Der erste Monat nach der Mautaufhebung im Vorarlberg: Hat der Verkehr zugenommen?

Seit gut einem Monat müssen Autofahrer auf einem Abschnitt der A14 im Vorarlberg keine Mautgebühr bezahlen: Wer zwischen Hörbranz und Hohenems durch die Rheinebene fährt, tut das kostenlos. Doch Ruhe ist indes keine in Sicht.

Adrian Lemmenmeier
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Bild: Ralph Ribi

Eigentlich soll die Region Bregenz von Schleichverkehr entlastet werden. Nicht durch Wohnquartiere sollen die Autos zwischen Österreich und der Schweiz rollen, sondern über die Autobahn. Des einen Glück, des andern Leid: Während Bregenz die auf Bundesebene beschlossene Massnahme bejubelte, gingen einige Gemeinden weiter südlich auf die Barrikaden. Ihre Befürchtung: Der Verkehr werde zu ihnen umgeleitet. Hohenems, Lustenau und Altach – unterstützt von den St.Galler Gemeinden Diepoldsau und Oberriet – wollen die Mautaufhebung nicht hinnehmen. Sie kündigten an, am österreichischen Verfassungsgerichtshof und am Europäischen Gerichtshof zu klagen. Gleichzeitig rechnete man mit spontanen Protesten aus der Bevölkerung.

Dazu ist es freilich nicht gekommen. Am Tag nach der Mautaufhebung war zwischen dem österreichischen Lustenau und dem st.-gallischen Diepoldsau denn auch kaum Mehrverkehr auszumachen. Waren also alle Unkenrufe unbegründet?

Welle der Solidarität auf Facebook

Während sich die Aufregung auf der Schweizer Seite des Rheins spätestens nach den Festtagen gelegt hatte, ging die Debatte im Ländle munter weiter. Öffentlichkeitswirksam forderte der Hohenemser Bürgermeister Dieter Egger (FPÖ) den Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) auf Facebook dazu auf, die Mautaufhebung zurückzunehmen. Diese sei unverantwortlich; das habe der Stau der letzten Tage in Hohenems, Lustenau und Diepoldsau gezeigt. Eggers Eintrag wurde 307 Mal geteilt und mit dutzenden zustimmenden Kommentaren versehen.

Wenig überraschend beurteilte der Vorarlberger Landeshauptmann die Lage nicht so dramatisch. Die Tage am Ende der Weihnachtsferien seien nicht repräsentativ für das Verkehrsaufkommen. Ohne verlässliche Zahlen könne man die Situation nicht objektiv beurteilen.

Keine Ruhe in Sicht

Solche Zahlen werden derzeit erhoben. Evaluiert werden soll im Februar 2021. So lange wollen die Gemeinden am Rhein allerdings nicht warten. «Die Vignettenbefreiung muss weg», sagte der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer (ÖVP) gegenüber den «Vorarlberger Nachrichten». «Ohne dass noch lange evaluiert wird.»

Die Lautstärke der Debatte bringen Vorarlberger Journalisten mit den Kommunalwahlen im Frühling in Verbindung. Fischer und Egger kündigten hingegen mehrfach an, sie würden sich auch nach den Wahlen wehren. «Man soll nicht glauben, dass wir bald Ruhe geben.»

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