Umwelt
«Ein Vorbild für die Region»: Kreuzlingen erhält das Goldlabel für seine Anstrengungen in Sachen Klimaschutz und Energieeffizienz

77 Punkte und damit die Höchstauszeichnung erhält die Grenzstadt im Audit des Vereins «Energiestadt». Das sei ein Grund zur Freude, sagen die Verantwortlichen, aber keiner, um sich auszuruhen.

Urs Brüschweiler
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Stadtpräsident Thomas Niederberger, Stadtrat Ernst Zülle, der städtische Energiebeauftragte Gunter Maurer, die beiden Energiestadt-Berater Michèle Bättig und Kurt Plodeck sowie Stephan Tobler, Vizepräsident des Trägervereins, vor dem Kreuzlinger Rathaus.

Stadtpräsident Thomas Niederberger, Stadtrat Ernst Zülle, der städtische Energiebeauftragte Gunter Maurer, die beiden Energiestadt-Berater Michèle Bättig und Kurt Plodeck sowie Stephan Tobler, Vizepräsident des Trägervereins, vor dem Kreuzlinger Rathaus.

Bild: Ralph Ribi

«Es war ein langer, steiniger Weg bis hierhin. Aber heute können wir ernten, was wir gesät haben.» Die Ernte ist im Bild von Stadtpräsident Thomas Niederberger die Urkunde für das Erreichen des Goldlabels der Auszeichnung Energiestadt. 2004 habe sich die Stadt Kreuzlingen auf den Weg gemacht, seit 2006 darf man sich «Energiestadt» nennen und 2022 folgt nun also die Höchstauszeichnung. 77 Punkte erreichte die Stadt heuer beim Re-Audit, das alle vier Jahre durchgeführt wird, 75 sind nötig für das Goldlabel. Man habe die energie- und umweltpolitischen Ziele konsequent verfolgt und Massnahmen umgesetzt. Der Stadtpräsident machte im Rahmen der Übergabefeier auch gleich ein Versprechen:

«Wir werden uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern werden hart arbeiten und uns weiter verbessern.»

«Netto-Null» bis 2050

Es sei eine departementsübergreifende Leistung der Stadtverwaltung, bei welcher alle an einem Strick gezogen hätten, betonte Niederberger. Ein besonderes Kränzchen windete er aber Gunter Maurer, dem städtischen Energiebeauftragten. Er habe von Anfang an beharrlich auf dieses Ziel hingesteuert. Maurer gab dann einen Überblick über die bisherigen Anstrengungen und Zielsetzungen, welche zur heutigen Auszeichnung beigetragen haben. Und da ist einiges zusammengekommen. Etwa, dass sich Kreuzlingen 2019 dem Klimaschutzziel «Netto-Null» Treibhausgasemissionen bis 2050 verschrieben habe. Oder dass man konkret darauf hinarbeite, städtische Liegenschaften ohne fossile Energieträger zu beheizen. Dank einem Energiemonitoring, in welchem alle Gebäude der Stadt erfasst sind, könne man Hausbesitzer mit sanierungsbedürftigen Liegenschaften direkt kontaktieren.

«Die Energieberatungen für die Region sind ein Erfolgsrezept. Wir haben unheimlich viel zu tun.»

Maurer erwähnte auch die Bachöffnungen, die Förderung von naturnahen Umgebungen bei Neubauten und zahlreiche Massnahemn mehr. Er bedankte sich auch für den «politischen Support», auf den man in Kreuzlingen stets zählen kann.

Es gibt noch viele Dächer

Dass der Stadtrat grün tickt, machte auch «Bauminister» Ernst Zülle deutlich. Sämtliche Altbauten sollen bis 2050 saniert sein, betonte er etwa. Mit Blick auf zwei bestehende grosse Solaranlagen auf städtischen Dächern meint er, es gebe noch viele Dächer zu begrünen oder mit Photovoltaik zu bestücken. «Wir werden Gas geben», sei in diesem Zusammenhang aber ein falsches Wortspiel. Denn man arbeitet im Bereich Wärme genau in die entgegengesetzte Richtung – nämlich an der Ablösung fossiler Energieträger – und plane stellenweise sogar einen Rückbau des Gasnetzes.

«Wir machen vorwärts und werden bei der Überprüfung der Ziele auch streng sein mit uns selber.»

Stephan Tobler, Vizepräsident des Trägervereins Energiestadt, gratulierte Kreuzlingen zum guten Ergebnis und den überdurchschnittlichen Anstrengungen. «Eine tolle Leistung, mit der man auch Standortmarketing betreiben darf.» Von insgesamt 80 Gemeinden im Kanton seien derzeit 18 zertifiziert. Und nur deren 6 im Thurgau haben wie Kreuzlingen das Goldlabel zugesprochen erhalten. Auffallend in Kreuzlingen sei, dass die Behörden hier nicht auf die Bremse stehen.

Mit dem Klimawandel umgehen

Thomas Volken vom kantonalen Amt für Energie überbrachte die Wertschätzung des Thurgauer Regierungsrats. «Die Auszeichnung zeigt: Kreuzlingen ist eine Stadt, die ihre Verantwortung wahrnimmt.» Mit schweizweit 89 Gemeinden mit der höchsten Auszeichnung befinde sich die Stadt nun in einem erlesenen Klub. Volken hob verschiedene Leistungen hervor: etwa sei es vorbildlich, dass Kreuzlingen bereits einen Massnahmenplan habe zur Klimaanpassung. Dabei geht es etwa um Hochwasserschutz oder die Dämmung von sommerlicher Hitze; also um den Umgang mit den Folgen des Klimawandels, nicht um dessen Verhinderung.