ZIHLSCHLACHT
Wohnheim Sonnenrain erlebt Freude und Wehmut am selben Tag

Am Sommerfest des Wohnheims Sonnenrain standen die Theaterkünstler Olli Hauenstein und Eric Gadient mit dem Programm «Clown-Syndrom» am Samstag zum letzten Mal auf der Bühne.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Am Sommerfest des Wohnheims Sonnenrain unterhalten Olli Hauenstein und Eric Gadient das Publikum mit dem Programm «Clown-Syndrom».

Am Sommerfest des Wohnheims Sonnenrain unterhalten Olli Hauenstein und Eric Gadient das Publikum mit dem Programm «Clown-Syndrom».

Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer (Zihlschlacht, 3. Juli 2022)

Fröhliche Stimmung herrschte beim Sommerfest des Wohnheims Sonnenrain in Zihlschlacht. Ein buntes und abwechslungsreiches Programm wurde den Bewohnerinnen und Bewohnern, deren Angehörigen und den Gästen in der Zihlschlachter Mehrzweckhalle geboten.

Bei all der guten Stimmung schwang aber auch ein bisschen Wehmut mit, denn eine Ära ging zu Ende. Die beiden Theaterkünstler Olli Hauenstein und Eric Gadient haben ihren Rücktritt bekanntgegeben. Sie standen am vergangenen Samstag mit «Clown-Syndrom» zum allerletzten Mal auf der Bühne.

Hartnäckigkeit und Durchhaltewillen waren nötig

Regierungsrat Urs Martin sagte in seiner Eröffnungsrede, dass die Thurgauer Regierung viel Wert darauf lege, Mitmenschen mit Beeinträchtigung zu unterstützen. «37 Institutionen stehen in unserem Kanton für erwachsene Menschen mit einer Beeinträchtigung zur Auswahl. Ich gratuliere allen Betroffenen, wie sie ihre Situation meistern und trotz allem positiv durch das Leben gehen. Und ich danke all jenen, die diese Leute unterstützen, sei es privat wie auch beruflich. Nur so kann unsere Gesellschaft funktionieren.»

Grussworte und Glückwünsche überbrachten auch Christian Hinterberger, Gemeindepräsident von Zihlschlacht-Sitterdorf, sowie Marie-Kathrin Saladin-Echle, Stiftungsratspräsidentin. Der Therapiegarten sei eine grandiose Idee gewesen, sagte Hinterberger. Das Wohnheim sei wie eine kleine Pflanze, die gehegt und gepflegt werden musste, bis sie zu einem stattlichen Baum herangewachsen sei. Dazu habe es Hartnäckigkeit und Durchhaltewillen gebraucht.

Institutionsleiter Marcel Jenni sagte, dass die vergangenen zwei Jahre surreal gewesen seien:

«Wir haben die Herausforderungen
im Zusammenhang mit der Coronapandemie aber sehr gut gemeistert.»

Der Institutionsleiter bedankte sich bei allen, die zum Wohlbefinden beigetragen haben.

Programm stellte eine Herausforderung dar

In über 160 Aufführungen wurden sie mit grosser Begeisterung gefeiert – Olli Hauenstein und Eric Gadient. Am Sommerfest des Wohnheims Sonnenrain hatten sie mit dem Theaterstück «Clown-Syndrom» ihren letzten Bühnenauftritt. Ab 2014 probten die beiden zwei Jahre lang intensiv für dieses erste gemeinsame, professionelle Theaterstück. Premiere war dann im September 2016.

Mit «Clown-Syndrom» standen zwei Theaterkünstler auf der Bühne, die sich von Natur aus unterscheiden. Eric Gadient ist ein Schauspieler mit Downsyndrom – beide gemeinsam ergeben das «Clown-Syndrom». Stefan Ribler, Co-Leiter der Institution Betula, bedankte sich bei Olli Hauenstein und Eric Gadient sowie dem ganzen Team «Clown-Syndrom» für ihr grosses Engagement.

Es sei eine Herausforderung gewesen, ein solches Programm aufzustellen und auch eine Plattform zu finden, um es aufzuführen. «Auf all euren Tourneen habt ihr stets Zuversicht und Hoffnung verbreitet», sagte Stefan Ribler. Das zahlreiche Publikum bedankte sich mit einem lang anhalten Applaus. Für musikalische Umrahmung des Anlasses sorgten die Band Lemonpeel mit satten Grooves sowie die Mitglieder der Wohnheimband «Wheelchairs».

25 Jahre Wohnheim Sonnenrain

Das Wohnheim Sonnenrain in Zihlschlacht konnte im Jahre 1997 seinen Betrieb aufnehmen – mit vier Bewohnenden sowie 20 Mitarbeitenden. Im Wohnheim leben beeinträchtigte Erwachsene mit neurologischer Schädigung. Heute sind es 50 Bewohnerinnen und Bewohner, die von rund 110 Mitarbeitenden betreut werden. Die sinn- und wertvolle Beschäftigung bildet für viele der dort lebenden Menschen einen wichtigen Tagesschwerpunkt. Dabei sollen die Freude am Tätigsein gefördert, vorhandene Fähigkeiten erhalten und, wo möglich, ausgebaut werden. (yal)