Bildungspolitik
Verurteilter Controlling-Dozent: SP-Kantonsrat fragt nach der Haltung der Regierung zu den neuen HSG-Skandalen

Wann erfuhr die St.Galler Regierung von den Vergehen eines Dozenten für Controlling an der HSG? Warum wurde in diesem Fall «wiederum so zögerlich agiert»? Und was meint die Regierung zu den neuen Vorwürfen gegen «Raiffeisen-Professor» Rüegg-Stürm? Solche Fragen stellt der SP-Kantonsrat und Rorschacher Schulpräsident Guido Etterlin in einem Vorstoss.

Marcel Elsener
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Die HSG im Januar 2020, als sie sich vom fehlbaren Dozenten trennte.

Die HSG im Januar 2020, als sie sich vom fehlbaren Dozenten trennte.

Bild: Benjamin Manser

Der Fall eines HSG-Lehrbeauftragten mit Professur in Berlin wirft nun auch politische Fragen auf. Der Controlling-Experte und langjährig engagierte Dozent an Instituten der Universität St.Gallen war im April 2018 von einem Aargauer Gericht wegen Misswirtschaft und Erschleichen einer Falschbeurkundung verurteilt worden. Er hatte als Verwaltungsratspräsident eine Mitschuld am Konkurs einer betrügerischen Firma mit Luxusfahrdienst-Geschäftsmodell, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. Dabei wurden Gläubiger um Beträge in zweistelliger Millionenhöhe geprellt.

In der Folge vereinbarte die Universitätsleitung mit dem verurteilten Dozenten Anfang 2020, dass sich dieser «kontinuierlich» aus allen Lehrverpflichtungen an der HSG zurückziehe. Dass der Dozent 2022 noch in einer Online-Kursausschreibung der HSG aufgeführt wird, begründete die Universität gegenüber unserer Zeitung mit der freien Dozentenwahl von Weiterbildungsveranstaltern. Weitere Fragen bleiben aufgrund der Ferienabwesenheiten im Rektorat bis auf weiteres offen. Bildungschef und Uniratspräsident Stefan Kölliker sagte auf Anfrage, er sei laufend informiert worden, doch auf Dozentenstufe entscheide das Rektorat.

Weiterhin negative Schlagzeilen für die HSG

SP-Kantonsrat Guido Etterlin.

SP-Kantonsrat Guido Etterlin.

Bild: Benjamin Manser

SP-Kantonsrat Guido Etterlin erkundigt sich mit seiner Einfachen Anfrage «Was wusste die Regierung über die neuen Skandale an der Universität?» nach der Rolle der Politik. Die Universität St.Gallen komme nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus, obwohl die Regierung laufend beteuere, dass der HSG kein weiterer Reputationsschaden entstehe, schreibt Etterlin; es ist bereits sein dritter Vorstoss in Sachen HSG-Ungereimtheiten.

Die kritischen Fragen gelten nebst dem Fall des Dozenten, der an einem «klassischen Gründungsschwindel» beteiligt war (wie es im Gerichtsurteil heisst), den neu publizierten Vorwürfen gegen den ehemaligen Raiffeisen-Präsidenten und Direktor des Instituts für Systemisches Management und Public Governance an der HSG, Johannes Rüegg-Stürm.

Etterlin will von der Regierung wissen, wann sie Kenntnis hatte von der Verurteilung des Controlling-Dozenten und «warum in diesem Fall wiederum so zögerlich agiert» worden sei. Und er erkundigt sich nach den künftigen Lehrverpflichtungen des fehlbaren Dozenten und ob die Verurteilung zu hoher Geldstrafe mit den Anstellungsbedingungen an der Uni vereinbar sei.

Ausserdem fragt er: «Wie würde ein für das Controlling verantwortlicher Staatsangestellter mit dem gleichen Delikt dienstrechtlich behandelt?» Schliesslich wundert sich der Rorschacher SP-Kantonsrat über mögliche weitere Rufschädigungen für die Uni und besonders jener durch den verbliebenen Public-Governance-Institutsdirektor: «Ist die Regierung weiterhin der Meinung, dass die neuen schweren Vorwürfe an Professor Rüegg-Stürm der Reputation der Universität nicht schaden? Was mag es noch leiden, bis das Fass überläuft?»

Das neue Universitätsgesetz in der Vernehmlassung

Inwiefern manche Fragen im neuen Universitätsgesetz geklärt werden, ist schwierig zu sagen. Der von Bildungsdirektor Stefan Kölliker präsidierte Lenkungsausschuss mit Vertretern der Regierung und der Universität verarbeitet derzeit die Rückmeldungen der im Mai abgeschlossenen zweiten internen Vernehmlassung.

Hernach widmet sich die Gesamtregierung dem revidierten Unigesetz, bevor es dann in die öffentliche Vernehmlassung bei den politischen Parteien und interessierten Kreisen gegeben wird. Das neue Gesetz soll im August 2022 dem Kantonsrat zugeleitet werden und 2024 in Kraft treten.