Blick durchs Föhn-Fenster

Der Föhn bescherte der Ostschweiz ein Wochenende mit Temperaturen um die 20 Grad. In Quinten am Walensee war am Samstag sogar wieder Sommer: Es wurde 25,5 Grad warm.

Roger Berhalter
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Von der Hohen Buche aus zeigte sich am Samstag die Säntis- und Alpenkulisse in düsterem Licht, vom Hohen Kasten bis zum Speer. (Bild: Hans Aeschlimann)

Von der Hohen Buche aus zeigte sich am Samstag die Säntis- und Alpenkulisse in düsterem Licht, vom Hohen Kasten bis zum Speer. (Bild: Hans Aeschlimann)

Am Walensee konnte man am Samstag im T-Shirt spazieren. Schon am Mittag verzeichnete eine Messstation von Meteo Centrale Temperaturen um die 23 Grad. Danach stieg das Thermometer weiter, und gegen 15 Uhr wurde in Quinten der Höchstwert erreicht: 25,5 Grad. Meteorologisch gesprochen war der Samstag in Quinten ein Sommertag. «Das klingt vielleicht extrem, ist aber nicht sehr aussergewöhnlich», sagt Niko Renkosik von Meteo Centrale. Solche Temperaturen könnten bei Föhnlagen auch im November noch vorkommen. Selbst in der Nacht auf Sonntag blieb es in Quinten relativ warm; das Thermometer sank gemäss Renkosik nie unter 13,8 Grad.

143 Stundenkilometer

Viele nutzen die hohen Temperaturen für einen Wochenendausflug. Am Gübsensee in St. Gallen zum Beispiel herrschte gestern Betrieb fast wie im Hochsommer. Und auf der Diepoldsauer Rheinbrücke zückten nicht wenige die Kamera, um die Föhnstimmung über dem Wasser zu fotografieren.

Auch in der übrigen Schweiz kletterte das Thermometer am Wochenende auf über 20 Grad, wie die Nachrichtenagentur sda meldet. So wurden in Glarus 24,1 Grad gemessen, so viel wie zuletzt 1958 an einem Novembertag. Im Kanton Uri wurde es über 23 Grad warm. Dazu kam starker Wind. Der Spitzenwert von 143 Kilometern pro Stunde wurde gemäss SF Meteo auf dem Titlis gemessen, fast ebenso heftig fegte der Föhn über den Gotthard. Aber auch in den Tälern wurden Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern gemessen.

Während nördlich der Alpen vor allem die Sonne schien, bekam die Alpensüdseite die nasse Seite des Föhns ab. Im Tessin regnete es ab Mittwochabend fast ununterbrochen, doch blieben die befürchteten Überschwemmungen und Erdrutsche aus. Gestern sanken die Pegelstände bereits wieder, und das Bundesamt für Umwelt gab Entwarnung.

Dichtere Wolkenfelder

Gestern zog sich der Föhn von den Alpentälern in die Berge zurück. Für heute Montag sagt Meteo Schweiz tiefere Temperaturen, «ausgedehnte dichtere Wolkenfelder» sowie «nur wenig Sonne» voraus. Auch in Quinten dürfte der Sommer nun definitiv vorbei sein.