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Blocher reagiert gelassen auf Juso-Demo in Arbon: «Lasst sie doch machen»

Alt Bundesrat Christoph Blocher wird in Arbon von Selfiejägern umringt – und kurzzeitig auch von Demonstranten.
Silvan Meile
800 Besucher verfolgten in Arbon die Rede von alt Bundesrat Christoph Blocher. (Bild: Reto Martin)

800 Besucher verfolgten in Arbon die Rede von alt Bundesrat Christoph Blocher. (Bild: Reto Martin)

«Lumpenpack!» Mit Wut im Gesicht erhebt sich ein Festbesucher von der hölzernen Bank und stürmt in Richtung Rednerpult. Hektik kommt auf. Auf der Bühne steht alt Bundesrat Christoph Blocher. Er steckt noch in den ersten Sätzen seiner Rede. Thematisch ist er noch nicht über den Bundesbrief von 1291 hinaus, da taucht vor ihm eine Handvoll junger Störenfriede auf. Zur Juso und den Jungen Grünen bekennen sie sich. Leise enthüllten sie vor Blocher ein Transparent: «Dankbar Schweizer*in zu sein, aber nicht stolz.» Doch lange bleibt das nicht lesbar. Sofort ist das «Lumpenpack» von herangeeilten Männern umringt und wird unzimperlich vom Bühnenbereich weggedrängt.

Den alt Bundesrat brachte die Aktion nicht aus dem Konzept. Im Gegenteil: «Lasst sie doch machen», sagt er und fährt unbeirrt mit seiner Rede fort. Und sofort ist die ganze Aufmerksamkeit des Publikums wieder beim SVP-Übervater. Mit seiner Rhetorik versteht er es noch immer, die Massen in seinen Bann zu ziehen. Das hat er an der 1.-August-Feier am Mittwochabend in Arbon einmal mehr bewiesen.

Blocher lächelt geduldig in die Kameras

Christoph Blocher mahnt, dass die Schweiz ein kleines, eigenständiges Gebilde bleiben müsse. Selbstbestimmung statt fremde Richter. Wenn er den Blick von seinem Rednerpult über den See schweifen lässt, sieht er, wohin es auf keinen Fall gehen soll: EU-Land. Blocher spricht frei, hat nur einige handgeschriebene Notizzettel. Er zitiert Niklaus von der Flüe und Gottfried Keller. Mal stützen ihn beide Hände am Rednerpult, mal schnellen sie gleichzeitig in die Höhe, während die Stimme lauter wird. Das Publikum verharrt eine halbe Stunde in gespannter Stille. Ab und zu kann es aber nicht mehr ruhig bleiben und applaudiert. Einzelne verkünden ihre Zustimmung mit Bravo-Rufen. Mal sehen sie am Rednerpult einen ernsten Blocher, mal einen nachdenklichen, mal einen mit schelmischem Lächeln. «Alt Bundesrat Christoph Blocher in Bestform», bilanziert später selbst Arbons CVP-Stadtpräsident Dominik Diezi auf Facebook.

Vor Blochers Auftritt zeichnete sich ein Besucheransturm ab. Festchef und SVP-Ortsparteipräsident Koni Brühwiler liess im Arboner Seepark nach acht Uhr noch alle verfügbaren Festbänke aufstellen. Für 800 Personen war schliesslich gestuhlt. Einige Besucher fanden dennoch keinen Sitzplatz mehr.

Die andere Meinung ganz am Rande

Wie populär Christoph Blocher noch immer ist, verdeutlicht das Ende der Feier. Der Zürcher wird von Besuchern umringt. Alle wollen ein Foto mit ihm – und ein paar Wort wechseln. «Ja, ja, Tele Blocher, jetzt sind es schon mehr als 600 Sendungen.» Der 78-Jährige wird mit Lob und Dank überschüttet. Geduldig, sogar lässig, lässt sich Blocher von allen Seiten umarmen. Er lächelt in die Handykameras. Der Milliardär scherzt, bietet das Du an und isst eine Bratwurst mit Bürli.

Im Februar habe Blocher seinen Auftritt in Arbon zugesagt, erklärt Brühwiler. Die SVP-Ortspartei hat damit jene Arboner düpiert, die im Jahr zuvor erstmals aus dem Nationalfeiertag ein Familienfest ohne politische Reden machten und extra einen Verein dafür gründeten. Die diesjährige Feier lockte weniger Familien an, als SVP-Sympathisanten aus der Ferne. Prompt erklärt ein Besucher seinem Sitznachbarn, er sei aus Oberwil-Lieli angereist.

Nur Stadtpräsident Dominik Diezi machte in seiner Rede eine Anspielung auf die Unstimmigkeiten im Vorfeld des Anlasses und sprach von einer «Zangengeburt». Er appellierte an die Meinungsfreiheit. «Echte Meinungsäusserungsfreiheit nimmt uns persönlich auch in die Pflicht, dem anderen zuzuhören und uns mit seinen Argumenten auseinanderzusetzen.»

Dass es auch andere Meinungen gibt, wollten die Jungpolitiker mit ihrem Protest verdeutlichen. Im äussersten linken Sichtfeld Blochers waren sie schliesslich mit ihrem Transparent geduldet – zwischen Technikwagen und Feuerwehrauto.

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