Nachwuchshoffnungen
Zwei Kreuzlinger schwimmen in Bukarest und Birmingham – und beide träumen von den Olympischen Spielen

Flavio Bucca aus Altnau und Warren Lawrence aus Ermatingen vertreten den Schwimmclub Kreuzlingen und haben sich für internationale Wettkämpfe qualifiziert.

Judith Schuck
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Warren Lawrence und Flavio Bucca.

Warren Lawrence und Flavio Bucca.

Bild: Jette-Marie Schnell

Von Kreuzlingen nach Norwegen – das ist ungefähr die Strecke, welche die beiden Kreuzlinger Schwimmer Flavio Bucca und Warren Lawrence jeweils pro Jahr zurücklegen: 1200 Kilometer. Das entspricht etwa 48'000 Bahnen im Egelseebad, wo sie trainieren. Eine ebenfalls beeindruckende Zahl sind die Wochenstunden, die die beiden für ihren Sport investieren: 23 bis 25 Stunden. Dafür benötigt es Selbstdisziplin. Diese Eigenschaft hat sich bei zwei Nachwuchsschwimmern des Schwimmclubs Kreuzlingen ausgezahlt, denn der 17-jährige Flavio Bucca aus Altnau hat sich mit seiner Leistung für die Junioren-Europameisterschaften qualifiziert, die vom 6. bis 11. Juli in Bukarest stattfinden. Warren Lawrence, 19 Jahre und wohnhaft in Ermatingen, schwimmt für den kleinen Antillenstaat Dominica bei den Commonwealth-Spielen mit. Diese werden vom 28. Juli bis 8. August in Birmingham ausgetragen.

Ermatinger schwimmt für Dominica

Warren Lawrence fing erst mit 15 Jahren richtig mit dem Schwimmsport an. Er trägt die doppelte Staatsbürgerschaft, da sein Vater, ehemaliger Olympiaschwimmer, aus Dominica stammt. Warren selbst lebte dort für anderthalb Jahre, bis 2017 Hurrikan Maria 90 Prozent der Insel zerstörte. Sein Vater habe ihn nie zum Sport gedrängt, «aber er freut sich, dass ich schwimme und damit erfolgreich bin». Da Dominica nur etwa so gross ist wie der Stadtstaat Hamburg und damit die Konkurrenz nicht so gross ist, traut er sich zu, eines Tages für den Karibikstaat bei Olympia zu schwimmen. Ab August möchte er sich aber erst einmal voll auf seine Ausbildung als Landschaftsgärtner bei Erni Gartenbau in Bottighofen konzentrieren.

Im Gegensatz zu Warren, dessen Lieblingsstrecke 50 Meter Schmetterling ist, liebt Flavio Bucca die 200 bis 400 Meter Lagen, also Schmetterling, Rücken, Brust und Kraul. Trainiert werden beide von Gino Deflorian. Für Flavio Bucca bedeutet es sehr viel, die Schweiz bei der JEM zu vertreten. Auch er träumt davon, eines Tages bei Olympia zu schwimmen. Sein erstes Abzeichen machte er mit sechs Jahren, mit zehn trat er in den Schwimmclub ein. Aktuell absolviert er am Talent-Campus eine Sport-KV-Lehre.

«Am Morgen trainiere ich von 7.15 bis 9.15 Uhr, um 10 Uhr fängt die Schule an. Am Abend geht es dann nochmals zum Training.»

Elf Trainingseinheiten pro Woche

Beide Schwimmer sind in der Elitegruppe und leisten wöchentlich etwa neun Wassertrainings sowie zwei Krafttrainingseinheiten im Fitnessstudio. Am Wochenende nehmen sie häufig an Wettkämpfen teil. Das klingt verdammt hart, und dennoch kommen die Leistungsschwimmer selbst in den Ferien nicht lange ohne Wasser aus: «Auch dann brauche ich ein paar Bahnen, obwohl Gino das nicht so gern sieht, wenn wir durchtrainieren», sagt Flavio Bucca. Warren Lawrence, der neben dem Sport noch bei der freiwilligen Feuerwehr und im Jungschützenverein aktiv ist, wird es spätestens nach einer Woche Pause «auch schon langweilig».

Zur Vorbereitung auf den grossen Wettkampf reiste Flavio Bucca für zwei Wochen ins Trainingslager nach Sursee, wo er mit dem Schweizer Nationalkader trainiert. Bei Warren Lawrence verläuft die Vorbereitung ähnlich, er übte in Mallorca für den Wettkampf, zu dem ihn Trainer, Vater und Mutter begleiten.

«Ich bin dann der erste Schwimmer seit 22 Jahren, der für Dominica einen international wichtigen Wettkampf schwimmt.»