Blutspendezentrum in St. Fiden in Bau

In unmittelbarer Nähe des Kantonsspitals St. Gallen entsteht bis Ende 2012 der 16-Millionen-Neubau für das regionale Blutspendezentrum der Rotkreuzstiftung. Nutzniesser ist auch das Spital, das hier seine Finanzabteilung einmietet.

Marcel Elsener
Merken
Drucken
Teilen
Im Neubau belegt das Blutspendezentrum drei von vier Vollgeschossen. (Bild: Büro Clerici Müller)

Im Neubau belegt das Blutspendezentrum drei von vier Vollgeschossen. (Bild: Büro Clerici Müller)

St. Gallen. Westlich die Kirche St. Fiden und die Hochhäuser des Kantonsspitals, östlich dominiert der Silberturm, und unmittelbar daneben rauscht der Verkehr seit 1987 von und zur Autobahn – auf der sogenannten Querspange, von der Niklaus Meienberg schrieb, sie habe sein Jugendquartier verschandelt. Kein speziell schöner, aber ein spannender Ort. Und wenigstens den St. Gallern ist der Platz östlich des traditionsreichen Restaurants Hirschen wohl bekannt – als Quartierparkplatz.

Vom Bier zum Blut

Doch nun ist der Parkplatz aufgerissen und sind die Bäume gefällt worden: Es laufen die Arbeiten für den Neubau des regionalen Blutspendezentrums, der von der HRS Real Estate bis Ende 2012 realisiert wird. Nun floss hier, wie gestern am Spatenstich zu erfahren war, vor dem Blut einst ein ganz anderer Saft – Bier. Tatsächlich waren von 1880 bis 1926 an der Rorschacher Strasse Münchner- und Pilsner-Biere gebraut worden. Und so erstand die HRS das Grundstück 2009 von der Brauerei Schützengarten, die das Areal ihrerseits von der Brauerei-Gesellschaft Hirschen übernommen hatte. Für die von der Stadt verlangte Arealentwicklung kam sodann ein zweiter überraschender Grundeigentümer ins Spiel, wie der neue HRS-CEO Martin Kull sagte: der regionale Metzgermeisterverband, der seinen Sitz im prägnanten Gebäude Rorschacherstrasse 109a hat.

Aufgrund des von HRS und Metzgerverband ausgeschriebenen Studienauftrags erhielt das St. Galler Architekturbüro Clerici Müller den Zuschlag. Sein Neubau fürs Blutspendezentrum – die erste Bauetappe auf dem Areal – ist ein nahezu quadratischer Massivbau mit einem Volumen von rund 20 000 Quadratmetern. Das Blutspendezentrum mit seinen 50 Mitarbeitern nutzt das Erd- sowie die beiden ersten Obergeschosse, das dritte sowie das Attikageschoss wird ans Kantonsspital vermietet, das in diesen Räumen sein Finanzdepartement unterbringt; dazu kommt eine Tiefgarage mit 34 Autoplätzen (nebst 11 oberirdischen). Die Baukosten belaufen sich auf 16 Millionen Franken, zuzüglich Grundstückskosten von 2,5 Millionen. Ein Kraftakt, den die Rotkreuzstiftung als «komplett private» Bauherrin aber zu leisten vermöge, wie Stiftungsratspräsident Luzius Schmid betonte. Warum aber braucht ein Blutspendezentrum, das sich der Laie auch in einer Zivilschutzanlage vorstellen mag, gleich einen Neubau?

Gesamte Transfusionsmedizin

Im Blutspendewesen gehe es längst nicht mehr nur um «Blut abzapfen», erklärt der Hämologe und Onkologe. Vielmehr habe sich das Zentrum längst zu einem hoch technisierten Betrieb gewandelt, der das gesamte Leistungsspektrum der Transfusionsmedizin abdecke. Und so werden nebst Spendern auch Patienten betreut – bis hin zu Krebskranken, für die im Bedarfsfall Blutstammzellen-Entnahmen möglich sind.

Im Haus 09 des Kantonsspitals, wo das Zentrum eingemietet ist, litten laut Schmid «beide Partner unter Platznot». Also bemühte sich das Rote Kreuz um eine eigene Bleibe – «innert Rohrpostverbindung» zum Spital. Und da kam das Bauvorhaben der HRS beim Hirschen «gerade recht».