Bibliothekare kritisieren Verzicht

Die Präsidenten von drei Schweizer Bibliotheksverbänden bedauern den Verzicht auf das Bibliotheksprojekt in der St. Galler Hauptpost. In einem offenen Brief an die St. Galler Regierung fordern sie, den Sparentscheid zu überdenken.

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St. Gallen. Der Entscheid der St. Galler Regierung, die Neue Bibliothek in der Hauptpost aus der Aufgabenplanung zu streichen, hat in St. Gallen wenig Reaktionen ausgelöst. Meist blieb es beim resignativen Schulterzucken, da und dort war Bedauern zu vernehmen. Vadiana-Leiter Cornel Dora erinnerte in den «St. Galler Nachrichten» immerhin an die Ausstrahlung: «Das Projekt hat in der schweizerischen Bibliotheksszene grosse Beachtung gefunden, wäre doch erstmals ein neuer Bibliothekstyp entstanden, der sich an den angelsächsischen Public Libraries orientiert hätte.»

Diese Bibliotheksszene meldet sich nun mit einem offenen Brief an die St. Galler Regierung zu Wort. «Mit grossem Bedauern haben wir Kenntnis von Ihrem Entscheid genommen, auf die Realisierung der Neuen Bibliothek aus finanziellen Gründen zu verzichten. Wir ersuchen Sie, auf diesen Entscheid zurückzukommen und das wohlvorbereitete Projekt weiterzuverfolgen», schreiben Yolande Estermann, Wiskott, Präsident Fachverband Bibliothek Information Schweiz, Klaus Egli, Präsident Schweizer Bibliotheksverband, und Damian Elsig, Präsident der Schweizerischen Konferenz der Kantonsbibliotheken.

St. Gallen könne «schweizweit ein Zeichen für eine moderne Bibliothekspolitik setzen, das der Vadian-Stadt und dem Kanton als Sitz der Stiftsbibliothek in der digitalen Gegenwart wohl anstehen würde». Die Publikumsbibliothek an verkehrsgünstiger Lage «wäre ein Vorbild für andere Kantone und Städte, wie es das Weltkulturerbe Klosterbezirk in der Vergangenheit war», heisst es.

Die Reaktionen aus der Pfalz sind wenig ermutigend: Gegenüber Radio DRS konnte Regierungspräsident Willi Haag die Argumente zwar sehr gut nachvollziehen. Er sieht aber keine Chance für eine Wiederbelebung des Projektes: «Wir sind in einem riesigen Konflikt zwischen berechtigten Anliegen und den Sparbemühungen des Kantons.» Und Kulturchefin Kathrin Hilber nannte die Verzichtsplanung ein zu grosses Damoklesschwert. Sie hofft auf eine abgespeckte Variante für die Kantonsbibliothek Vadiana. (mel)

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