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Glosse

Biedere Flugzeugnamen: Ein Ticket für Eduard Spelterini, bitte!

Die Fluggesellschaft Edelweiss tauft ihre Maschinen nach Berggipfeln, jüngstes Beispiel ist ein Airbus namens "Säntis". Die Swiss setzt derweil auf Kantonshauptorte. Das ist alles nett – aber auch etwas langweilig.
Adrian Vögele
Fliegender Geografieunterricht: Schweizer Passagierflugzeuge tragen oft Namen von Städten, Kantonen und Bergen. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri)

Fliegender Geografieunterricht: Schweizer Passagierflugzeuge tragen oft Namen von Städten, Kantonen und Bergen. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri)

Moderne Passagierflugzeuge wollen mit Bergen nichts zu tun haben. Sie dulden diese zackigen Auswüchse der Erde nur widerwillig und auf Distanz. Gegen jeden Annäherungsversuch der Piloten wird lautstark protestiert: «Terrain!» ruft die Computerstimme im Cockpit. «Pull up! (Hochziehen!)» Die Fluggesellschaft Edelweiss nimmt auf derlei Befindlichkeiten keine Rücksicht – und benennt ihre Jets nach Schweizer Gipfeln. Auch die Ostschweiz ist vertreten: Soeben wurde ein Airbus auf den Namen «Säntis» getauft, der «Chäserrugg» fliegt schon länger durch die Gegend. Aber es kommt noch besser: Die Airline hat nur Berge ausgewählt, an denen das Edelweiss wächst. Hilfe, Botanik! Noch so ein heikles Gebiet aus aviatischer Sicht. Die Luftfahrtpioniere haben mehr als genug Lehrgeld gezahlt, haben nach knapp gelungenen Landungen die Tannenzweige aus der Propellernabe gezerrt, die Maiskolben aus dem Fahrwerk aussortiert und sich geschworen, das nächste Mal mehr Abstand zur Pflanzenwelt zu halten – und jetzt wird plötzlich zur Bergblumensuche per Düsen­flieger aufgerufen? Da hat mancher Passagier schon ein Stossgebet auf den Lippen und ein Gipfelkreuz vor dem geis­tigen Auge.

Im Ernst: Es hat hierzulande natürlich Tradition, dass Flugzeuge nach verschiedenen Orten und Bergen benannt sind. Schon die Swissair hatte weiland diesen freundeidgenössischen Einfall, die Swiss führt ihn fort. «Herisau», «Solothurn», «Kanton Zürich», die halbe Schweizer Landkarte ist inzwischen auf den Flughäfen anzutreffen. Nett, aber auch etwas bieder und abstrakt. Warum geht es nicht persönlicher? Eduard Spelterini, der St. Galler Flugpionier, dessen Namen wie geschaffen ist für die weite Welt, wird bei Flugzeugtaufen verschmäht und fährt stattdessen als SBB-Neigezug herum. Derweil fliegen die Schweizer mit der «Melchsee-Frutt» auf die Seychellen. Seltsam, oder? Zugegeben, es gibt auch schlechtere Beispiele. Die zweite grosse St. Galler Pilotenlegende, Walter Mittelholzer, gemahnt namenstechnisch eher an Bruch­landungen im Grünen denn an inspirierende Flugreisen. Einen geschickten Ausweg hat die People’s Viennaline in Altenrhein gefunden. Der Besitzer hat die beiden Flugzeuge ganz simpel nach seinen Töchtern benannt: Laura und Nora. Brillant - damit sind sicher mindestens zwei Personen zufrieden. Guten Flug!

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