiz auf Kurs. In Österreich sei das Ziel gar schon erreicht. «Am schwierigsten wird die Realisierung wohl in Bayern», sagt Kugler.