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«Bin beim Ostereiersuchen»: Vor 20 Jahren nahm sich Ausbrecherkönig Walter Stürm das Leben

Walter Stürm verbrachte rund die Hälfte seines Lebens in Gefängnissen oder auf der Flucht. Vor 20 Jahren beging der damals 57-Jährige im Frauenfelder Untersuchungsgefängnis Suizid. Der Ausbrecherkönig war dort wegen eines mutmasslichen Banküberfalls eingesperrt.
Gegen 500 Personen haben am 16. Mai 1987 in Zürich an einer Solidaritätskundgebung für den in der Strafanstalt Regensdorf inhaftierten Walter Stürm teilgenommen und die Abschaffung der Einzelhaft gefordert. (Bild: Keystone)Gegen 500 Personen haben am 16. Mai 1987 in Zürich an einer Solidaritätskundgebung für den in der Strafanstalt Regensdorf inhaftierten Walter Stürm teilgenommen und die Abschaffung der Einzelhaft gefordert. (Bild: Keystone)
Walter Stürm, in einer Aufnahme vor 1980, veränderte mehrfach sein Erscheinungsbild, um sich der Justiz zu entziehen. Gegen Walter Stuerm, bekannt als «Ausbrecherkönig» wurde wegen Verdacht auf Raubüberfall und Geiselnahme ermittelt. (Bild: Keystone)Walter Stürm, in einer Aufnahme vor 1980, veränderte mehrfach sein Erscheinungsbild, um sich der Justiz zu entziehen. Gegen Walter Stuerm, bekannt als «Ausbrecherkönig» wurde wegen Verdacht auf Raubüberfall und Geiselnahme ermittelt. (Bild: Keystone)
Walter Stürm in einer Aufnahme aus dem Jahr 1984. (Bild: Keystone)Walter Stürm in einer Aufnahme aus dem Jahr 1984. (Bild: Keystone)
Gegen 500 Personen haben am 30. Mai 1987 in Zürich an einer Solidaritätskundgebung für den in der Strafanstalt Regensdorf inhaftierten Walter Stürm teilgenommen und die Abschaffung der Einzelhaft gefordert. (Bild: Keystone)Gegen 500 Personen haben am 30. Mai 1987 in Zürich an einer Solidaritätskundgebung für den in der Strafanstalt Regensdorf inhaftierten Walter Stürm teilgenommen und die Abschaffung der Einzelhaft gefordert. (Bild: Keystone)
Während der Kundgebung für Walter Stürm vor dem Tor der Strafanstalt Regensdorf am 13. Dezember 1980 in Zürich zeigen Insassen ihrerseits mit vor den Fenstern beschrifteten Leintüchern ihre Solidarität mit den Demonstranten. (Bild: Keystone)Während der Kundgebung für Walter Stürm vor dem Tor der Strafanstalt Regensdorf am 13. Dezember 1980 in Zürich zeigen Insassen ihrerseits mit vor den Fenstern beschrifteten Leintüchern ihre Solidarität mit den Demonstranten. (Bild: Keystone)
Sympathisanten des in Regensdorf einsitzenden Walter Stürm führen am 13. Dezember 1980 vor dem Tor der Strafanstalt eine Sympathiekundgebung durch und fordern die Freilassung, beziehungsweise die Aufhebung der Isolationshaft. Ein Transparent mit der Aufschrift: "Hochsicher ist totsicher» wird an der Gebäudefassade angebracht. (Bild: Keystone)Sympathisanten des in Regensdorf einsitzenden Walter Stürm führen am 13. Dezember 1980 vor dem Tor der Strafanstalt eine Sympathiekundgebung durch und fordern die Freilassung, beziehungsweise die Aufhebung der Isolationshaft. Ein Transparent mit der Aufschrift: "Hochsicher ist totsicher» wird an der Gebäudefassade angebracht. (Bild: Keystone)
