«Billigtourismus» in der Kritik

ST.GALLEN. St.Gallen-Bodensee Tourismus will mehr Chinesen, Japaner und Koreaner in die Region holen. Mit dieser Strategie können sich einige Stadtsanktgaller Klein-Hoteliers nicht anfreunden.

Marion Loher
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Oft bleiben sie nicht lange in einer Stadt: Touristen aus dem asiatischen Raum besichtigten die St. Galler Kathedrale. (Archivbild: Urs Jaudas)

Oft bleiben sie nicht lange in einer Stadt: Touristen aus dem asiatischen Raum besichtigten die St. Galler Kathedrale. (Archivbild: Urs Jaudas)

Donat Wick ist Geschäftsführer des Hotels Vadian. Ein Zwei-Sterne-Hotel in der Stadt St.Gallen. Wick ist verärgert über die «Vorwärtsstrategie» von St. Gallen-Bodensee Tourismus, künftig stärker auf die Märkte China, Japan, Korea und Südostasien zu setzen.

«Das bringt uns nichts»

An der Vereinsversammlung der Tourismusorganisation vom Mittwochabend machte Wick seinem Ärger Luft. Viele Gastronomiebetriebe und kleinere Hotels in der Stadt würden von diesem «Billigtourismus» nicht profitieren, kritisierte er. «Die meisten Touristen aus dem asiatischen Raum konsumieren nicht in der Stadt» und schliefen auch nicht in kleineren Hotels. Oft seien sie nur wenige Stunden in St. Gallen und zögen dann im Eiltempo durch die Stadt. «Das bringt uns und unserer Gastronomie nichts», so Wick, der, wie er selber sagt, auch im Namen anderer St. Galler Klein-Hoteliers spricht. «Wir brauchen zahlungskräftige Gäste.»

Der «Billigtourismus» ist nicht das einzige, was den Hotelier stört. Er und andere kleinere Hotels in St. Gallen würden «viel Geld» in die Vereinskasse zahlen und bekämen «wenig Unterstützung» von der Tourismusorganisation. «Ich habe Ausgaben von rund 33 000 Franken jährlich, darin enthalten sind Mitgliederbeiträge, Kurtaxen und Kommissionsleistungen», sagte Wick, «und die Gegenleistung ist nicht jene, die wir erwarten». So seien etwa am letzten runden Tisch nur die grossen Hotels eingeladen worden, nicht aber die Null- bis Zwei-Sterne-Hotels, sagte Wick abschliessend.

Neuer Präsident gewählt

Der Präsident von St.Gallen-Bodensee Tourismus, René Romanin, nahm die Kritik «zur Kenntnis». Man werde darüber sprechen müssen. Romanin wird dann nicht mehr dabei sein, zumindest nicht als Präsident. Für ihn war es die letzte Versammlung. Nach 20 Jahren an der Spitze der Tourismusorganisation trat er von seinem Amt zurück. Es sei Zeit für eine «Blutauffrischung», sagte er. Zum neuen Präsidenten von St. Gallen-Bodensee Tourismus wählten die Mitglieder Markus Isenrich. Er ist Verwaltungsratspräsident der Acrevis Bank.

Im Vorstand gibt es aber noch mehr frisches Blut. Für die Zurückgetretenen Hanspeter Egli, Max R. Hungerbühler und Markus Knaus wurden Karin Bischoff, Katrin Meier, Sina Nikolussi und Nicolo Paganini gewählt. In ihrem Amt bestätigt wurden Markus Frank, Josef Müller-Tschirky, Thomas Müller und Thomas Scheitlin.

Nicht mehr für die Tourismusorganisation arbeitet die langjährige Marketingleiterin Astrid Nakhostin. Sie hat sich an der Versammlung mit einer kurzen Rede von den Vereinsmitgliedern verabschiedet.

Föderalismus überwinden

In seinem letzten präsidialen Bericht sagte Romanin unter anderem, dass das «Tourismusbewusstsein in unserer Region auf Sparflamme» sei. Oft fehle es an Solidarität und Engagement der verschiedenen Branchen. Ausserdem müsse der touristische Föderalismus in der Ostschweiz überwunden werden, sagte Romanin. Es sollen zukunftstaugliche Angebote bereitgestellt werden, die über die einzelnen Organisation hinaus gingen und den ganzen Lebensraum abdeckten. Erfreut zeigte sich der scheidende Präsident über den weiteren Anstieg der Anzahl Logiernächte im 2014 gegenüber dem Vorjahr – und zwar um 4,8 Prozent auf 354 000.

Markus Isenrich Neuer Präsident von St. Gallen-Bodensee Tourismus (Bild: pd)

Markus Isenrich Neuer Präsident von St. Gallen-Bodensee Tourismus (Bild: pd)

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