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Bezirksgericht Frauenfeld: Überforderte Chefs wegen Misswirtschaft verurteilt

Zwei Arbeiter gründen blauäugig eine Firma, häufen Schulden an und machen trotzdem weiter. Das Bezirksgericht Frauenfeld verurteilt sie werden wegen Misswirtschaft und betrügerischem Konkurs zu bedingten Freiheitsstrafen.
Ida Sandl
Eingang zum Bezirksgericht Frauenfeld. (Archivbild: Reto Martin)

Eingang zum Bezirksgericht Frauenfeld. (Archivbild: Reto Martin)



Sie wollten retten, was nicht mehr zu retten war. Mit allen Mitteln haben zwei 38-jährige Männer versucht, ihre überschuldete Firma vor dem Konkurs zu bewahren. Genützt hat es nichts und die Methoden dazu waren illegal. Das Bezirksgericht Frauenfeld hat die Beiden wegen Misswirtschaft, betrügerischem Konkurs und Pfändungsbetrug zu bedingten Freiheitsstrafen verurteilt.

Sie sind Büezer, ein Monteur und ein Projektleiter. Das reiche aus, um das grosse Geld zu verdienen, dachten sie. Statt für einen Chef wollten sie lieber in die eigene Tasche wirtschaften und gründeten eine Montagebaufirma. Dabei haben sie völlig unterschätzt, worauf sie sich eingelassen haben.

Weitergemacht, statt Notbremse zu ziehen

Weder mit der starken Konkurrenz noch mit den tiefen Margen haben sie gerechnet. Und von Buchhaltung wussten sie schon gar nichts. Es ging nicht lange gut. Im November 2012 war die Firma zahlungsunfähig und überschuldet.

Schon drei Monate zuvor hatte der damalige Geschäftsführer wissen wollen, womit er die Rechnungen begleichen solle. Doch statt die Notbremse zu ziehen, wurstelten die beiden Chefs weiter. Sie verlegten den Sitz der Firma vom Hinterthurgau nach Frauenfeld. Die Geschäftsführung übernahm jetzt der Projektleiter. Es ging aber nur noch weiter bergab. Ab da stellten die Chefs ihrem Buchhalter nur noch gelegentlich Belege zu, es gab keinen Jahresabschluss mehr und es wurde keine Steuererklärung eingereicht.

Aktiengesellschaft ohne Kapital gegründet


Wieder versuchten die Beschuldigten, das sinkende Schiff zu retten. Sie beschlossen, eine Aktiengesellschaft als Auffanggesellschaft für die überschuldete Firma zu gründen. Dafür hätten sie 100'000 Franken gebraucht, die sie nicht hatten. Dafür fanden sie einen Notar, der ihnen das Kapital für die Zeit der Gründung auslieh, als Darlehen.

Nachdem er die neue AG beurkundet hatte, forderte der Notar das Geld umgehend zurück. Dafür kassierte er ein stolzes Honorar – zwischen 4000 und 6000 Franken. Die Aktiengründung sei in einem Restaurant erfolgt, erklärten die Beschuldigten vor Gericht. Vermittelt hatte ihnen den Deal ein Mann, auf den sie durch Zufall gestossen seien und den sie nicht kennen würden.

Frauen aus Serbien für die Bar in Zürich

Doch auch die Aktiengesellschaft rettete die Firma nicht. Neun Monate nach ihrer Gründung wurde das Unternehmen zum ersten Mal betrieben. Etwa sieben Monate später war es pleite. Da waren bereits Forderungen von rund 241'000 Franken aufgelaufen, dazu kamen Verlustscheine von etwa 41'000 Franken. Zu holen gab es zu der Zeit nichts mehr, weder Geld noch Vermögenswerte. Am 24. April 2015 wurde das Konkursverfahren mangels Aktiven eingestellt.

Der Monteur musste sich ausserdem wegen Förderung rechtswidriger Ein- und Ausreise, sowie des rechtswidrigen Aufenthalts verantworten. In seinem Musikklub «Triple X» oder «Verein Balkan Kultur Zürich» beschäftigte er Frauen aus Serbien und Kroatien. Für den Staatsanwalt waren es «Animierdamen». Die Frauen hatten weder Visum noch Arbeitsbewilligung. Sie stammen aus seinem Freundeskreis, verteidigt sich der Monteur, er habe sie eingeladen, um mit ihm die Eröffnung zu feiern. «Das ist unsere Kultur».

Gericht verhängt mildere Strafen


Das Gericht glaubt dem Mann nicht. Es folgt der Argumentation des Staatsanwalts, spricht jedoch mildere Strafen aus. Der Monteur kommt mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten bei einer Probezeit von vier Jahren davon. Der Staatsanwalt hatte beantragt, er müsse neun der 18 Monate absitzen. Dazu muss er eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 70 Franken zahlen.

Der Projektleiter wird zu neun, statt zwölf Monaten bedingt verurteilt, bei vier Jahren Probezeit. Die Beschuldigten müssen die Gerichts- und Verfahrenskosten tragen. Die Geschichte ist für sie nicht abgeschlossen, wie ein Verteidiger erklärt:

«Sie werden wohl ihr Leben lang unter den Schulden leiden.»

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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