Walter Stürm im Jahr 1993. (Bild: Keystone)Walter Stürm im Jahr 1993. (Bild: Keystone)
Walter Stürm steht im Februar 1995 vor dem jurassischen Kantonsgericht in Pruntrut, Schweiz. Das Sicherheitsdispositiv rund um den «Ausbrecherkönig» ist gross. (Bild: Keystone)Walter Stürm steht im Februar 1995 vor dem jurassischen Kantonsgericht in Pruntrut, Schweiz. Das Sicherheitsdispositiv rund um den «Ausbrecherkönig» ist gross. (Bild: Keystone)
Walter Stürm steht im Februar 1995 vor dem jurassischen Kantonsgericht in Pruntrut, Schweiz und berät sich mit seinem Anwalt. (Bild: Keystone)Walter Stürm steht im Februar 1995 vor dem jurassischen Kantonsgericht in Pruntrut, Schweiz und berät sich mit seinem Anwalt. (Bild: Keystone)
Walter Stürm steht im Februar 1995 vor dem jurassischen Kantonsgericht in Pruntrut, Schweiz. In erster Instanz wurde er hier zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. (Bild: Keystone)Walter Stürm steht im Februar 1995 vor dem jurassischen Kantonsgericht in Pruntrut, Schweiz. In erster Instanz wurde er hier zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. (Bild: Keystone)
Walter Stürm steht am 20. Dezember 1995 vor dem Appellationsgericht in Colmar, Frankreich. Umgeben von Sicherheitskräften wird er von seiner Schweizer Rechtsanwältin Barbara Hug begrüsst. (Bild: Keystone)Walter Stürm steht am 20. Dezember 1995 vor dem Appellationsgericht in Colmar, Frankreich. Umgeben von Sicherheitskräften wird er von seiner Schweizer Rechtsanwältin Barbara Hug begrüsst. (Bild: Keystone)
Bei einer Solidaritätskundgebung für den inhaftierten Stürm im August 1992 in Sion, Schweiz, wird auf Transparenten dessen Freilassung gefordert. (Bild: Keystone)Bei einer Solidaritätskundgebung für den inhaftierten Stürm im August 1992 in Sion, Schweiz, wird auf Transparenten dessen Freilassung gefordert. (Bild: Keystone)
Walter Stürm wird am 30. Mai 1994 von Sicherheitskräften ins Gerichtgebäude von Sion zum Prozess geführt. (Bild: Keystone)Walter Stürm wird am 30. Mai 1994 von Sicherheitskräften ins Gerichtgebäude von Sion zum Prozess geführt. (Bild: Keystone)
Walter Stürm sitzt lesend auf seiner Zellenpritsche im Untersuchungsgefängnis in Brig, aufgenommen am 27. März 1993. (Bild: Keystone)Walter Stürm sitzt lesend auf seiner Zellenpritsche im Untersuchungsgefängnis in Brig, aufgenommen am 27. März 1993. (Bild: Keystone)
Die Besetzer des kantonalen SP-Sekretariats in Zürich vom 30 Mai 1987, maskieren sich für den Fotografen mit Walter Stürm Gesichtern. Das Bild wurde der Presse am Freitag von der «Aktion gegen Isolation drinnen und draussen» abgegeben. Walter Stürm befand sich zu diesem Zeitpunkt seit 11 Wochen im Hungerstreik. (Bild: Keystone)Die Besetzer des kantonalen SP-Sekretariats in Zürich vom 30 Mai 1987, maskieren sich für den Fotografen mit Walter Stürm Gesichtern. Das Bild wurde der Presse am Freitag von der «Aktion gegen Isolation drinnen und draussen» abgegeben. Walter Stürm befand sich zu diesem Zeitpunkt seit 11 Wochen im Hungerstreik. (Bild: Keystone)
Eine Aufnahme aus dem Jahr 1980. (Bild: Keystone)Eine Aufnahme aus dem Jahr 1980. (Bild: Keystone)
16 Bilder

