Bis zu 30 Wölfe in Graubünden: Das Raubtier breitet sich weiter in der Ostschweiz aus

Im Appenzellerland, im Kanton St.Gallen und im Kanton Graubünden nimmt die Anzahl an Wölfen Jahr für Jahr zu. Sie produzieren fleissig Nachwuchs. Wichtig dabei ist, dass die Tiere in ihrem Siedlungsgebiet bleiben und ihre Menschenscheue nicht verlieren.

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Ein Wolf an einer Salzlecke im Gebiet Dachegg, Nesslau.

Ein Wolf an einer Salzlecke im Gebiet Dachegg, Nesslau.

Bild: pd

(rms/sda) Der Wolf ist weiter auf dem Vormarsch. Auch in der Ostschweiz. Im Appenzellerland, im Kanton St. Gallen und im Kanton Graubünden wird die Situation genau beobachtet. Die zuständigen Ämter müssen sicherstellen, dass die Zahlen überschaubar bleiben und die Tiere nicht dort siedeln, wo viele Menschen leben. In der Schweiz kann aktuell von neun Rudelbildungen ausgegangen werden. Zwei Rudel halten sich auf im Wallis, eines durchstreift den Waadtländer Jura. Vermutet wird, dass aktuell rund 80 Wölfe in der Schweiz leben.

Kanton Appenzell Innerrhoden

Zunehmende Wolfbestände im Alpenraum sorgen dafür, dass Wölfe auch bis in den Kanton Appenzell Innerrhoden vordringen. Dies teilt die Kantonale Jagd- und Fischereiverwaltung Innerrhoden am Freitag in einer Meldung mit. Insbesondere seit 2012, als sich im Gebiet des Calanda ein erstes Rudel bildete, welches dann regelmässig für Nachkommen sorgte, habe die Dynamik der Wolfspopulation an Fahrt aufgenommen.

Weiter schreibt die Verwaltung:

«In Anbetracht der Fortpflanzungsbiologie und der vorzüglichen Lebensraumbedingungen steht fest, dass sich diese Entwicklung gerade in einer exponentiellen Wachstumsphase befindet.»

Die Wölfe, die sich seit mindestens einem Monat im Gebiet Potersalp-Schwägalp kantonsübergreifend aufhielten, würden exemplarisch aufzeigen, dass die Anwesenheit des Wolfs Realität sei.

Besonders betroffen von der Wolfspräsenz sind Halter von Kleinvieh, die sich mit Fragen des Herdenschutzes auseinandersetzen müssen. Im Alpsommer 2020 wurden bisher auf der Potersalp vier Geissen gerissen und vier weitere verletzt.

Kanton Appenzell Ausserrhoden

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden steigt die Anzahl an Wölfen ebenfalls – «allerdings periodisch», sagt Heinz Nigg, Leiter des Amts für Raum und Wald. Das sei zu erwarten. Einen Grund, einzugreifen, sieht der Jagdverwalter und Oberförster vorerst nicht. «Der Wolf gehört zur heimischen Fauna und ist ein Wildtier mit einer natürlichen Scheu vor dem Menschen», sagt er. Als intelligentes und lernfähiges Tier verstehe er es hervorragend, sich in der vielseitig genutzten Kulturlandschaft zu bewegen.

Während der rund 130-jährigen Abwesenheit des Wolfs habe aber die Gesellschaft verlernt, mit ihm umzugehen. Nigg sagt:

«Ein erfolgreiches Zusammenleben ist möglich und setzt voraus, dass in gewissen Bereichen des Alltags Anpassungen vorgenommen werden. Für die davon betroffenen Nutztierhalter wird dies nicht immer einfach werden.»

Wichtig sei auf lange Sicht, dass der Wolf ein Wildtier bleibe und seine Menschenscheue nicht verliere.

Kanton St. Gallen

Im Kanton St. Gallen werden regelmässig Wölfe beobachtet – «insbesondere im südlichen Sarganserland», sagt Arno Puorger vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Kürzlich sei auch ein einzelnes Tier im Toggenburg gesichtet worden. Eine genaue Einschätzung der Anzahl sei allerdings schwierig, da Wölfe alleine Anhand von Sichtbeobachtungen oder Bildern nicht individuell identifiziert werden könnten und sie sich über die Kantonsgrenzen hinaus bewegen würden.

«Aufgrund der schweizweit ansteigenden Wolfspopulation ist davon auszugehen, dass dieser Trend anhalten wird und sich der Wolf auch im Kanton St. Gallen weiter ausbreitet»

Grundsätzlich würde dies aber keine Gefahr darstellen – der Wolf gehöre zur einheimischen Artenvielfalt. Und wenn ein Wolf ausserhalb des bekannten Wolfgebietes neu auftrete, informiere der Kanton per SMS umgehend die Nutztierhalter in der Region.

Kanton Graubünden

Auch in Graubünden bereiten sich die Wölfe aus. Wie das Kantonale Amt für Jagd und Fischerei am Freitag meldet, gibt es auf seinem Kantonsgebiet ein neues Wolfsrudel. Es erhielt den Namen Stagias-Rudel. Das Revier der Wolfsgemeinschaft umfasst das Gebiet Sursassiala (die Gemeindegebiete von Tujetsch, Disentis/Muster und Medel).

Ein Jungwolf des Stagias-Rudels.

Ein Jungwolf des Stagias-Rudels.

Bild: pd

Schon länger habe man vermutet, dass sich dort ein neues Rudel bilde, heisst es in der Mitteilung. Nun habe sich diese Vermutung durch eine Beobachtung bei Sedrun bestätigt und es seien drei Jungtiere gezählt worden. Mit dem neuen Stagias-Rudel sind mittlerweile sechs Rudel auf dem Bündner Kantonsgebiet unterwegs. Auch bei diesen Rudeln seien Jungtiere gesichtet worden. Wie viele es insgesamt sind, könne nicht abschliessend gesagt werden. Bei einem Rudel könnten es gar mehr als fünf Jungtiere sein.

Insgesamt sind 2019 17 Jungwölfe in Graubünden zur Welt gekommen. Im «Jahresbericht Wolf 2019» schreibt das Bündner Amt für Jagd und Fischerei von 25 bis 30 Wölfen, die im Kanton unterwegs seien.

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