Blitzerkasten sorgt für Ärger

Achtung, Radar: Bei der Autobahnausfahrt Meggenhus, Fahrtrichtung Rorschach/Arbon, steht ein fixer Radar. Und zwar auf abschüssiger Strecke. Christian Aldrey, Chef der St. Galler Verkehrspolizei, wehrt sich gegen Kritik.

Daniel Walt
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Radar auf abschüssiger Fahrbahn: Eine Tafel warnt vor dem Blitzer hinter der Kurve bei Meggenhus. (Bild: Kapo SG)

Radar auf abschüssiger Fahrbahn: Eine Tafel warnt vor dem Blitzer hinter der Kurve bei Meggenhus. (Bild: Kapo SG)

Abzockerei in Reinkultur, Wegelagerei: Das ist der Tenor in Online-Kommentaren zum Meggenhus-Radar, der vorletzte Woche fest installiert wurde. Wer auf der Autobahn von St. Gallen her kommend in Richtung Rorschach/Arbon abbiegt, läuft in der Kurve bei der Ausfahrt Gefahr, geblitzt zu werden. «Es geht bergab, die meisten lassen mit 80 bis 90 Kilometern pro Stunde ausrollen. Der finanzielle Erfolg ist somit gesichert», schreibt ein Kommentator auf Tagblatt Online. Ein weiterer ist überzeugt, dass es den «Verkehrs-Diktatoren» zu langweilig sei. Viele ziehen zudem die Begründung in Zweifel, man wolle mit dieser Radaranlage einen Unfallschwerpunkt entschärfen. Ein Kommentator fragt: «Wann hat jemand hier letztmals einen Unfall beobachtet? Ein Jahr zurück – oder waren es zwei?»

Im Schnitt zehn Unfälle pro Jahr

Christian Aldrey ist Chef der Verkehrspolizei des Kantons St. Gallen. Er weiss genau, wann es im fraglichen Bereich zum letzten Mal gekracht hat: «Am 26. März um fünf Uhr morgens gab es den bisher letzten Unfall.» Zehn pro Jahr waren es im Schnitt seit 2008 – fast alles Schleuder- und Selbstunfälle, und zwar vor allem im Herbst und Winter. «Das ist für diese kurze Strecke eine Häufung.» Der Sachschaden, der in den vergangenen fünfeinhalb Jahren bei den 48 Unfällen in Meggenhus entstand: 470 000 Franken. «Wir beschlossen, zu handeln. Wir wollen uns nicht dem Vorwurf aussetzen, zuzuwarten, bis es Verletzte oder Tote gibt.»

«Tückische Kurve»

Hat die Polizei einen Unfallschwerpunkt eruiert, geht sie nach einem fixen Raster vor. «Wir prüfen zunächst die Griffigkeit des Belags und die Ausleuchtung», sagt Christian Aldrey. In Meggenhus seien nicht diese Punkte, sondern der Radius der Kurve beziehungsweise das zu schnelle Fahren als Ursachen für die Unfälle ausgemacht worden. «Die Kurve ist tückisch. Hat es zudem etwas Strassensplit oder Rauhreif, führt übersetztes Tempo rasch zu einem Unfall.» Der Entscheid, auf einen fixen Radar zu setzen, wurde mit dem Bundesamt für Strassen gefällt – wie auch jener, per Tafel auf den Radar hinzuweisen. Zeugt die Warnung vor dem Radar vom schlechten Gewissen, auf abschüssiger Strecke zu blitzen? «Nein. Wir wollen keine Falle stellen und viele Bussen kassieren, sondern das Tempo reduzieren», sagt Aldrey.

Gegen sechs Millionen

Als Chef der Verkehrspolizei kann es Christian Aldrey niemandem recht machen. «Direkt kontaktieren uns vor allem junge Eltern sowie Gemeinde- und Schulvertreter, die melden, wo massiv gerast wird. Jene hingegen, die sich über Radarkästen ärgern, machen eher die Faust im Sack», sagt er. Im Kanton sind rund zehn fixe Anlagen in Betrieb. Zudem stehen drei mobile Anlagen im Einsatz. Alle Radarkästen sorgen laut Aldrey für etwa die Hälfte der jährlichen Busseneinnahmen von etwa 11,5 Millionen Franken.

Bei mobilen Kontrollen werden laut Christian Aldrey zwischen zwei und drei Prozent der Vorbeifahrenden geblitzt. Bei fixen Anlagen 0,4 bis 0,5 Prozent. Auch bei Meggenhus dürfte laut Aldrey rasch ein Gewöhnungseffekt einsetzen. «Dann hätten wir unser Ziel erreicht, das Tempo herunter zu bringen.» Befürchtungen, durch brüskes Abbremsen vor dem Radar könnten Auffahrunfälle provoziert werden, nimmt Aldrey ernst – genauso wie den Einwand, dann werde halt unmittelbar nach dem Radar wieder aufs Gaspedal gedrückt. «Alles können wir nicht verhindern. Und falls es Probleme geben sollte oder der Kasten nichts bringt, kommt er wieder weg.»