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Kolumne

Blick über die Grenze: In Liechtenstein haben sie keine Lust mehr

Eine Fahrt über die Grenze nach Vaduz, wo der Liechtensteiner Landtag Regierungsrätin Aurelia Frick das Misstrauen ausgesprochen hat. Was sagt die Bevölkerung eine Woche danach zu diesem Entscheid? Viele wollen gar nichts dazu sagen. Sie haben genug von dem Thema.
Katharina Brenner
Regenwolken über dem Landtagsgebäude in Vaduz. (Bild: Alamy)

Regenwolken über dem Landtagsgebäude in Vaduz. (Bild: Alamy)

Wie Aurelia mit Geld umgehe, da stimme etwas nicht, sagt die Frau, Mitte 30, in der Nähe des Landtagsgebäudes in Vaduz. Irgendetwas sei da auch gewesen. Sie weiss zwar nicht was, aber ihr verächtlicher Tonfall lässt keinen Zweifel daran: Die Frau ist überzeugt, dass Aurelia Frick, langjährige Aussen-, Justiz- und Kulturministerin von Liechtenstein, ihren Job nicht korrekt gemacht hat. Das sehen auch 21 von 23 Landräten so. Sie haben Frick vergangene Woche das Misstrauen ausgesprochen.

Die Regierungsrätin hatte ihr Budget für Öffentlichkeitsarbeit und Reisen deutlich überschritten und erst spät Transparenz geschaffen. Strafrechtlich hat sie sich nichts zu Schulden kommen lassen. «Abserviert» und «Auf die Frau gespielt» titelte der «Tagesanzeiger». Es sind emotionale Wochen im Ländle. Von den nicht einmal 40000 Einwohnern haben aber offensichtlich nicht alle vom Ende der Ära Frick gehört. In der «World of Watches» in Vaduz vergeht die Zeit auf den Rolex-Uhren nicht schneller oder langsamer als zuvor.

Im Städtle sind vor allem Touristen unterwegs

Wer durchs Städtle, eine Fussgängerzone mit dem Charme einer deutschen Eisdiele aus den 1990er Jahren, geht, hört Chinesisch, Französisch, Italienisch, Tschechisch und Dänisch. Die Touristen fotografieren das schmucke Schloss oben auf dem Berg und das Hohe Haus, das diesen Namen auch rein architektonisch schon verdient. Was hier vor einer Woche passiert ist, können viele Liechtensteiner nicht mehr hören. «Keine Lust» und «es ist jetzt auch mal genug», sagen Passanten, wenn man sie auf Aurelia Frick anspricht.

Ein älterer Mann, der auf einen Stock gestützt geht, nennt den Umgang mit der Regierungsrätin eine Frechheit. Eine Kampagne sei das gewesen. Eine Frau, die in der einen Hand ein kleines Trottinett hält und an der anderen Hand das Kind dazu, bedauert den Entscheid. Sie sei im kulturellen Bereich tätig und Aurelia eine Kulturministerin mit ganzer Seele.

Vertrauen müsse wieder hergestellt werden

Vor dem Kunstmuseum sitzen auf einer Bank drei Frauen. Eine von ihnen findet es gut, dass Frick geht. Dass die Regierungsrätin viel Geld ausgegeben habe, sei gar nicht so schlimm. «Dass sie nicht bei C&A einkauft, verstehe ich ja.» Aber das Vertrauen in die Politik müsse jetzt wieder hergestellt werden. Ihre Nebensitzerin auf der Bank, eine Frau von der Schweizer Seite des Rheintals, sagt, Aurelia tue ihr leid. Die Dritte, ebenfalls Ostschweizerin, sagt, sie wisse von all dem nichts. Sie hoffe einfach, dass alles gut kommt.

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