BILDUNG: Ärger mit dem Stundenplan

Weil der Platz knapp ist, kann der Stundenplan der Fachhochschule St. Gallen nicht mehr auf den Zugfahrplan abgestimmt werden. Für die Pendler in der Studentenschaft wird das zum Problem.

Sina Bühler
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Vier Jahre alt – und bereits wieder zu klein: die Fachhochschule St. Gallen. (Bild: Urs Bucher (9. November 2017))

Vier Jahre alt – und bereits wieder zu klein: die Fachhochschule St. Gallen. (Bild: Urs Bucher (9. November 2017))

Sina Bühler

ostschweiz@tagblatt.ch

Für Studierende der Sozialen Arbeit an der FHS St. Gallen gelten ab Herbst neue Vorlesungszeiten: Morgens müssen sie bereits um 8.20 Uhr statt um 8.30 Uhr beginnen. Zehn Minuten früher – ein Problem? Tatsächlich: Für die Pendlerinnen und Pendler in der Studentenschaft wird der neue Schulbeginn zum Ärger. Der Zug aus Zürich, Winterthur oder Frauenfeld kommt um 8.18 Uhr an, jener aus Buchs um 8.20 Uhr. Obwohl die Hochschule direkt am Bahnhof liegt, bekommen selbst die sportlichsten Studierenden keinen Zwei-Minuten- Sprint in den Vorlesungssaal hin. Die einzige Lösung: Je nach Wohnort zwischen 32 und 50 Minuten früher vor Ort sein – oder eine Verspätung von 5 Minuten in Kauf nehmen.

Warum wird der Stundenplan nicht einfach an den Zugfahrplan angepasst? Das ist an vielen Bildungsinstitutionen so üblich. Schliesslich richtet sich das Angebot der Fachhochschule nicht nur an Studierende aus der Region, sondern an Interessierte aus der ganzen Schweiz und sogar dem Ausland, so Verwaltungsdirektor Carlo Höhener. Ein späterer Schulanfang sei trotzdem nicht möglich. «Wir sind darauf angewiesen, dass wir zwischen 7.30 und 21.30 dreizehn verschiedene Zeitblöcke anbieten können.» Das Problem seien räumlichen Engpässe. Zur Erinnerung: Der 66 Meter hohe Bau der FHS, dessen Bau total 124 Millionen Franken kostete, ist noch nicht einmal vier Jahre alt.

Ausnahmeregelung für Soziale Arbeit

Die früheren Unterrichtszeiten gelten in den anderen Studienrichtungen der FHS schon länger. Dass die Soziale Arbeit in den ersten Jahren eine Ausnahmeregelung genoss, hat mit dem alten Standort der Fachhochschule zu tun. Bis 2013 war sie in Rorschach. Um den Übergang leichter zu gestalten, konnten die Dozentinnen und Dozenten beim Unterrichtsbeginn Ausnahmen machen. «Wegen dem zunehmenden Raumengpass müssen sich nun aber alle an die definierten Zeiten halten», sagt FHS-Sprecherin Lea Müller. Vielleicht bleibe das Problem nicht lange bestehen, beschwichtigt Carlo Höhener: «Wir werden auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2018 hin eine mögliche Anpassung der Anfangszeiten prüfen.» Dann wäre das Problem nach einigen Monaten wieder beseitigt. An der Interstaatlichen Hochschule für Technik in Buchs (NTB) kam es genau aus diesem Grund zu einer Änderung beim Vorlesungsbeginn. Aufgrund eines Fahrplanwechsels vor drei Jahren kamen die Züge aus beiden Richtungen – aus St. Gallen und aus Sargans – neu um 8.15 Uhr an. Zur selben Zeit hätten die Studierenden schon im Unterricht sein sollen. «Da haben wir den Beginn auf 8.30 Uhr verschoben», sagt Daniel Keller, Studienberater und Stundenplaner der NTB. Auch am NTB-Standort St. Gallen wurden die Anfangszeiten auf den Zugfahrplan abgestimmt: «Das war kein grosses Thema. Und es kam auch nur einmal in 15 Jahren vor», sagt Keller.

In 15 Minuten an der Uni

Studierende an der HSR Rapperswil sind verwöhnter als ihre Buchser oder St. Galler Kolleginnen und Kollegen – und zwar wegen des gut ausgebauten ÖV-Netzes. Jede Stunde kommen sechs S-Bahnen aus Zürich an. Aus dem Toggenburg und der Innerschweiz sind es zwar nur zwei Verbindungen in der Stunde, dafür zu einer äusserst praktischen Zeit: In Rapperswil kommen sie jeweils zur vollen und zur halben Stunde an. Auch dieser Campus liegt wie die FHS direkt am Bahnhof, eine Vorlesungszeit von 8.15 Uhr ist also unproblematisch. Wie Mediensprecherin Eva Tschudi sagt, findet an der HSR aber ohnehin kein Klassenunterricht statt: «Die acht verschiedenen Studiengänge werden als Module unterrichtet und können von den Studierenden selbstständig gewählt werden.» An der Universität St. Gallen beginnen die Vorlesungen wie an den meisten Universitäten um 8.15 Uhr. Laut eines Berichtes aus dem Jahr 2015 wohnen allerdings 86 Prozent aller Studierenden ohnehin in der Stadt St. Gallen, die Hälfte von ihnen braucht nicht mehr als 15 Minuten an die Uni.