Birnbrot für den Winter

Drucken
Teilen
«Man war früher schneller zufrieden»: Jakob Ritz im Geserhus Rebstein. (Bild: Claudio Heller)

«Man war früher schneller zufrieden»: Jakob Ritz im Geserhus Rebstein. (Bild: Claudio Heller)

Einen Augenblick lang zögert Jakob Ritz. «Ich habe halt noch die Werkhose an», sagt er, als er sich für den Fotografen neben den Christbaum setzen soll, der im Altersheim Geserhus in Rebstein schon bereitsteht. Aber das passt schon mit den Hosen, der 84-Jährige kommt gerade vom Werken. Das lässt er sich nicht nehmen, er geht auch regelmässig spazieren. «Das Nichtstun und Dahocken macht mich eher müde», sagt er.

Jakob Ritz ist in einer Bauernfamilie mit zwei älteren Schwestern in Balgach aufgewachsen. Da gab es nicht viel Freizeit, und auch die Weihnacht wurde ohne den Aufwand von heute gefeiert. Am Heiligen Abend sass die Familie beisammen, man ass ein Rollschinkli und Kartoffelsalat, zündete die Kerzen am Christbaum an, sang Weihnachtslieder. Als Kind bekam man Spielzeug geschenkt, etwa eine Holzeisenbahn, später gab es Dinge, die man ohnehin brauchte, Nützliches, wie damals üblich: ein schönes Hemd, ein Paar Socken. «Das war alles sehr bescheiden, aber man war auch mit wenig zufrieden», sagt Ritz.

Zum Weihnachtsfest gehörte in der Familie Ritz, dass Birnbrot gebacken wurde. Oder dass man es backen liess, wie Ritz präzisiert. «Wir haben selber Äpfel und Birnen gedörrt, die zubereitete Füllung aber haben wir zum Bäcker gebracht. Zu Hause gab es keinen passenden Backofen.» Denn es ging da nicht um ein Brot für das Fest, sondern um den Vorrat für den Winter. Ritz spricht von 20 Birnbroten, die man dann eingepackt und in einer kühlen Kammer beiseite gelegt hatte. «Birnbrot mit etwas Butter, das habe ich noch immer gern», sagt Jakob Ritz.

Seit 2014 lebt der Witwer, der nach der Aufgabe des eigenen Hofs bei Nüesch Weine und im Hausdienst bei der Leica gearbeitet hatte, im Altersheim in Rebstein. Doch Weihnachten im Familienkreis schätzt er immer noch. Am Stephanstag wird mit den vier Kindern und deren Familien gefeiert, man trifft sich bei einer Tochter. «Das ist schön, man sieht sich ja unter dem Jahr nicht allzu häufig», sagt er.

 

Beda Hanimann