Blasenstechen nur bei Leermond

… arbeiten naturnahe Bauern und Hobbygärtner bis heute nach dem Mondkalender. Ob Stangenbohnen und Kartoffeln bei obsigendem oder nidsigendem Mond gesteckt werden, ist ein himmelweiter Unterschied. Spätestens dann, wenn es ans Ernten geht. Der Mondkalender hilft aber auch sonst im Leben.

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… arbeiten naturnahe Bauern und Hobbygärtner bis heute nach dem Mondkalender. Ob Stangenbohnen und Kartoffeln bei obsigendem oder nidsigendem Mond gesteckt werden, ist ein himmelweiter Unterschied. Spätestens dann, wenn es ans Ernten geht. Der Mondkalender hilft aber auch sonst im Leben. Es gibt Tage, an denen weder Zehennägel noch Haare geschnitten werden sollten. Weil's nicht gut kommt.

Wer zum Fensterputzen den falschen Tag erwischt, kann reiben, wie er will – statt Durchblick bleibt ein Geschmier. Es soll sogar Leute geben, die sich nach dem Mondkalender waschen. Oder eben nicht.

In grossen Teilen der Bevölkerung ist allerdings vergessen gegangen, dass es den Mondkalender überhaupt gibt. Der Innerrhoder Künstler Christian Meier bedauert das. Darum hat er auf der «Freiheit» im Alpstein einen dreimetrigen Mond installiert. Tagsüber soll er die Wanderer daran erinnern, dass Blasen nur bei Neumond aufgestochen und verschwitzte Socken nie bei Vollmond gewechselt werden dürfen. Nachts leuchtet der Mond von der «Freiheit» weit ins Land und ärgert jene, die auf unseren Gipfeln lieber tibetische Gebetsfahnen oder beleuchtete Kreuze sähen.

Die Innerrhoder wurden vom Erfolg des Mondes überrumpelt. Weil auf dem Gipfel gefährliches Gedränge und im Tal Menschenaufläufe befürchtet werden, muss die Skulptur demnächst wieder abgebrochen werden. Der Künstler ist aber bereit, sie anderswo zu montieren. Mehrere Standorte sind im Gespräch. Der naheliegendste dürfte allerdings nicht zum Zuge kommen. Auf Toni Brunners Haus der Freiheit ob Ebnat-Kappel, heisst es über die Parteigrenzen hinweg, passe der Halbmond nicht so recht. (lü)