Bezirksgericht Frauenfeld
In den Rebberg gelockt und in die Hose gefasst: Mann wegen sexueller Misshandlung eines neunjährigen Mädchens verurteilt

Wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind verurteilte das Bezirksgericht Frauenfeld einen jungen Mann zu einer bedingten Freiheitsstrafe.

Barbara Hettich
Merken
Drucken
Teilen
Das damals neunjährige Mädchen aus der Nachbarschaft wurde vom Beschuldigten mehrmals sexuell missbraucht.

Das damals neunjährige Mädchen aus der Nachbarschaft wurde vom Beschuldigten mehrmals sexuell missbraucht.

Symbolbild: Mrs / Moment RF

«Ich habe das nicht gemacht, ich bin unschuldig und weiter werde ich nicht aussagen», sagte der schmächtige junge Mann, welcher Anfang März vor dem Bezirksgericht Frauenfeld stand. Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hat der heute 23-Jährige im Mai 2018 mehrere Male auf das damals neunjährige Nachbarsmädchen gewartet, sie mit in den Rebberg genommen und ihr in die Hose gefasst. Einmal musste es sich hinter einem Busch auf ein Badetuch setzen, er habe ihr die Hosen ausgezogen, sei mit einem Finger «in ihr Schneggli» eingedrungen, und sie musste seinen nackten Penis anfassen. Der junge Mann habe ihr gesagt, dass dies ihrer älteren Schwester gefallen habe, sie dürfe das alles aber niemandem erzählen.

Das tat das Mädchen dann doch: Als sie eines Tages auf dem Weg zur Schule den Nachbarn erblickte und voller Angst zurück nach Hause rannte. Das Mädchen sei ein ruhiges, freundliches und schüchternes Kind, sagte die Staatsanwältin. Bei der Befragung sei sie bei ihren spärlichen Schilderungen konstant glaubhaft geblieben und habe nichts ausgeschmückt.

Beschuldigter liefert widersprüchliche Aussagen

Die Aussagen des Beschuldigten hingegen seien widersprüchlich, sagte die Staatsanwältin. Einmal behauptete er, dass das Badetuch, das im Rebberg aufgefunden wurde, von einem Campingausflug stamme. Später sagte er, dass er nicht campiert, sondern sich im Rebberg versteckt hatte um sich vor dem Militärdienst zu drücken.

Der junge Mann habe auch behauptet, dass er vor vielen Jahren mit der älteren Schwester des Mädchens eine zweijährige Beziehung pflegte. Richtig sei aber, dass es damals einen ähnlichen Vorfall gab und die Eltern, die einen guten nachbarschaftlichen Kontakt pflegten, dem Jungen erklärt hatten, dass er dies nicht mehr tun dürfe. Konstant ist der Mann bei der Behauptung geblieben, dass er nichts getan hat. Einmal vermutete er, dass das Mädchen damit nur die Aufmerksamkeit seiner Eltern auf sich ziehen wolle, damit sich diese nicht scheiden lassen. Ein anderes Mal meinte er, die Familie des Mädchens habe die Bilder der Neunjährigen auf sein Handy gespeichert.

Verteidiger fordert Freispruch, da Beweise und Zeugen fehlen würden

Der Verteidiger des 23-Jährigen forderte einen Freispruch. Es gebe keine objektiven Beweise oder Zeugen. Auf dem Badetuch gebe es zudem nur DNA-Spuren seines Mandanten, nicht aber von dem Mädchen. Wenn der junge Mann nach tagelanger Untersuchungshaft eine Verschwörung vermute, dann sei dies nachvollziehbar. Die Staatsanwältin erwiderte, dass das Mädchen das Badetuch beschrieben habe. Weil dieses erst Wochen nach dem Vorfall aufgefunden wurde, sei es nicht erstaunlich, dass DNA-Spuren fehlten.

Das Gericht folgte in seinem Urteil von vergangener Woche den Anträgen der Staatsanwaltschaft, sprach den Mann schuldig und verhängte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Als Bewährungshilfe muss er während der Probezeit von drei Jahren an einer deliktsorientierten Therapie teilnehmen. Zudem wird ihm für die Dauer von zehn Jahren jegliche Tätigkeit verboten, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst. Der junge Mann wird die Folgen seiner Verurteilung auch finanziell zu spüren bekommen: Seinem Opfer muss er eine Genugtuung von 7000 Franken ausrichten, dazu kommen Untersuchungs-, Verfahrens- und Anwaltskosten von rund 60'000 Franken.