BEZIRKSGERICHT: Das Opfer hatte Todesangst

Ein 26-Jähriger hat vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen gestanden, dass er seinen Kollegen bedroht und erpresst hatte. Ausserdem hat er ein Video mit kinderpornographischem Inhalt verbreitet.

Annina Flaig
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«Schauen wir, dass er nächstes Mal mehr bezahlt, hahaha», schrieb der Erpresser nach seiner Tat vor eineinhalb Jahren seinem Komplizen per Whatsapp. Vor Gericht ist ihm das Lachen nun vergangen. Der 26-jährige Iraker und gelernte Autolackierer musste sich am Montag unter anderem wegen qualifizierter Erpressung, Drohung, Tätlichkeiten sowie Pornographie vor dem Bezirks­gericht Kreuzlingen verantworten.

Tatort ist laut Staatsanwaltschaft ein Parkplatz einer Kreuzlinger Firma. Hierhin hatte der Angeklagte sein Opfer, einen Arbeitskollegen aus Mazedonien, bestellt. Zwischen den beiden gab es am Arbeitsplatz immer wieder Streit. Als der Angeklagte eine fristlose Kündigung erhielt, machte er deshalb seinen Arbeitskollegen mitverantwortlich dafür. Sauer war er auch, weil ihm der übliche Gesundheitsbonus in der Höhe von 2000 Franken nicht ausbezahlt worden war. Laut Anklageschrift forderte er deshalb 1000 Franken von seinem Arbeitskollegen. «Ansonsten werden ich und meine sieben Brüder dir alle Knochen brechen und deine Frau vergewaltigen», soll er gedroht haben.

Er beschimpfte, bespuckte und schlug sein Opfer

Zur Geldübergabe erschien der Täter zusammen mit seinem italienischstämmigen Kumpel, der im Auto wartete. Nachdem er das geforderte Geld im Sack hatte, schlug er sein Opfer, bespuckte und beschimpfte es. Das Opfer hatte Todesangst, als der Täter daraufhin seinen Komplizen aufforderte, den Baseballschläger aus dem Auto zu holen. Der Komplize bedrohte das Opfer ebenfalls, hielt den Täter jedoch vom Vorhaben mit dem Baseballschläger ab. Er war es auch, der die Aussagen des Opfers in der ersten Anhörung bestätigte. Später organisierte er sich einen neuen Anwalt und distanzierte sich vom Polizeiprotokoll. Auch der Hauptangeklagte wusch seine Hände vor Gericht in Unschuld: «Ich habe kein Geld erhalten und ihn nicht angefasst.» Er habe sich nur mit seinem Arbeitskollegen treffen wollen, damit dieser sich bei ihm entschuldigen könne.

Laut der Staatsanwältin zeichnet das Gutachten über die Handydaten des Angeklagten ein anderes Bild. So soll er seinem Komplizen geschrieben haben: «Ich habe einen Deal gemacht.» Nachgewiesen ist auch, dass der Geschädigte am besagten Abend 1500 Franken Bargeld bezogen, seinen Arbeitgeber angerufen und ihn bezüglich der Drohungen um Rat gefragt hatte. Die Staatsanwältin betonte, dass die Aussagen des Opfers im Gegensatz zu jenen der Angeklagten frei von Widersprüchen, detailliert und schlüssig seien. Das Opfer kämpfe bis heute mit Panikattacken.

Kind in pornographischem Video zu sehen

Während des Verfahrens wurde im Whatsapp-Chat des Angeklagten überdies ein Video mit pornographischem Inhalt gefunden. Darauf ist eine Frau zu sehen, die einem nackten Buben ein batteriegesteuertes Plüschhäschen so zwischen die Beine schiebt, dass es das Geschlechtsteil des Kindes oral stimuliert. Laut dem Anwalt des Angeklagten «ein Youtube-Video, dass für die heutige Spassgesellschaft üblich ist». Sex mit einem Plüschhasen sei ja kein richtiger Sex. Das Gericht sah es anders. «Das Gesetz will den Schutz Minderjähriger. Bilder eines nackten Kindes, das stimuliert wird, dürfen nicht verbreitet werden», sagte die Richterin. Das Gericht sprach den Hauptangeklagten in allen Punkten schuldig und verhängte eine zwölfmonatige bedingte Freiheitsstrafe. Ins Gefängnis muss er nur, wenn er eine dreijährige Probezeit nicht besteht. Weiter wurde er verpflichtet, Bussen, Schadenersatz und Genugtuung sowie Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt rund 28000 Franken zu bezahlen. «Das soll Ihnen eine Lehre sein, sich in Zukunft zu mässigen», sagte die Richterin.

Annina Flaig

kreuzlingen@thurgauerzeitung.ch