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Interview

Bier ist Sache der Frauen

Claudia Graf führt die Sonnenbräu in fünfter Generation. Die 32-Jährige ist immer auf der Suche nach neuen Trends.
Desirée Müller
2012 übernahm Claudia Graf das Familienunternehmen Sonnenbräu in Rebstein. (Bild: Benjamin Manser)

2012 übernahm Claudia Graf das Familienunternehmen Sonnenbräu in Rebstein. (Bild: Benjamin Manser)

Im stilvollen Sommerkleid, mit wehenden, blonden Haaren und pink lackierten Fingernägeln schreitet Claudia Graf durch eine der weitläufigen Lagerhallen der Brauerei Sonnenbräu in Rebstein. Es herrschen an die dreissig Grad. Doch auf der Stirn der 32-Jährigen ist keine einzige Schweissperle zu entdecken. Hier und da gibt die Chefin ihren 40 Mitarbeitern Anweisungen, immer mit einem Lächeln auf den Lippen, und klettert für das Fotoshooting mit einer mühelosen Eleganz auf einen Stapel Bierharasse. Die schwarzen Stöckelschuhe zieht Claudia Graf für die Aktion nicht einmal aus. Auf Wunsch des Fotografen gönnt sich die Rheintalerin sogar gerne einen Schluck «ihres» Biers. Denn: Auch nach all den Jahren im Business hat die Bierbraumeisterin das Getränk noch nicht satt.

Ein Job auf Lebenszeit

Trotz ihrer zarten Erscheinung hat sich Claudia Graf den Respekt ihrer Mitarbeitenden verdient. Die 32-jährige Rheintalerin strotzt nämlich nur so vor Power und Herzblut für den Betrieb, der jährlich 3 Millionen Flaschen Bier verkauft. Die Ururenkelin des Gründers führt das Unternehmen seit 2012 in der fünften Generation und kann sich gut vorstellen, die Brauerei die nächsten dreissig Jahre bis zu ihrer Pension zu leiten. Eine klassische Rollenverteilung mit ihr als Hausfrau und Mutter, kann sich die taffe Frau zumindest im Moment sowieso noch nicht vorstellen.

Wie «werden» Sie, wenn Sie (zu viel) Bier trinken?

(lacht)

Ich mag Bier sehr. Dass ich zu viel trinke, kommt aber nicht so oft vor. Und wenn doch, dann werde ich redselig und lustig – das sagen zumindest meine Freunde.

Sie sind an der «Bier-Quelle». Sind Sie ein beliebter Partygast?

Es hat mich noch nie jemand gebeten, ein paar Kisten Bier an eine Party mitzubringen. Ich biete es immer selbst an. Daher fühlte ich mich wegen meinem gut gefüllten Bier-Keller noch nie ausgenutzt. Auch in meiner Jugend war das nie ein Thema.

Die Bierbrauerin Claudia Graf packt gerne im Betrieb mit an. (Bild: Benjamin Manser)

Die Bierbrauerin Claudia Graf packt gerne im Betrieb mit an. (Bild: Benjamin Manser)

Eisbier, Thurbobräu – das Sortiment ist mit 12 Biersorten gross. Helfen Sie bei der Entwicklung mit?

Absolut, ja. Seit diesem Frühling zum Beispiel lancieren wir unsere neuste Bierkreation, an deren Entwicklung ich beteiligt war: den«Holzkopf». Das überspitzte Motto: Wenn mal was in die Hose geht, dann trink einen Holzkopf, und die Sache ist nur noch halb so schlimm. Die Entwicklung findet im Team statt. Kollegen aus der Produktion, aus dem Marketing und dem Verkauf sind jeweils mit an Bord.

Wie gehen Sie mit der Rolle der weiblichen Geschäftsinhaberin in einem eher von Männern dominiertem Berufsfeld um?

Ich habe zwei Schwestern und damit war klar, dass das Geschäft, sollte es in der Familie bleiben, von einer Frau übernommen wird. Ich war also vorbereitet. Aber in einer Hinsicht habe ich schon einen Vorteil: Das Bier wurde schliesslich von einer Frau erfunden. Wenn auch nicht mit Absicht. Und lange lag die Herstellung in der Hand der Frauen.

Eine Frau erfand das Bier?

So ist es. Darin sind sich zumindest viele Historiker einig. Man sagt, 10000 vor Christus bereitete eine Hausfrau ein Fladenbrot zu. Durch die Hefe in der Luft begann der Brei zu gären und es entstand zufällig das alkoholhaltige Gemisch.

Wie wird man überhaupt ­Bierbraumeisterin?

Bei der Brauerei Sonnenbräu sind 40 Prozent der Angestellten Frauen. Daher: Bier ist durchaus nicht nur Männersache. (Bild: Benjamin Manser)

Bei der Brauerei Sonnenbräu sind 40 Prozent der Angestellten Frauen. Daher: Bier ist durchaus nicht nur Männersache. (Bild: Benjamin Manser)

In der Schweiz gibt es die Grundausbildung «Lebensmitteltechnologe Fachrichtung Bier». Aber zum Braumeister kann man sich hier nicht ausbilden lassen. Daher absolvierte ich die Braumeisterschule in München. Schüler aus allen Teilen der Welt besuchten mit mir gemeinsam die Ausbildung.

Gab es ein Fach, mit dem Sie Ihre liebe Mühe hatten oder sind Sie ein Multitalent?

Ganz klar Prozesstechnik. Das lag mir überhaupt nicht. Ich wollte lieber wissen, wie man Bier braut und mich auf das Wesentliche konzentrieren. Aber irgendwie gings doch.

Stimmt es, dass Sie von Ihrem Vater den Auftrag bekamen, einen Bierbrauer mitzubringen?

Ja, das stimmt! Tja, aus dem (wohl nicht allzu ernst gemeinten) Plan meines lieben Vaters wurde nichts und ich brachte keinen Bierbrauer als Mann aus München mit nach Hause.

In dem Fall sind Sie immer noch Single?

So sieht es aus – und das ist ganz gut so. Mit der Arbeit habe ich viel zu tun.

Claudia Graf absolvierte die Braumeisterschule in München. (Bild: Mareycke Frehner)

Claudia Graf absolvierte die Braumeisterschule in München. (Bild: Mareycke Frehner)

Wenn kein Mann zu Hause auf Sie wartet, haben Sie dafür umso mehr Zeit für Hobbys?

Ich nehme mir regelmässig eine Auszeit vom Job. Vor allem beim Reisen tanke ich neue Energie. Gerne auch auf abenteuerlichen Trips irgendwo auf der Welt. Ich liebe zum Beispiel Safaris.

Jährlich werden bei der Bierbrauerei Sonnenbräu drei Millionen Liter Bier hergestellt. (Bild: Mareycke Frehner)

Jährlich werden bei der Bierbrauerei Sonnenbräu drei Millionen Liter Bier hergestellt. (Bild: Mareycke Frehner)

Wie sehen Ihre langen Arbeitstage bei Sonnenbräu aus?

Die meiste Zeit verbringe ich in meinem Büro vor dem Computer. Ich kümmere mich um den Verkauf und das Marketing der Firma. In dieser Position fühle ich mich ganz wohl. Ich nutze aber auch jede Gelegenheit, mal im Betrieb mitzuhelfen. Immer dort, wo gerade meine Hilfe benötigt wird. Gerade kürzlich war ich auf dem Feld und schaute mir die Sonnenbräu-Braugerste an.

Ebenfalls im Sommerkleid und Stöckelschuhen?

Was für eine Frage! Natürlich nicht (lacht). Dann komme ich legere gekleidet zur Arbeit.

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