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BIOGRAF: Mit der Feder auf Federers Fersen

Der Thurgauer René Stauffer zählt zu den erfahrensten Tennisjournalisten der Welt. Dafür hat der Biograf von Roger Federer schon die halbe Welt bereist. Am wohlsten fühlt er sich jedoch in seiner Heimat.
René Stauffer und sein Kater Tigi im Arbeitszimmer in Müllheim. (Bild: Andrea Stalder)

René Stauffer und sein Kater Tigi im Arbeitszimmer in Müllheim. (Bild: Andrea Stalder)

Seit dieser Woche spielen die besten Tennisspieler der Welt in Wimbledon. Ab Ende Woche ist auch René Stauffer mit von der Partie, bereits zum 29. Mal. «Es ist ein Privileg, von Sportberichterstattung leben zu können», sagt er beim Gespräch in seinem Haus in der Thurgauer Gemeinde Müllheim. Von seinem Wohnort aus blickt er übers ganze Thurtal bis zu seiner Heimat Weinfelden. Aufgewachsen in einer Arbeiterfamilie, war Stauffer schon früh Mitglied beim damaligen EHC Weinfelden. «Sport war in meinem Leben schon immer zentral.» Eigentlich wollte er damals auch Tennis spielen, «meine Eltern erlaubten es mir aber nicht». Seiner Schwester schon. Jeweils nach dem Training nahm Stauffer ihren Schläger und übte stundenlang gegen die Hauswand.

Stauffer war nicht nur früh ein Sportler, sondern auch ein Schreiber. «Ich schrieb gerne Kurzgeschichten, über Sport und auch übers Leben.» Nach der Kanti zog es ihn nach Paris, wo er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt. «Ich habe viel geschrieben, konnte davon aber nicht ­leben.» Deshalb ­bewarb er sich bei der Ringier-Journalistenschule – zunächst erfolglos. Der damalige «Blick»-Chefredaktor wollte ihn für Sex- und Crime-Geschichten, Stauffer spekulierte auf einen Platz im Sport – mit Erfolg. Zuerst im Eishockey und Tennis, später kam Golf dazu.

1981 besuchte er sein erstes Tennisturnier, inzwischen war er an über 90 Grand Slams. Die Akkreditierungen aller grossen Turniere hängen in einem Bilderrahmen im Büro. «Fast alle – denn die ersten habe ich weggeworfen», sagt Stauffer mit etwas reumütiger Stimme. Nach einem dreijährigen Abstecher zum Fachblatt «Sport» landete Stauffer beim «Tages-Anzeiger» auf der Sportredaktion. «Das war schon immer mein Ziel.» Die Schweiz brachte genau zur richtigen Zeit Tennisgrössen hervor, die ihre Generation überragten.

Beim ersten Treffen fluchte der junge Federer

Roger Federer erstmals getroffen hat Stauffer bei einem Juniorenturnier in Zürich. «Das war auf einem Nebenplatz, und der 15-jährige Federer fluchte und zerbarst seinen Schläger.» Seit damals sammelte Stauffer Fakten, Berichte, Zitate – im Hinterkopf die Idee, ein Buch zu verfassen. Anfangs sei die Familie Federer gegen eine Biografie gewesen. 2006 veröffentlichte Stauffer «Das Tennisgenie». Heute liegt das Buch in zehn Sprachen vor. Seine Beziehung zu Federer beschreibt er als professionell. Er müsse nicht Federers Freund sein, «sonst fehlt mir die Distanz, ihn auch einmal zu kritisieren». Fasziniert von Federer ist der Journalist dennoch: «Was er geschafft hat, ist unerreicht und wird kaum jemals einer wiederholen.»

René Stauffer ist ein Mann mit einem inneren Antrieb, wie er selbst sagt. «Ich kann nicht eine Stunde nichts tun.» Der 58-jährige Vater einer Tochter hat noch viele Ziele, ein weiteres Buchprojekt schwebt ihm vor. «Konkretes kann ich aber noch nicht sagen.» Stauffer ist gern im Garten, spielt Gitarre, geht ins Fitness oder spielt Golf. Beruflich wie privat reist er viel, seine Frau stammt aus Brasilien. Am besten gefällt es ihm aber im Thurgau, einem «Ort wie Ferien».

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

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