Das Leben des Walter Stürm in Bilder

(sda) Walter Stürm, der einer Industriellenfamilie aus Goldach entstammte, beschäftigte die Justiz seit seinem 20. Lebensjahr. Seine Liebe zu schnellen Autos hatte den gelernten Karosseriespengler auf die schiefe Bahn gebracht: Einen Lotus-Sportwagen finanzierte er durch den Verkauf gestohlener Autos. Im Kriminalmuseum der St. Galler Kantonspolizei ist heute noch ein gefälschtes Nummernschild von Stürm zu sehen. Das Corpus Delicti stammt aus dem Jahr 1963.

Walter Stürm änderte mehrmals sein Aussehen. Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1980. (Bild: Keystone)

Walter Stürm änderte mehrmals sein Aussehen. Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1980. (Bild: Keystone)

Insgesamt beging der Berufsverbrecher mehrere hundert Straftaten - vor allem Einbrüche. Es waren paradiesische Zeiten für Räuber - die Geschäfte und Firmenliegenschaften waren noch kaum mit Alarmanlagen und Videoüberwachung gesichert.

Dass er etwas Rechtswidriges tat, war ihm bewusst, es hat ihn aber nicht gestört. Stürm fälschte Pässe, Führerscheine und Fahrzeugausweise, änderte sein Aussehen, seine Identitäten und Autos und tauchte immer wieder im Ausland unter.

«Bin Ostereier suchen, Stürm»

Stürm büxte achtmal aus Gefängnissen aus oder kehrte nach Hafturlauben nicht zurück. Letztmals war er 1995 nicht nach Bochuz VD zurückgekehrt. Insgesamt befand er sich acht Jahre «auf Kurve». Besondere Bekanntheit erreichte er durch seinen Ausbruch aus der Strafanstalt Regensdorf im April 1981. Damals hinterliess er in seiner Zelle einen Zettel mit der berühmt gewordenen Bemerkung:

Insgesamt beging der Berufsverbrecher mehrere hundert Straftaten. (Bild: Keystone)

Insgesamt beging der Berufsverbrecher mehrere hundert Straftaten. (Bild: Keystone)

«Bin beim Ostereiersuchen, Stürm».

Immer wieder lehnte er sich mit Beschwerden gegen die Haftbedingungen auf. Von linken Kreisen war er wider Willen zu einer Symbolfigur hochstilisiert worden. Es kam zu Demonstrationen gegen die Isolationshaft. Für eine Lockerung von Stürms Haftbedingungen setzten sich unter anderen der Psychiater Ralf Binswanger, die Journalistin Laure Wyss oder der Schriftsteller Niklaus Meienberg ein.

Weil er in die Sicherheitsabteilung verlegt wurde, trat Stürm am 11. März 1987 erstmals in einen Hungerstreik, den er erst nach etwas mehr als 100 Tagen wieder abbrach. Auch im Berner Inselspital hinterliess er seine Spuren. Dank seiner Beharrlichkeit wurde in der Bewachungsstation ein Spazierhof für die Gefangenen gebaut.

Selbstmordversuche

Im Gefängnis von Brig unternahm Stürm im Juni 1992 einen Selbstmordversuch. Im Kantonsspital Genf trat er dann einmal mehr für 120 Tage in den Hungerstreik, um gegen die von ihm behauptete Verschleppung seines Prozesses durch die Walliser Justiz zu protestieren.

Walter Stürm im Jahr 1993. (Bild: Keystone)

Walter Stürm im Jahr 1993. (Bild: Keystone)

Im März 1993 besuchte ihn ein TV-Reporter in Brig in der Einzelhaft. Er lehne sich weiter gegen Autoritäten auf, sagte Stürm. Ein Anwalt, der sich mit dem Gericht arrangiere, habe keinen Wert für ihn. Er habe nur ein einziges Mal eine Pistole benutzt. Seine Schuld sei aber nicht bewiesen. «In Freiheit würde ich am liebsten alte Autos renovieren», sagte Walter Stürm, der 23 Stunden am Tag eingesperrt war.

1992 war er letztmals verurteilt worden; die Strafe von 12 Jahren Zuchthaus wurde 1994 vom Walliser Kantonsgericht auf 10,5 Jahre reduziert. Am 20. Oktober 1998 wurde Stürm nach Verbüssung von zwei Dritteln dieser Strafe bedingt entlassen. Nach sämtlichen 27 Urlauben war er wieder in die Strafanstalt zurückgekehrt.

«Erholungsurlaube» von der Resozialisierung

Seine Anwältin, Barbara Hug, sprach damals davon, dass es ihm gesundheitlich nicht gut gehe. Die rund sechs Jahre, die Stürm in Einzelhaft verbrachte, gingen nicht spurlos an ihm vorbei. Seine Ausbrüche waren nur «Erholungsurlaube» von der Resozialisierung, sagte Stürm im August 1998 in einem Radiointerview.

Die Überraschung war gross, als er im März 1999 zusammen mit dem aus der Strafanstalt Realta ausgebrochenen Hugo Portmann als mutmasslicher Bankräuber verhaftet wurde. Sechs Monate sass er im Thurgauer Kantonalgefängnis Frauenfeld in Untersuchungshaft und verweigerte jede Aussage. Seine Entlassung war vom Bundesgericht wegen Fluchtgefahr abgelehnt worden.

Am 13. September reagierte er nicht, als ihm das Frühstück gebracht wurde. Deshalb schlossen die Polizeibeamten die Zelle auf und fanden ihn tot vor. Er hatte sich mit einem Kehrrichtsack, der regulär in der Zelle auflag, erstickt.

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